Lichen nitidus L44.1

Zuletzt aktualisiert am: 24.04.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Granuloma nitidum; Pinkus-Krankheit

Erstbeschreiber

Pinkus, 1907

Definition

Chronische, asymptomatische, papulöse Dermatose mit disseminierten oder generalisierten, etwa 0,1 cm großen, hautfarbenen, lichenoid glänzenden Papeln mit  zunächst lichenoidem später tuberkuloidem, dermalen Infiltrat.

Keine gesicherte Beteiligung innerer Organe. Eine Assoziation von Lichen nitidus und Morbus Crohn ist nicht gesichert (Stolze I et al. 2018).

Keine Beteiligung der Mund-oder Genitalschleimhaut. Ein Köbner Phänomen ist zu beobachten. 

In dunkler Haut erscheinen die Papeln hypopigmentiert.  

Ätiopathogenese

Ungekärt, diskutiert werden: atypische Verlaufsform des Lichen planus (eher unwahrscheinlich), miliare Form des Granuloma anulare oder Morbus sui generis. Arzneimittel-ausgelöste Fälle von Lichen nitidus sind in Einzelfällen belegt (Ribavirin, Tremelimumab), dürften jedoch die Ausnahme sein. 

Manifestation

Überwiegend bei Kindern im Vorschul- und Schulalter, seltener bei jungen Erwachsenen oder im mittleren Lebensalter auftretend (20-40 Jahre). Familiäres Auftreten ist extrem selten. 

Ein vermehrtes Auftreten in der afrikanischen Bevölkerung wird diskutiert. 

Keine Geschlechterbevorzugung. 

Lokalisation

Beugeflächen der Unterarme, Hals, Brust, Rücken, Handrücken, Penis, Vulva. Eine als "actinic Lichen nitidus" beschriebene Variante tritt v.a. im Gesichtsbereich auf.  Nageldystrophien werden bei etwa 10% der Pat. beschrieben. Mundschleimhautbeteiligung in Form blasser, grauer Papeln sind möglich aber eine Rarität. Ebenso selten ist ein palmo-plantarer Befall.   

Klinisches Bild

  • Disseminierte, auch gruppierte, auf heller Haut rötlich-bräunliche, auf dunkler Haut weißliche, kaum 0,1 cm große, leicht erhabene, perlmuttartig spiegelnde, zentral gelegentlich genabelte, nicht juckende runde oder polygonale (nicht follikuläre) Papeln. Evtl. Konfluenz und isomorpher Reizeffekt (Köbner-Phänomen). Auf dunkler Haut erscheinen die Effloreszenzen heller als die Umgebung, sodass sich ein inverses Muster ergibt (s. Abb.).
  • Eine kasuistisch belegte Rarität ist der lineare (blaschkoide) Lichen nitidus (Oiso N et al. 2016). 
  • Ebenso selten werden läsionale Bläschen oder Hämorrhagien beobachtet.
  • Weiterhin wurde eine perforierende Variante als Rarität beschrieben .
  • Nageldystrophien sind nachweisbar: Verdickung der Nagelplatte, Onychorrhexis; longitudinale Streifen, Grübchenbildungen.

Histologie

  • Frühstadium: Interface-Dermatitis, die sich über mehrere dermale Papillen erstreckt. Interstitielles oder auch perivaskulär akzentuiertes lymphozytäres Infiltrat mit unterschiedlich ausgeprägter Epidermotropie. Meist nur diskrete vakuolige Degeneration der basalen Keratinozyten. Atrophie des läsionalen Epithels. Die Verhornung ist meist orthokeratotisch. Insgesamt wenig spezifisches Bild.
  • Spätstadium: Zunehmende Dichte von Epitheloidzellen, Plasmazellen und mehrkernigen Riesenzellen vom Langerhanszelltyp. Hierdurch präsentiert sich ein granulomatöser Charakter.

Therapie

Verlauf/Prognose

Sporadisches Auftreten, chronischer Verlauf. Heilung nach mehreren Jahren ohne Atrophie ist möglich.

Eine Variante ist der Lichen nitidus actinicus, auch als "summertime actinic lichenoid eruption" bezeichnet, die nach UV-Provokation auftritt. Überwiegend betroffen sind Personen mit dunklem Hauttyp (Payette MJ et al. 2015).

Literatur
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  1. Arizaga AT et al. (2002) Generalized lichen nitidus. Clin Exp Dermatol 27: 115-117
  2. Bedi TR (1978) Summertime actinic lichenoid eruption. Dermatologica 157:115-125
    Gehring  W et al. (1989) Lichen nitidus der Handinnenflächen. Akt Dermatol 15: 312-314
  3. Kubota Y et al. (2002) Generalized lichen nitidus successfully treated with an antituberculous agent. Br J Dermatol 146: 1081-1083
  4. Oiso N et al. (2016) Blaschkolinear lichen nitidus. Eur J Dermatol 26:100-101.
  5. Payette MJ et al. (2015) Lichen planus and other lichenoid dermatoses: Kids are not just little people. Clin Dermatol 33:631-643.
  6. Pinkus F (1907) Über eine knötchenförmige Hauteruption. Arch Dermatol Syphilol 85: 11-36
  7. Rudd ME et al. (2003) An unusual variant of lichen nitidus. Clin Exp Dermatol 28: 100-102
  8. Sanders S et al. (2002) Periappendageal lichen nitidus: report of a case. J Cutan Pathol 29: 125-128
  9. Solano-López G et al. (2014)  Actinic lichen nitidus in a Caucasian European patient. J Eur Acad Dermatol Venereol 28:1403-1404
  10. Stolze I et al. (2018) Lichen nitidus und Lichen striatus. Hautarzt 69: 121-126 
  11. Tay EYet al. (2014) Lichen Nitidus Presenting with Nail Changes - Case Report and Review of the Literature. Pediatr Dermatol 32: 386-388

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