Lineare IgA-Dermatose L13.8

Bildübersicht

Synonym(e)

Linear IgA disease (e); LAD; IgA-lineare Dermatose; linear IgA-bullous dermatosis; IgA bullous pemphigoid; IgA bullöses Pemphigoid; lineares IgA bullöses Pemphigoid;  LABD; LAD; linear IgA bullous dermatosis; IgA-lineare Dermatose

Erstbeschreiber

Chorzelski u. Jablonska, 1975

Definition

Seltene, chronische, autoimmunologische, blasenbildende Dermatose mit linearer IgA- und C3-Ablagerung an der dermo-epidermalen Junktionszone, die zur Pemphigoid Gruppe gezählt wird. Grundsätzlich werden unterschieden:

Vorkommen/Epidemiologie

Inzidenz (für Deutschland und Frankreich): Ca. 0,02-0,05/100.000 Einwohner/Jahr. In  größeren Kontingenten blasenbildender Erkrankungen finden sich weniger als 1% an Patienten mit linearer IgA-Dermatose.

Ätiopathogenese

  • Grundsätzlich müssen aus ätiopathogenetischer Sicht bei der LAD im Erwachsenenalter 2 Formen unterschieden werden.
    • Idiopathische LAD: Bei dieser Variante sind Zusammenhänge mit anderen Autoimmunerkrankungen sowie malignen Tumoren beschrieben.
    • medikamentöse LAD: Folgende Medikamente wurden als auslösend beschrieben: Vancomycin, Diclofenac, Glibenclamid, Jod, Penicillin, Piperacillin, Interferon gamma, Sulbactam, Zytostatika.
  • Nachgewiesen wurden mit einem hohen Prozentsatz IgA-Antikörper (bei 60% der Fälle), mit einem geringeren Prozentsatz IgG-Antikörper (30%) und seltener beide Ak-Typen (20%) gegen Autoantigene.
  • Zielautoantigene sind das 97 kDa-Protein (Degenerationsprodukt des BPAG2 = bullöses Pemphigoid Antigen), LAD 285, ein 180 kDa-Protein.
  • Selten sind Antikörper gegen 255-, 145-, 100 kDa-Proteinbanden sowie Kollagen VII. Unterschiede im Auftreten der Antikörper zwischen Erwachsenen und Kindern (chronische bullöse Dermatose des Kindesalters) existieren nicht.
  • Ultrastrukturell können die Antigene an den Ankerfibrillen der Lamina lucida und an der Lamina densa nachgewiesen werden.

Manifestation

Häufigste blasenbildende Erkrankung des Kindesalters, meist im Alter von 2-4 Jahren (Durchschnitt 2,7 Jahre) erstmals auftretend. Jungen sind im Kindesalter häufiger betroffen (m:w= 1,78 :1,0).

Beginn im Erwachsenenalter meist zwischen dem 20.-40. LJ und nach der 6. Dekade (in größeren Kontingenten lag der Durchschnitt bei Erwachsenen bei rund 60 Jahren).  Im Erwachsenenalter w:m= 2:1

 

Lokalisation

Stamm, hier ohne besondere Prädilektionsstellen ggf. mit Betonung der Sakralregion und der Leistenregion. Diese (klassische großblasige Form) ist von ihrem Verteilungsmuster nicht von dem bullösen Pemphigoid zu unterscheiden.

Extremitäten einschließlich der Handrücken und Handflächen können betroffen sein.

Seltener ist der Befall des Gesichts und /oder des Kapillitiums. 

Varianten mit klinischer (kleinblasiger) Analogie zur Dermatitis herpetiformis zeigen eine streckseitige Betonung (Ellenbogen, Kreuzbeinregion) kleinblasiger herpetiform gruppierter Bläschen.   

Varianten mit klinischer Analogie zu dem vernarbenden Schleimhautpemphigoid zeigen Schleimhautbefall von Mundschleimhaut, Pharynx, Nase, Augen.

Klinisches Bild

Vielfach herpetiform oder rosettenartig angeordnete, aber auch anuläre oder girlandenartig konfigurierte, mäßig bis intensiv juckende, urtikarielle Plaques mit randständigen vesikulösen oder bullösen Läsionen. Die Rosettenform entsteht durch das schubweise Auftreten von ringförmigen blasigen Neubildungen um ältere noch nicht abheilte Blasen.   

In Einzelfällen kann das Bild der bullösen Dermatose durch eine IgA-Purpura (Purpura Schönlein-Henoch) ergänzt werden.

