Melasma L81.1

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Chloasma; Chloasma cachecticorum; Chloasma climacterium; Chloasma gravidarum; Chloasma hormonale; Chloasma medicamentosum; Chloasma traumaticum; Chloasma uterinum; Schwangerschaftsflecken

Definition

Erworbene, meist scharf begrenzte, großflächige oder kleinfleckige, geschlossene oder retikuläre Hyperpigmentierung (Melanose) in sonnenexponierten Arealen, die im Winter entweder vollständig verblassen oder kaum noch sichtbar sind, in der kommenden Sonnensaison jedoch in loco rezidivieren.

Charakteristisch ist ein jahrelanger Verlauf mit markantem Rezidiv nach den ersten jährlichen Sonnenexpositionen.

Vorkommen/Epidemiologie

 Bei arabischstämmigen Einwohnern in USA ist das Melasma (Chloasma) die fünfthäufigste Hauterkrankung. Insgesamt sind >5 Millionen Bürger der USA betroffen.  Etwa 80-90% der Betroffenen sind im gebährfähigen Alter. Etwa 10% der Betroffenen sind Männer.   

Häufigste sichtbare Pigmentstörung in der Schwangerschaft.  

Bevorzugt tritt die Erkrankung bei Menschen mit dunklem Hauttyp (Hauttyp III-IV n. Fitzpatrick) 

Ätiopathogenese

Die Pathogenese des Melasmas ist multifaktoriell. Postuliert werden Einfluss von Östrogenen von Progesteron, von MSH und ACTH; weiterhin Modulationen der Melaninsynthese durch Beeinflussung der Tyrosinase (katalysiert die Umwandlung von L-Tyrosin zu L-Dopa und zu L-Dopa-Chinon), Aktvierung und Vermehrung der Östrogenrezeptoren in Melanozyten.  

Im Einzelnen sind folgende Faktoren beeinflussend nachweisbar:

Genetik: 50% der Patienten mit Melasma haben eine positive Familienanamnese. 

Schwangerschaft: 20% der Melasmen sind auf eine Schwangerschaft zurückzuführen (Melasma gravidarum)

Körpereigene Hormone:  Melasma climacterium oder exogen zugeführte Hormone (Melasma hormonale). Auch bei Schilddrüsendysfunktion (Pat. mit Melasma leiden 4x häufiger an Hypo- oder Hyperthyreose als Schilddrüsengesunde).  

Medikamente: Langfristige Einnahme von Hydantoin- oder Chlorpromazin-haltigen Medikamenten (Melasma medicamentosum). Eine weitere starke Assoziation besteht bei der Einnahme von Antidepressiva und Anxiolytika sowie bei Einnahme von 5alpha-Reduktasehemmern wie Finasterid oder auch Dusterid.

Kosmetika: Vaseline oder photosensibilisierende Substanzen enthaltende Hautcremes (Chloasma cosmeticum).

Konsumierende Erkrankungen (Melasma cachecticorum).

Traumen: Druck, Reibung, Kälte, Wärme (Melasma (Chloasma) traumaticum).

Idiopathisch: s.a. Melasma (Chloasma) hepaticum.

Manifestation

Überwiegend bei Frauen auftretend, sehr selten auch bei Männern. Erstmaliges Erkrankungsalter 20 - 40, durchschnittlich 35 Jahre . Bei 40% der Betroffenen ging eine Schwangerschaft unmittelbar voraus. Familiäre Vorbelastungen sind häufig >50%.     

Lokalisation

Stirn, Wangen (Jochbeinregion), Oberlippe, Nase, Schläfen- und Unterkieferregion.

Klinisches Bild

Meist scharf oder retikuliert begrenzte, unregelmäßig geformte, häufig symmetrische, braungraue bis tiefbraune, flächenhafte, bizarr geformte Hyperpigmentierungen, die zu größeren Flächen konfluieren können. Melasmen treten besonders nach UV-Exposition auf. 

Analog zum Psoriasis Area and Severity Index (PASI) wurde der Melasma Assessment Severity Index (MASI) entwickelt.

Histologie

  • Epidermaler Typ: Melaninablagerung in den basalen und suprabasalen Epidermislagen, ggf. bis zum Stratum corneum.
  • Dermaler Typ: Melanin-beladene Makrophagen in der oberflächlichen und mittleren Dermis.
  • Histochemisch lässt sich eine Erhöhung der Zahl und der Aktivität der Melanozyten nachweisen.

Therapie allgemein

Externe Therapie

Interne Therapie

Operative Therapie

Verlauf/Prognose

Sehr allmähliche (meist erst nach mehreren Jahren) Rückbildung nach der Schwangerschaft oder nach Absetzen der hormonellen Therapie.

Naturheilkunde

  • Lakritzenextrakt: Ein lokal anzuwendender Lakritzenextrakt (s.u.Glycyrrhiza glabra) ist v.a. in Ägypten üblich. Der Wirkstoff Glabridin (0,4% ölige Zubereitung) hemmt nachgewiesenermaßen die Tyrosinaseaktivität der Melanozyten.
  • Arbutin (Hydrochinon-beta-D-glucopyranosid) pflanzlicher Stoff aus Uva ursi folium (bearberry plant, Bärentraube). Chemisch ist Arbutin eine  Verbindung aus der Gruppe der Aryl-beta-Glucoside und der Hydrochinone. Es ist weniger toxisch als Hydrochinon. Der Nachweis einer Hemmung der Tyrosinase konnte in einer Studie nachgewiesen werden. Das synthetische Deoxyarbutin führt zu einer dosisabhängigen Reduktion der Tyrosinaseaktivität und des Melaningehaltes in den Melanozyten.    

Hinweis(e)

Ein 10 - 20% Hydrochinonmonobenzylether sollte bei dieser Erkrankung nicht eingesetzt werden, da die Gefahr der irreversiblen Depigmentierung gegeben ist.

Die Begriffe Chloasma und Melasma werden synonym angewendet, wobei sich im englischsprachigen Raum der Begriff "Melasma" zunehmend durchsetzt.  

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

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