Leptospirosen A27.0

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Leptospirosis icterohaemorrhagica; Morbus Weil; Schweinehirtenkrankheit; Weil´sche Krankheit

Erstbeschreiber

Landouzy, 1883; Mathieu, 1886; Weil, 1886

Definition

Akute, fieberhafte, in Phasen verlaufende Leptospirose. Meldepflicht bei nachgewiesener Erkrankung! S.a.u. Infektionsschutzgesetz.

Erreger

Verschiedene Leptospiren. Alle pathogenen Leptospiren werden unter dem Namen Leptospira interrogans mit verschiedenen Subtypen zusammengefasst (2000 Serotypen, 23 Serovare). Schwere Verlaufsformen der Leptospirose werden meist durch Leptospira icterohaemorrhagica ausgelöst.

Vorkommen/Epidemiologie

Weltweit, in Europa vor allem in Mittel- und Osteuropa verbreitet. Inzidenz (Bundesrepublik Deutschland): 20-50 Erkrankungen/Jahr (höhere Dunkelziffer ist anzunehmen).

Ätiopathogenese

Überträger der Leptospiren sind Ratten, Mäuse, Hunde, Schweine, Pferde und Rinder. Inokulation überwiegend über vorgeschädigte Haut. Übertragungen sind auch durch kontaminierte Früchte, Erdboden (Urin infizierter Tiere) oder Kontakt zu kontaminierten Gewässern (Tauchen, Schwimmen, Kanusport) beschrieben.

Klinisches Bild

  • Inkubationszeit 7-14 Tage. Dann plötzliches Auftreten von Kopf- und Gliederschmerzen (häufig Wadenschmerzen, Myalgien), Konjunktivitis, Meningismus und flüchtigen Exanthemen. Stark ausgeprägtes Krankheitsgefühl, Fieber und Schläfrigkeit für 5-10 Tage. Nach kurzfristiger Entfieberung Organmanifestationen mit erneutem Fieberanstieg, Leptospirurie (> 90% der Pat.), Ikterus, hämorrhagische Diathese, Anämie, Innenorganbeteiligung, Meningitis.
  • Deutlich häufiger als die schwer ausgeprägte Symptomatik wurden anikterische, meist gutartige Krankheitsverläufe beschrieben. Hierbei steht häufig eine seröse Meningitis (30-40% der Pat.) im Vordergrund. Die Patienten entfiebern bei unkomplizierten Verläufen nach 7-10 Tagen.
  • Unbehandelt kann die Krankheitssymptomatik 3-4 Wochen anhalten, die Rekonvaleszenz dauert aber häufig mehrere Monate.

Labor

Bei mehr als 80% der Patienten besteht Leptospirurie! Erregernachweis in Blut und Liquor (1. Woche), im Urin (2. Woche); IgM-Antikörper-Nachweis (möglich etwa ab dem 10. Krankheitstag, z.B. mit ELISA) oder IgG-Antikörper-Nachweis (≥ vierfacher Titeranstieg in zwei Proben).

Komplikation

Hepatorenales Versagen, ARDS, Herzrhythmusstörungen.

Interne Therapie

Verlauf/Prognose

Letalität 10-40% (v.a. bei älteren Menschen), typspezifische Immunität nach durchgemachter Infektion.

Prophylaxe

Aktive Impfung mit abgetöteten Erregern bei Personen in Endemiegebieten. Bei kurzzeitigen Aufenthalten in Endemiegebieten Chemoprophylaxe mit Doxycyclin (z.B. Supracyclin) 2mal/Tag 100 mg p.o.

Literatur
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  1. Abdulkader RC et al. (2002) Leptospirosis severity may be associated with the intensity of humoral immune response. Rev Inst Med Trop Sao Paulo 44: 79-83
  2. Akiyama K et al. (2001) A fatal case of Weil's disease in Miyagi Prefecture. Jpn J Infect Dis 54: 156-157
  3. Landouzy LTJ (1883) Typhus hépatique. Gaz hôp (Paris) 56: 913-914
  4. Mathieu A (1886) Typhus hépatique benin; rechute, guérison. Revue médicale (Paris) 6: 833-639
  5. Weil A (1886) Über eine eigenthümliche, mit Milztumor, Icterus und Nephritis einhergehende, acute Infektionskrankheit. Dtsch Arch klin Med (Leipzig) 39: 209-232
  6. Wenz M et al. (2001) Weil's syndrome with bone marrow involvement after collecting walnuts. Dtsch Med Wochenschr 126: 1132-1135
  7. Yiu MW et al. (2003) High resolution CT of Weil's disease. Lancet 362: 117

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