Lichen simplex chronicus L28.0

Synonym(e)

Lichen chronicus simplex; Lichen chronicus Vidal; Lichen Vidal; localized circumscribed neurodermitis; Neurodermitis circumscripta; neurodermitis from rubbing; Vidalsche Krankheit

Erstbeschreiber

Vidal, 1886

Definition

Charakteristisches, jedoch unspezifisches, eminent chronisches, umschriebenes und  ortständiges, durch Scheuern hervorgerufenes, juckendes, plaqueförmiges, entzündlich-lichenoides Reaktionsmuster der Haut.

 

Ätiopathogenese

Ungeklärt

Diskutiert wird eine Minusvariante des atopischen Ekzems.

Atopiestigmata können jedoch komplett fehlen.

Beschrieben sind Beziehungen zu Magen-Darm-Störungen, Lebererkrankungen, Cholezystopathien, Diabetes mellitus

 Psychogene Faktoren: vielfach wird die Symptomatik zwar beklagt; ursächlich kristallisiert sich bei geduldigem Nachfragen das Kratzen als automatisierte, lustvolle (nahezu erotisierende) Handlung heraus.   

Manifestation

w>m;  Erstmanifestation im mittleren und höheren Erwachsenenalter, seltener im Kindesalter.

Lokalisation

Vor allem Nackenregion ("nachdenkliches" Reiben der Nackenpartien), Streckseiten von Unterarmen und -schenkeln, Ellenbogen (Aufstützen), Innenseiten der Oberschenkel, Knöchelregionen (häufiges Reiben der Knöchelpartien gegeneinander), Kreuzbeingegend (Scheuereffekte bei idiopathischem Juckreiz - s.a Notalgia paraesthetica), Skrotum + Vulva (hier auslösend Okklusiveffekte).

Klinisches Bild

  • Das Leitsymptom ist der starke (manchmal quälende)  Juckreiz, der sich in Stresssituationen verstärken kann. Es finden sich 10-15 cm große, rundliche oder ovale, seltener längliche oder streifenförmige Plaques, typischerweise mit einem Dreizonenaufbau: flächige zentrale Lichenifikation, randwärts lichenoide Knötchen, periphere Hyperpigmentierung. Die Plaques setzen sich aus 0,1-0,2 cm großen, soliden, planen, grau bis braunrötlichen oder hautfarbenen, nicht selten zerkratzte, lichenoiden Papeln  zusammen. Bei seitlicher Betrachtung der Herde kann man häufig einen matten (lichenoiden) Glanz der Läsionen erkennen.

Histologie

Ausgeprägte, plumpe Akanthose mit unregelmäßiger Elongation der meist kolbig aufgetriebenen Reteleisten. Kräftige Orthohyperkeratose mit fokaler Parahyperkeratose. Weite Kapillaren im Stratum papillare sowie in der oberen Dermis. Vorwiegend gefäßgebundenes, aber auch diffuses, eher schütteres lymphohistiozytäres Infiltrat. Meist deutliche Fibrose der Dermis, mit senkrecht zur Epidermis verlaufenden Kollagenbündeln. Das histologische Bild verlangt zu seiner Interpretation ein exaktes klinisches Korrelat. 

Therapie

Bestrahlungstherapie

Verlauf/Prognose

Chronischer schubweiser Verlauf.

Hinweis(e)

Entscheidend für die Diagnose sind Klinik und Histologie. Das Fehlen oder Vorhandensein von Atopie-Zeichen (Erhöhung des IgE-Spiegels, Sensibilisierungen im Epikutan- und Pricktest) hilft bei der Diagnosestellung nicht!

Bei genitalem oder perianalem Lichen simplex chronicus empfiehlt sich das Tragen einer geeigneten, nicht eng ansitzenden Unterwäsche.  

Literatur
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  1. Chan MP et al. (2015) Vulvar dermatoses: a histopathologic review and classification of 183 cases. J Cutan Pathol 42: 510-518
  2. Fartasch M et al. (2000) Current status of the interdisciplinary model project "Neurodermatitis Education for Children and Adolescents". Hautarzt 51: 299-301
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  6. Vidal E (1886) Du lichen (lichen, prurigo, strophulus). Ann Dermatol Syphilogr (Paris) 7: 133-154
  7. Virgili A et al. (2003) Evaluation of contact sensitization in vulvar lichen simplex chronicus. A proposal for a battery of selected allergens. J Reprod Med 48: 33-36

Disclaimer

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Zuletzt aktualisiert am: 20.11.2017