Listeriose kutane A32.0

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

cutaneous listeriosis

Erstbeschreiber

Murray, 1926

Definition

Namentlich meldepflichtige bakterielle Infektionskrankheit mit Listeria monocytogenes;  in der Regel sporadisch, gelegentlich epidemisch auftretend. Grundsätzlich muss zwischen den unterschiedlichen Arten der Infektion unterschieden werden, da sie sich unter  verschiedenartigen klinischen Krankheitsbildern darstellen. Die primär kutane Listeriose ist eine sehr seltene Zoonose.

Erreger

Fakultativ pathogene Listeria spp. (grampositive, bewegliche, nichtsporenbildende, katalasepositive, fakultativ anaerobe Stäbchen). Bedeutendste humanpathogene Spezies ist Listeria monocytogenes, selten sind auch L. seeligeri oder L. ivanovii bei Infizierten nachweisbar. Etwa 10% der Menschen und Tiere sind gesunde intestinale Träger von Listeria monocytogenes. Bei immunkompetenten Menschen kommt es nicht zur Infektion.

Vorkommen/Epidemiologie

Erkrankungen sind selten. In der Bundesrepublik Deutschland: etwa 100-300 gemeldete Erkrankungen/Jahr.

Ätiopathogenese

Schmierinfektion bei Kontakt mit kranken Tieren, evtl. durch Genuss infizierter Nahrungsmittel, auch durch gesunde Keimträger, beim Foetus diaplazentar. Infizierte Personen (auch bei asymptomatischen Verläufen) können den Erreger über den Stuhl für mehrere Monate ausscheiden. Bei Müttern von infizierten Neugeborenen sind die Erreger in Lochialsekreten und Urin etwa 7-14 Tage nach der Entbindung nachweisbar, nur selten länger.

Manifestation

Symptomatische Erkrankung hauptsächlich bei Pat. mit Abwehrschwäche, z.B. Neugeborenen, Alten, bei Tumoren, HIV-Infektion, Immunsupprimierten, Transplantierten, Schwangeren.

Keine Alters- oder Geschlechtsbevorzugung.

Lokalisation

Bei der kutanen Inokulations-Listeriose: Hände und Unterarme 

Klinisches Bild

Inkubationszeit: 3-70 Tage

Listeriose des Neugeborenen: Infektion erfolgt transplazentar, während der Geburt oder postnatal durch Kontakt

Postnatale Listeriose: bei Immunkompetenten meist unbemerkt asympotmatisch oder mit leichten gatrointestinalen Beschwerden. Bei Immunsupprimierten oder Menschen mit konsumierenden Erkrnakungen, schwere invasive Verläufe mit  Fieber, Kopfschmerzen, Benommenheit, Lendenschmerz, Meningitis und Sepsis. Haut kann durch vaskulitische Exantheme beteiligt sein. 30% der septischen Listeriose verluafen letal.

Kutane Inokulations-Listeriose. Bei Tierärzten und Arbeitern in der Landwirtschaft Inokulation des Erregers (durch ekzematöse Hautveränderungen begünstigt - Berufs-Listeriose). An der Inokulationstelle Ausbildung von lokalisierten (gruppierten),  schmerzlosen, nicht juckenden  papulo-vesikulösen, oder pustulösen Effloreszenzen, die sich zu kleinen Ulzera umwandeln können. I.A. unkomplizierter  selbstlimiierter Verlauf.   

 

Diagnose

Direkter Erregernachweis im Rachenabstrich, von Hautläsionen, Mekonium, Lochien, Stuhl. Antikörper-Nachweis, Intrakutantest.

Differentialdiagnose

Follikulitis bedingt durch Staphylokokken.

Komplikation

Listerien-Meningitis (Letalität trotz Therapie ca. 30%).

Therapie

Hinweis(e)

Benannt nach dem britischen Chirurgen Josef Baron Lister (1827-1912)

Literatur
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