Lassa-Fieber A96.2

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

LAS-HF; Lassa-häorrhagisches Fieber

Erstbeschreiber

Frame JD, Baldwin JM Jr, Gocke DJ, Troup JM (1970)

Definition

Durch das Lassa-Virus verursachte schwere fieberhafte, hämorrhagische, häufig letal verlaufende Infektion, die durch den infektiösen Urin der Vielzitzenratte sowie nosokomial nach Kontakt mit infektiösen Sekreten verursacht wird.

Erreger

Gattung Arenavirus, Familie Arenaviridae, zu den Auslösern der viralen hämorrhagischen Fieber gehörig.

Vorkommen/Epidemiologie

  • Erstbeschreibung 1969 in Nigeria: eine amerikanische Missionsschwester erkrankte und verstarb, eine weitere erkrankte und wurde in den USA behandelt; dort wurde erstmals das Virus sioliert; Benennung nach der Stadt, in der die Krankenschwester gearbeitet hat.
  • Endemisches Vorkommen in Westafrika: Nigeria, Liberia, Sierra Leone, Guinea, Mali, Senegal, Burkina Faso, Demokratische Republik Kongo, Ghana, Elfenbeinküste.
  • Hohe regionale Durchseuchung.
  • In Westafrika ca. 100.000-300.000 Fälle von Lassa-Fieber jährlich, etwa 70% verlaufen subklinisch.
  • Case Fatality Rate: 2-30% (insbes. Schwangere).
  • Lassa-verwandtes Virus ist das Mopeia-Virus in Südafrika, Mosambik, Simbabwe.
  • In Deutschland sind seit Erstbeschreibung nur sehr wenige Fälle bekannt geworden.

Ätiopathogenese

Reservoirtier ist die Vielzitzenratte Mastomys natalensis. Infektiöser Urin der gesund erscheinenden Ratte kontaminiert die Umgebung des Menschen. Nosokomiale Infektion durch infektiöse Sekrete.
  • Herdförmige Nekrosen in Leber, Nebennieren, Milz.
  • Generalisierte, viral verusachte Endothel- und Thrombozytendysfunktion.

Klinisches Bild

  • Inkubationszeit: 8-10 Tage. Schleichendes, uncharakteristisches Bild.
  • 1.-2. Krankheitswoche: Hochschmerzhafte Pharyngitis, Husten, retrosternale Schmerzen. Virusexantheme können auftreten. Es besteht massive Blutungsneigung in/aus den Konjuktiven (Injektion) und anderen Schleimhäuten. Hämorrhagien und Purpura sind häufig schwer ausgeprägt. Zudem bestehen Ödeme im Gesichts- und Halsbereich, Lymphadenopathie, Pleura- oder Perikardergüsse, ggf. blutige Diarrhoen, Krämpfe als Zeichen der Enzephalopathie, hypovolämischer Schock, Anurie, Koma.

Labor

  • Lymphozytopenie, eventuell Neutrophilie
  • Anstieg des Reststickstoffs
  • Anstieg des Hämatokrits
  • Proteinurie
  • Thrombozytopenie
  • Anstieg der Transaminasenwerte.

Diagnose

  • Isolierung des Erregers aus Blut, Rachenspülwasser und Urin
  • Virusantigennachweis (ELISA)
  • Antikörpernachweis (Immunfluoreszenz und ELISA).

Differentialdiagnose

Influenza (zu Beginn der Erkrankung); andere hämorrhagische Fieber; Malaria; Rickettsiosen.

Komplikation

  • In der Schwangerschaft schwerstes Krankheitsbild mit hoher Letalität.
  • Bei Überleben der Erkrankung lansame Erholung, vorübergehender Haarverlust und Schwerhörigkeit.

Therapie

  • Ribavirin (Virazole): initial 1mal/Tag 30 mg/kg KG für 6 Tage, dann 1mal/Tag 16 mg/kg KG für 4 Tage, dann 1mal/Tag 8 mg/kg KG i.v. für 2 Tage.

    Merke! In Deutschland ist Virazole nur zur Applikation per inhalationem zugelassen, international aber auch zur i.v.-Applikation. Es besteht hier eine Ausnahmeindikation zur i.v-Applikation!

  • Früher Applikation von Rekonvalszentenplasma (aufgrund der möglichen Übertragung von Hepatitis B-, C- und HI-Virus verlassen worden).

Prophylaxe

  • Nagerbekämpfung. Einhaltung allgemeiner Hygiene in der Krankenversorgung.
  • Präexpositionelle Ribavirin-Einnahme für Laborpersonal, Mediziner u.a.
  • Postexpositionelle Ribavirin-Einnahme wird kritisch diskutiert und wird allgemein nicht empfohlen.

Hinweis(e)

Merke! Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod sind nach §6 IfSG durch den Arzt namentlich an das Gesundheitsamt meldepflichtig. Nach § 7 IfSG besteht Meldepflicht bei direktem oder indirektem Nachweis des Virus.

Literatur
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  1. Frame JD, Baldwin JM, Gocke DJ, Troup JM (1970) "Lassa fever, a new virus disease of man from West Africa. I. Clinical description and pathological findings". Am J Trop Med Hyg 19: 670-676

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