Bemerkung: Die klinischen Bilder entsprechen einerseits der Dermatitis herpetiformis, andererseits auch dem bullösen Pemphigoid. In seltenen Fällen finden sich auch ausgedehnte, an das Erythema exsudativum multiforme erinnernde Hauterscheinungen, auch unter dem klinischen Befund des Stevens-Johnson-Syndroms.

Bei 50% der Pat. finden sich Schleimhautveränderungen, insbes. an Mundschleimhaut und Konjunktiven;

seltener assoziiert: Colitis ulcerosa, M. Crohn, eine IgA-Nephropathie oder eine eosinophile Pneumonie.

Histologie

  • Die Histologie der LAD ist nicht diagnostisch!
  • Gefunden werden sowohl subepidermale Blasenbildung mit Infiltrat aus Lymphozyten und zahlreichen neutrophilen Granulozyten sowie gelegentlich intrapapillären Mikroabszessen, als auch subepidermale Blasenbildung mit perivaskulärem und interstitiellem lymphozytärem Infiltrat.
  • Immunelektronenmikroskopisch lassen sich 2 Typen unterscheiden, der häufigere Lamina lucida-Typ und der Sublamina densa-Typ.

Direkte Immunfluoreszenz

Die DIF zeigt lineare IgA-und C3-Ablagerung an der dermoepidermalen Junktionszone. Bei Spaltuntersuchungen (Präparat wird in 1 M NaCl-Lösung vorbehandelt) sind die Ablagerungen an der dermalen oder der epidermalen Seite zu finden; selten an beiden Seiten.

Komplikation

Als assoziierte Ekrankungen wurden meist in Einzelfallkusistiken beschrieben:

  • M.Crohn
  • Gluten-sensitive Enteropathie (0-24%)
  • Colitis ulcerosa
  • systemischer Lupus erythematodes
  • Dermatomyositis
  • Malignome (B-Zell-Lymphom, myeloische Leukämie)

 

Externe Therapie

Interne Therapie

Operative Therapie

Verlauf/Prognose

Bei der idiopathischen LAD muss mit einem jahrelangem Verlauf gerechent werden.

Bei der medikamentös ausgelösten LAD ist nach Absetzen der auslösenden  Medikation mit einer Abheilung innerhalb weniger Wochen/Monate zu rechnen,

Während die Hautveränderungen narbenlos abheilen, kann eine Augenbeteiligung zu Vernarbungen, im Extremfall zur Erblindung führen.

Die Prognose der Erkrankung hängt auch von den Organbeteiligungen ab: Colitis ulcerosa, M. Crohn, IgA-Nephropathie, Gluten-sensitive Enteropathie 

Hinweis(e)

Lineare IgA-Dermatose, bullöses Pemphigoid, Pemphigoid gestationis und Schleimhautpemphigoikd haben das identische Zielantigen(BP 180/Typ VIII-Kollagen). Im GEgensatz zui diesen gehört der Autoantikörper der linearen IgA-Dermatose jedoch zur IgA-Klasse.

Die Rolle der Colitis ulcerosa, als seltene Begleiterkrankung der IgA-linearen Dermatose bleibt bisher unklar. Sie kann der LAD um Jahre vorausgehen.

Fallbericht(e)

32 Jahre alte Patientin, seit 7 Jahren schubweise exanthematische, vesikulöse und urtikarielle Hautveränderungen, zunächst an den Unterschenkeln, später Gesäß und Stamm. Gesicht frei. Mehrmals immunhistologische Sicherung der Diagnose. Während der Menstruation Besserung der Hautveränderungen! Einleitung einer Therapie mit Dapson (100 mg/Tag p.o.) führte anfänglich zu sehr gutem Erfolg. Nach 1 Jahr unter Dapson erneute Schubsymptomatik, daher additive Therapie mit Methyprednisolon (MP) (4-8 mg/Tag Methyprednisolon p.o.). Zunächst Besserung. Nach 3 Monaten erneute Befundverschlechterung. Passagere Erhöhung der Therapie mit MP auf 16 mg/Tag p.o. Nach Befundbesserung erneute Reduktion auf 4 mg/Tag. 1 Jahr später erneute massive Schubaktivität. Steroid-Stoßtherapie (Methylprednisolon 250 mg/Tag i.v. an 5 Tagen). Danach vollständige Abheilung für ca. 1,5 Wochen! Anschließend deutliches Rezidiv. Derzeit mittlere Entzündungssymptomatik unter 4 mg MP und 100 mg Dapson.

Literatur

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Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017