Lippenleckekzem L20.8

Zuletzt aktualisiert am: 20.11.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Cheilitis sicca; Leckekzem; Lutschekzem; Saugekzem

Definition

Häufiges, therapieresistentes toxisch degeneratives Ekzem, das durch permanentes, auch Tick-mäßiges Lecken mit Zunge und Lippen chronifiziert.

Erst durch Beenden der Noxe kann es zum Verschwinden gebracht werden.

Bei Säuglingen und Kleinkindern auch durch ständiges Schnullertragen ausgelöst (s.u. Artefakte).

S.a.u. Ekzem; s.a. Cheilitis simplex.

Ätiopathogenese

Lippenhaut besitzt keine Talg- und Schweißdrüsen und ist nur durch eine dünne Hornschicht (1/20 mm Dicke) geschützt. Daher ist sie für Austrocknungsprozesse besonders anfällig. Somit ist auch eine zusätzliche Beeinträchtigung der Barrierefunktion durch Umwelteinflüsse gegeben. Die Folge sind trockene Lippen mit Spannungsgefühl und Juckreiz. Hierdurch werden die Lippen reflexartig immer wieder geleckt. Durch diese ständige Anfeuchtung wird die Austrocknung noch verstärkt. Bei Kleinkindern entsteht das Lippenleckekzem oft als Folge von vermehrtem Speichelfluss, der wiederum reflexartig das Lecken der Lippen auslöst.

Klinisches Bild

Gefühl des ständigen "Trockenseins" der Lippen. Spannungsgefühl. Lippenrot rau, trocken und flächig pergamentartig verändert. Bildung von fein bis groben Schuppen. Ausbildung von radiären Rhagaden (Pseudo-Parrot-Furchen). Häufig auch kombiniert mit einer Perlèche. Bei "Schnullerkindern" zeigt sich eine toxisch-degenerative Cheilitis mit umgebender auf den Kontatkbereich begrenzten Dermatitis.  

Therapie

Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Diagnose. Generell erforderlich ist eine gute und intensivierte Lippenpflege mit Feuchtigkeit spendenden und entzündungshemmenden Cremes und Pflegestiften (z.B. Rolip Mandelic), die möglichst keine Farb- oder Konservierungsstoffe enthalten sollten. Gute Effekte werden mit reiner Vaseline (Vaselinum album), Lanolin oder Mandelöl-haltigen Salben erzielt. Bei mykotischer Überlagerung kommen Antimykotika zur Anwendung. Bakterielle Infektionen werden mit desinfizierenden Salben oder auch lokalen Antibiotika therapiert. Bewirkt eine Grunderkrankung die Lippenveränderungen, muss die Krankheit behandelt werden. Häufig liegt eine Aknebehandlung mit Isotretinoin zugrunde ("Retinoiddermatitis"). Liegt der Verdacht auf eine Kontaktallergie vor, sollte eine Epikutantestung durchgeführt werden. Vgl. auch Cheilitis simplex.

Therapie allgemein

Allgemeine Richtlinien:

  • Vermeiden von heißen oder zu scharfen Speisen
  • Gründliche Mundhygiene
  • Nicht ständig über die Lippen lecken, statt lecken - Verwendung eines Fettstiftes
  • Zahnprothesen eventuell nochmals besser anpassen lassen und immer gründlich reinigen
  • Keine Dauermedikation mit Glukokortikoidsalben
  • Bei Kindern auf evtl. vermehrten Speichelfluss achten
  • Bei "Schnullerkindern" eventuell kleineren Schnuller verwenden, möglichst den Gebrauch minimieren
  • Bei Aknebehandlung alternative Behandlungsmöglichkeiten zu Retinoiden suchen.

Naturheilkunde

Naturkosmetik-Produkte sind bei spröden Lippen weniger geeignet, da ihnen oft ätherische Öle beigemengt sind, die Allergien auslösen können. Bienenhonig mehrfach täglich aufgetragen ist empfehlenswert; wirkt entzündungshemmend und beruhigend.

Hinweis(e)

Zu einer Cheilitis können führen:

  • Kaltes, windiges Wetter
  • UV-Strahlen (aktinischer Schaden; Personen > 50-60 Jahre)
  • Atopisches Ekzem (Abklärung einer atopischen Diathese)
  • Kontaktallergien (Ausschluß einer Kontaktallergie)
  • Chronische Rhinitiden
  • Stoffwechselerkrankungen, z.B. Diabetes
  • Vitamin- oder Eisenmangel
  • Aknebehandlung mit Isotretinoin
  • Chemotherapien
  • Chronifizierte (ticartige) Leckmechanismen (s.u. Artefakte
  • Permanentes Schnullertragen.

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

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