Lipodystrophie generalisierte E88.1

Zuletzt aktualisiert am: 12.10.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Berardinelli-Seip congenital lipodystrophy; Berardinelli-Seip-Syndrom; BSCL; Diabetes mellitus lipatrophischer; Kongenitale generalisierte Lipatrophie; Lipodystrophia generalisata congenita; Lipodystrophie kongenital-progrediente; Lipodystrophiesyndrom generalisiertes; OMIM 269700; OMIM 608597; Seip-Lawrence-Syndrom

Erstbeschreiber

Berardinelli, 1954; Seip, 1959

Definition

Autosomal-rezessiv erbliches Krankheitsbild mit generalisierter, progressiver Lipatrophie, Gigantismus, Akromegalie, Muskelhypertrophie mit athletischem Typ bereits im Säuglingsalter, Hypertrichose im Gesicht,  Insulin-resistenter Hyperglykämie, Hypertriglyzeridmämie und erniedrigtem HDL-Cholesterin un Fettleber  sowie polyzystischen Ovarien und Acanthosis nigricans.

Ätiopathogenese

Bisher wurden in 332 Fällen 90 unterschiedliche Mutationen nachgewiesen. Einige Mutationen waren homogen verteilt und andere waren spezifisch für geografische Regionen. Typ 2 BSCL wurde in der Literatur am häufigsten genannt (50,3% der Fälle), gefolgt von Typ 1 (38,0%), Typ 4 (10,2%) und Typ 3 (1,5%). Die Mutationen umfassten Frameshift- (34,4%), Nonsense- (26,6%) und Missense- (21,1%) - Mutationen.

GEsichert sind autosomal-rezessiv vererbte Mutationen des BSCL1-Gens (Berardinelli-Seip congenital lipodystrophy-1 Gen; Genlokus: 9q34.3) sowie des BSCL 2 Gens (Berardinelli-Seip congenital lipodystrophy-2 Gen; Seipin; Genlokus: 11q13).

Weiterhin nachweisbar sind genetische Variationen in den Genen: CAV1 und CAVIN1 (Craveiro Sarmento AS et al. 2019). 

Bisher wurden 2 mutierte Proteine gefunden. Die Funktion des einen Proteins ist unbekannt. Das andere Protein wirkt als Enzym, das an der Synthese von Triglyceriden und Phospholipiden beteiligt ist. 

Klinisches Bild

  • Integument:
  • Hyperpigmentierung; Hypertrichose, gelocktes Haar, progressive generalisierte Lipodystrophie (von Geburt an tritt bei fehlendem Fettgewebe das Muskelrelief stärker in Erscheinung).
  • Extrakutane Manifestationen (bereis im frühen Kindesalter nachweisbar):
    • Makrosomie des Säuglings und Kleinkindes
    • Muskelhypertrophien
    • athletischer (pseudoathletischer) Aspekt bereits im Säuglingsalter
    • evtl. hypertrophe Kardiomyopathie.
  • spätere klinische Zeichen:
    • akromegaloider Hochwuchs mit großen Händen, Füßen und Ohren
    • Acanthosis nigricans
    • deutliche sexuelle Frühreife
    • Oligomenorrhö
    • polyzystische Ovarien mit Zeichen der Virilisierung
    • Retardierung der mentalen Entwicklung in ca. 50% der Fälle
    • Hyperlipidämie
    • insulinresistenter Diabetes mellitus mit Hypertriglyceridämie, erniedrigtem HDL-Cholesterin und Entwicklung einer Fettleber.

Literatur
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  1. Berardinelli W (1954) An undiagnosed endocrinometabolic syndrome: report of 2 cases. J Clin Endocr 14: 193–204
  2. Craveiro Sarmento AS et al. (2019) The worldwide mutational landscape of Berardinelli-Seip congenital lipodystrophy. Mutat Res 781:30-52.
  3. Leiber B (1997) Die klinischen Syndrome: Syndrome, Sequenzen und Symptomenkomplexe. Adler G et al. (Hrsg.) Urban & Schwarzenberg, München Wien Baltimore
  4. Moyle G et al. (2004) Managing HIV lipoatrophy. Lancet 363: 412-414
  5. Palella FJ Jr et al. (2004) Anthropometrics and examiner-reported body habitus abnormalities in the multicenter AIDS cohort study. Clin Infect Dis 38: 903-907
  6. Seip M (1959) Lipodystrophy and gigantism with associated endocrine manifestations. A new diencephalic syndrome? Acta paediat 48: 555–574
  7. Sollberg S (1987) Generalisierte Lipodystrophie (Seip-Lawrence-Syndrom) vom kongenital-hereditären Typ. Akt Dermatol 13: 165–168

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