Leishmaniose, viszerale B55.0

Synonym(e)

Dum-dum-Fieber; Kala-Azar; Leishmaniasis furunculosa; Leishmaniasis interna; Schwarzes Fieber; Splenomegalia tropica; Viszerale Leishmaniose

Erstbeschreiber

Elliott, 1863; Leishman, 1903; Donovan, 1903

Definition

Leishmaniose des retikulohistiozytären Systems von Milz, Leber und Knochenmark durch Leishmania donovani.

Erreger

  • Im südwestlichen Asien ist Kala Azar durch L. infantum endemisch (Persien, Irak, Jemen, Oman).
  • In Ostafrika, Äthiopien, Kenia, Sudan erfolgt die Infektion durch L. infantum und L.donovani.
  • L. chagasi verursacht die viszerale Leishmaniose in Mittel- und Südamerika.  

 

Manifestation

In Endemiegebieten:

  • Etwa 20% der Infizierten sind Kinder < 9 Jahre
  • 40-50% der Infizierten sind Jugendliche < 15 Jahre

Bei HIV-Infizierten: 

  • In HIV-Endemiegebieten und in Südeuropa sind rund 70% der Infizierten Erwachsene.

Klinisches Bild

  • Inkubationszeit 3 Monate bis zu 2 Jahren.
  • Leitsymptome: Fieber (80-100% derf Patienten) , Hepatosplenomegalie wobei die Splenogmegalie (bei > 90% der Patienten nachweisbar) exzessviv sein kann, Lymphadenopathie (50-80% der Patienten) normochrome Anämie mit Hb-Werten < 4g/dl , Thrombozytopenie mit grau-fahler Veränderung des Hautkolorits und Blutungsneigungen (daher der aus dem Hindi stammende Begriff Name "Kala azar"  schwarze Krankheit) wie Epistaxis, Hautblutungen, Blutungen aus dem GI-Trakt, Dysproteinämie mit Erhöhung des Globulinanteils >30g/l (90% der Patienten) mit Umkehr des Albumin/Globulin-Verhältnisses.
  • Ikterus, Diarrhöen und Aszites sind prognstisch ungünstige Zeichen. 
  • Hautveränderungen (spielen diagnostisch keine wesentliche Rolle): fleckige braun-schwärzliche hämorrhagische Flecken, gelegentlich auch Ausbildung von wenig spezifischen Knoten. das gesamte Integument ist trocken und schuppig, glänzende atrophische Haut, vor allem an den Beinen.
  • Haut- und Schleimhautblutungen, Haarausfall.
  • Unbehandelt tritt Tod (meist durch Sekundärinfektionen) in 90% der Fälle ein.

Labor

  • normochrome Anämie mit Hb-Werten < 4g/dl
  • Leukopenie (> 80% der Patienten)
  • Thrombozytopenie (> 70% der Patienten)
  • Dysproteinämie mit Erhöhung des Globulinanteils >30g/l (90% der Patienten) und Umkehr des Albumin/Globulin-Verhältnisses: Albumin <30g/l (90% der Patienten)
  • pathologische Leberwerte
  • positive Leishmanien-Serologie (> 70% der Patienten)

 

Interne Therapie

Verlauf/Prognose

Bei rechtzeitiger Therapie Ausheilung in 95% der Fälle. Unbehandelt liegt die Mortalität bei ca. 80%. Dauerhafte Immunität.

Merke! Patienten dennoch jedes 1/2 Jahr für 2 Jahre auf Rezidivfreiheit untersuchen.

Prophylaxe

Insektizide, geeignete Kleidung, Moskitonetz zur Vermeidung von Mückenstichen.

Nachsorge

Patienten für 2 Jahre jedes 1/2 Jahr auf Rezidivfreiheit untersuchen.

Hinweis(e)

Aktuelle Therapieempfehlungen sind den AWMF-Leitlinien zu entnehmen.

Literatur
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  1. Barbosa JFet al. (2015) New Approaches on Leishmaniasis Treatment and Prevention: A Review on Recent Patents. Recent Pat Endocr Metab Immune Drug
    Discov PubMed PMID: 26392062.
  2. Copeland NK et al. (2015) Leishmaniasis: treatment updates and clinical practice guidelines review. Curr Opin Infect Dis 28:426-437
  3. Elliott J (1863). Report on epidemic and remittent fever occurring in parts of Burdwan and Neddea divisions. Bengal Secretarial Office, Calcutta, India S. 1–23
  4. Donovan C (1903) The etiology of the heterogeneous fevers in India. Br Med J ii: 1401
  5. Leishman WB (1903) On the possibility of the occurrence of trypanosomiasis in India. Br Med J i: 1252–1254
  6. Lun ZR et al. (2015)  Visceral Leishmaniasis in China: an Endemic Disease under Control. Clin Microbiol Rev 28: 987-100

Disclaimer

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Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017