Loiasis B74.30

Synonym(e)

Calabar; Kalabarbeule; Kalabarschwellung; Kamerunbeule; Kamerunschwellung; Loa-Loa; Loa-Loa-Filariose; Loiase

Erstbeschreiber

Mongin, 1770; Bajon, 1777; Guyot, 1781; Manson, 1891

Definition

Infektionserkrankung durch Loa Loa (Wanderfiliarie), Filarien mit typischen subkutanen Schwellungen als Zeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion auf die im Unterhautbindegewebe umherwandernden Filarien.

Erreger

Loa-Loa (Augenwurm), wandernde Filarien. Die Weibchen sind 5-7 cm lang, Männchen sind kleiner. Die infektiösen Larven werden durch Bremsen der Gattung Chrysops übertragen.

Vorkommen/Epidemiologie

Nur in der west- und zentralafrikanischen Regenwaldzone beheimatet (Benin, Angola, Westen des Sudans).

Ätiopathogenese

Übertragung der etwa 0,2-0,3 cm großen L3 Larven durch den schmerzhaften Stich der Bremse Chrysops demidiata. Chrysops demidiata ist auf schattige, feuchte Biotope afrikanischer Regenwälder angewiesen. Die beim Stechakt übertragenen Larven wachsen in 6-12 Monaten zu reifen Adulten heran (Lebenszeit 15 Jahre im subkutanen Fettgewebe). Zyklisch werden von den Weibchen Mikrofilarien ins Blut abgegeben, die dann von Bremsen wieder aufgenommen werden können.

Lokalisation

Vor allem Handgelenke, Gesicht, Fußknöchel.

Klinisches Bild

  • Integument: Die Stoffwechselprodukte des wandernden Adultwurmes verursachen allergische Reaktionen. Meist wechselnde, ca. 3-4 Tage andauernde, gerötete, juckende Schwellungen abhängig von der Lokalisation des Wurmes (5-7 cm Länge) in der Haut.
  • Extrakutane Manifestation: Befall der Bindehaut des Auges (stark schmerzhaft wenn von Filarien durchwandert; pathognomonisch).
  • Selten kann es bei lang anhaltendem Befall mit hochgradiger Eosinophilie zu chronischen Entzündungsprozessen mit eosinophilen Granulomen insbesondere an serösen Häuten kommen.
  • Spätkomplikationen: Endokarditis, Nierenschädigung und Meningoenzephalitis (adulte Würmer können mehr als 10 Jahre im Organismus persistieren).

Diagnose

  • Reiseanamnese
  • Mikrofiliariennachweis im Blutausstrich (meist frühestens 1-2 Jahre nach Infektion möglich). Die Blutentnahme sollte tagsüber, am besten mittags erfolgen. Nachweis der Würmer in Haut oder Konjunktiven.
  • Eosinophilie im Blut
  • DEC-Provokationstest
  • Serologischer Antikörpernachweis gegen Filarien-Rohantigen
  • IgG4-Serumantikörper.

Differentialdiagnose

Onchozerkose; Larva migrans; Strongyloidose; Gnathostomiasis; Fascioliasis, Toxisch-allergische Syndrome.

Interne Therapie

Prophylaxe

Diethylcarbamazin während der Exposition (nur in Ausnahmefällen!). Schutz vor Bremsen.

Hinweis(e)

Die Diagnostik und Therapie sollte Tropenmedizinern vorbehalten sein.

Literatur
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  1. Bajon B (1777-1778) Memoires pour servir a l'histoire de Cayenne et de la Guyane francaise. Paris, France
  2. Eichenlaub D et al. (2003) Parasite detection and symptoms of parasitic diseases. 1: Blood parasites. Internist (Berl) 44: 337-346
  3. Huber HG et al. (1986) Discovery of Loa ophthalmia by the French ship's surgeon Francois Guyot (1742-1816). Klin Monatsbl Augenheilkd 189: 178-182
  4. Manson P (1891) The Filaria sanguinis hominis major and minor, two new species of haematozoa. Lancet i: 4-8
  5. Mongin A (1770) Sur un ver trouve sous la conjunctive a Maribarou, isle Saint-Dominique. J Med Chir Pharm 32: 338-339
  6. Takougang I et al. (2002) Rapid assessment method for prevalence and intensity of Loa loa infection. Bull World Health Organ 80: 852-858
  7. Twum-Danso NA et al. (2003) Variation in incidence of serious adverse events after onchocerciasis treatment with ivermectin in areas of Cameroon co-endemic for loiasis. Trop Med Int Health 8: 820-831

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Zuletzt aktualisiert am: 20.11.2017