Livedo reticularis I73.83

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Cutis marmorata; Livedo anularis

Definition

Funktionelle, temperaturabhängige (Unterkühlung) Störung der dermalen Blutversorgung mit Strömungsverlangsamung und Hypoxygenierung des Blutes der betroffenen Region und livider Netzzeichnung der Haut. Im Gegensatz zur nicht-funktionellen, sondern organisch bedingten Livedo racemosa, besteht die Netzzeichnung aus geschlossenen Ringen, die einen Durchmesser von 2,0-3,0 cm haben. Die roten Randzonen entsprechen nicht hier verlaufenden durchschimmernden Gefäßen, sondern markieren die Zonen mit niedrig oxygeniertem Blut. Das zuführende Gefäß dieses Hautkompartimentes liegt im Zentrum des Ringes (s. Abb.mit schematischer Zeichnung).

Bei der Livedo racemosa    kommt es hingegen zu Gefäßverschlüssen mit unregelmäßgier fokaler Zirkulationsstörung, die zu bizarren Erythemmusterungen auf der Haut  führt.  

Ätiopathogenese

Meist funktionelle, harmlose Fehlregulation  nach Kälteexposition (Livedo reticularis e frigore; Cutis marmorata) auftretend und nach Erwärmung wieder verschwindend.  

Seltener nach Wärmeexposition ( Erythema e calore).

Weiterhin bei:

  • Störungen der Blutviskosität (Polyglobulie, Kryoglobulinämie; Paraporteinämie)
  • zentralen Innervationsstörungen (Apoplexie, Traumen)
  • bei Infektionen (z.B. Hepatitis C, Tuberkulose)
  • bei Medikamentenexposition (z.B. Heparin, Erythromycin, Amantadin, Interferone)
  •  nach Kohlenstoffdioxid-Arteriographie
  •  bei versch. Neoplasien (z.B. Nierenzellkarzinom).  

Manifestation

Regelmäßig bei Säuglingen in den ersten Lebenswochen bei leichter Abkühlung der Haut auftretend.

Bei Adoleszenten und jungen (meist weiblichen) Erwachsenen als harmlose, funktionelle Störung der Blutzirkulation.

Eine Livedo reticularis die jenseits der Neonatalperiode auftritt kann Zeichen einer Trisomie 18, eines Down-Syndroms, des seltenen Cornelia-de-Lange-Syndroms oder einer Hypothyreose sein.

Lokalisation

Symmetrisch an den Extremitäten, evtl. auch am Stamm.

Klinisches Bild

Großmaschige livide Marmorierung, je nach Form Verschwinden oder Auftreten nach Erwärmung bzw. Abkühlung. Häufig periphere Akrozyanose.

Histologie

Nur graduelle Veränderungen zu einem Normalbefund. Gfls. Erweiterung der postkapillären Venolen des oberflächlichen und tiefen Gefäßplexus. Keine Gefäßverschlüsse (DD Livedo racemosa).

Differentialdiagnose

Livedo racemosa (s.a. Abbn.)

Therapie

Verlauf/Prognose

Besserung mit zunehmendem Alter.

Literatur
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  1. Gibbs MB et al. (2005) Livedo reticularis: an update. J Am Acad Dermatol 52: 1009-1019
  2. Endo Y et al. (2011)  Idiopathic livedo reticularis concomitant with polyclonal IgM hypergammopathy. Eur J Dermatol 21:266-267
  3. Fox M et al. (2012) Livedo reticularis: a side effect of interferon therapy in a pediatric patient with melanoma. Pediatr Dermatol 29:333-335
  4. Ruiz-Genao DP (2005) Livedo reticularis associated with interferon alpha therapy in two melanoma patients. J Eur Acad Dermatol Venereol 19: 252-254
  5. Sladden MJ et al. (2003) Livedo reticularis induced by amantadine. Br J Dermatol 149: 656-658
  6. Zelger B et al. (1995) Differentialdiagnose der Livedosyndrome. Hautarzt 46: 369-379

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