Larva migrans B76.9

Synonym(e)

Creeping disease; creeping eruption; creeping myiasis; creepinmg disease; Hautmaulwurf; Kriechkrankheit; Myiasis linearis migrans; plumber's itch; Plumber\'s itch; water dermatitis

Erstbeschreiber

Lee, 1874

Definition

Einwanderung von Larven verschiedener Parasitenarten (Würmer/Fliegen) in die Haut mit charakteristischen, sich entzündlich abzeichnenden, linearen, juckenden Wanderungswegen.

Erreger

Verschiedene Parasiten können das klinische Bild der "Larva migrans" auslösen:
  • Larven der Pferdebremsen
  • Ankylostoma-Arten (Hakenwürmer wie Ancylostoma brasiliense, A. caninum, A. duodenale)
  • Strongyloides-Arten
  • Cordylobia anthropophaga (Tumbufliege: Afrika).

Vorkommen/Epidemiologie

  • Ankylostoma (insbes. Ancylostoma brasiliens und caninum; Strongyloides stercoralis): Die Larven der o.g. Nematoden (Fadenwürmer) bohren sich beim Barfußgang oder Liegen am Strand aktiv durch die Haut. Infektionsquellen sind durch Hunde- und Katzenkot verunreinigte Strände und Spielflächen von Kindern.
  • Myiasis linearis migrans (insbesondere Arthropodenlarven der Gattung Gastrophilus): Durch die Haut penetrierte Fliegenlarven. Meist an afrikanischen Stränden (Barfußgang) auftretend.

Manifestation

Häufigste Erkrankung bei Tropenreisenden; keine Altersbeschränkungen; gehäuft bei Kindern und Jugendlichen sowie jüngeren Ewachsenen.

Lokalisation

V.a. an der unteren Extremität und Glutaealgegend auftretend, entsprechend den Körperstellen, die mit Larven-haltigem Sand, wie er in tropischen und subtropischen Gegenden zu finden ist, in Berührung gekommen sind. Selten ist der Befall des Capillitiums.

Klinisches Bild

An der Eintrittsstelle zeigt sich eine juckende Dermatitis mit Ödem, Papeln, Papulovesikeln. Charakteristisch sind lineare oder gewundene, fadenförmige, stark juckende, kräftig gerötete Gangstrukturen, die sich pro Tag um 1-2 cm verlängern. Bei Strongyloidesarten ist die Wanderungsgeschwindigkeit mit 10 cm/Stunde besonders hoch (s.a.u. Larva currens). Die Larve selbst befindet sich 1-2 cm vor dem Gang. Gefahr der bakteriellen Superinfektion. Seltener sind follikuläre Papeln oder Pusteln, bedingt durch eine Penetration der Larven in die Follikel an den Auflagestellen.

Differentialdiagnose

Das Klinische Bild mit den juckenden, bizarren Gängen ist diagnostisch. Bei den seltenen follikulären Krankheitserscheinungen sind v.a. bakterielle Follikulitiden auszuschließen.

Externe Therapie

Interne Therapie

Operative Therapie

Verlauf/Prognose

Mensch ist Fehlwirt; auch unbehandelt kommt es stets zur Spontanheilung. Diese kann aber Monate in Anspruch nehmen.  

Hinweis(e)

Eine Hakenwurmfollikulitis ist stets systemisch zu behandeln!

Bei der durch menschenpathogene Erreger ausgelösten viszeralen "Larva migrans" fehlen häufig die typischen bizarren Gangstrukturen in der Haut, es kommt zum Organbefall.  

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

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  10. Nenhoff P (2016) Larva migrans cutanea: Erfolgreiche topische Therapie mit Ivermectin - eine Kasuistik. J Dtsch Dermatol 14: 622-623 

  11. Owen R (1836) Gnathostoma spinigerum n. sp. Proc Zool Soc London 47: 123-126 

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Zuletzt aktualisiert am: 09.04.2018