Langerhans-Zell-Histiozytosen (Überblick) C96.0; C96,5; C96.6

Zuletzt aktualisiert am: 19.06.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Histiocytosis-X-Gruppe; Histiozytose maligne; Histiozytosen; Histiozytose X; Histiozytosis X; Langerhans cell histiocytosis; Langerhanszellhistiozytose; Langerhanszellhistiozytosen; Langerhanszell-Histiozytosen; Langerhans-Zell-Histiozytosen

Erstbeschreiber

Langerhans, 1868

Definition

Oberbegriff für eine Gruppe unterschiedlich verlaufender Systemerkrankungen, unterschiedlicher Dignitäten, mit Proliferation dendritischer Zellen vom Typ der Langerhanszelle und ontogenetisch verwandter Zellvarianten. Die proliferierende, ursprünglich mit "X" bezeichnete Zelle ist inzwischen als Langerhans-Zelle identifiziert, die elektronenmikroskopisch Langerhanszell-Granula (Birbeck-Granula) aufweist und sich immunhistologisch mit Langerhanszellmarkern ( CD1a) anfärbt, so dass der Begriff Histiocytosis X (Lichtenstein) nicht mehr adäquat ist.

Einteilung

Die Langerhanszell-Histiozytosen werden unterteilt in: Klassische Langerhanszell-Histiozytosen (CD1a+, Birbeck-Granula+):

Vorläufer-Langerhans-Zell-Histiozytosen (CD1a+; Birbeck-Granula+/-):

Anstelle der zuvor aufgeführten Klassifikation nach Entitäten (wahrscheinlich handelt es sich nicht um Entitäten sondern nur um unterschiedliche Manifestationen und Verläufe einer einzigen Grunderkrankung) hat sich insbesondere auch für Therapiestudien eine Stratefizierung für die klassischen Langerhans-Zell-Histiozytosen als sinnvoll erwiesen: "Single-system-disease":

  • monoorganischer Befall der Haut. Unilokulärer Skelettbefall, Befall eines solitären Lymphknotens .
  • Disseminierter (Organ-)Befall: Multilokulärer Skelettbefall; Befall mehrerer Lymphknoten.

"Multi-system-disease":

  • Befall mehrerer Organsysteme
  • High risk: Patient > 2 Jahre; keine Beteiligung des hämatopoetischen Systems, der Leber, der Lunge oder Milz
  • Patient < 2 Jahre, oder Patient > 2 Jahre mit Beteiligung des hämatopoetischen Systems, der Leber, der Lunge oder Milz.

Vorkommen/Epidemiologie

Inzidenz liegt für Kinder < 15 Jahre bei 0,4 (0,2-1,0)/100 000; seltener ist eine Erkrankung im Erwachsenenalter.

Ätiopathogenese

Ungeklärt. Diskutiert wird ein interzellulärer Kommunikationsdefekt mit Zytokinimbalance zwischen T-Zellen und den Langerhanszellen.

Manifestation

Altersgipfel in den ersten drei Lebensjahren. Späterer Befall in jedem Lebensalter möglich. m:w =1,3:1.

Klinisches Bild

  • Das klinische Bild ist sehr variabel und wird von den unterschiedlichen Organmanifestationen geprägt (s.unter den versch. Varianten). Das Spektrum reicht insbes. bei Kindern von Symptomlosigkeit über diskrete lokalisierte Beschwerden bis hin zu generalisierten Symptomen wie Gewichtsverlust, Gedeihstörung, Unruhe und Fieber (s.u. Abt-Letterer-Siwe-Krankheit). Die häufigste Lokalisation ist mit zirka 80% das Skelett (s.u. Eosinophiles Granulom des Knochens - 34% Schädel -), gefolgt von der Hautmanifestation (60%).
  • Die Hautbeteiligungen sind je nach Akuität der Erkrankung unterschiedlich. Es finden sich disseminierte, kleine, flache, gelb-bräunliche Papeln mit schuppender bis krustöser Oberfläche. Neigung zu nekrotischem Zerfall und petechialen Blutungen, hämorrhagisch-ekzematoide, stellenweise auch kleinere Ulzera. Besonders betroffen sind bei Kindern Kapillitium, intertriginöse Räume, Gelenkfalten; weiterhin aphthöse Läsionen der Mundschleimhaut; HV auch hämorrhagisch oder xanthomatös.
  • Bei disseminierten Formen sieht man unterschiedliche Kombinationen von Hautausschlag, Hepatosplenomegalie, generalisierten Lymphknotenschwellungen, Anämie oder Panzytopenie, Lungenbefall oder Knochenbeteiligung. Eine Dysfunktion der Leber (erhöhte Transaminasen, Hypoproteinämie, Hypoalbuminämie, Hyperbilirubinämie), der Lunge (Dyspnoe, Pneumothorax) und der Hämatopoese (Zytopenie mit oder ohne Knochenmarkbeteiligung).
  • Allgemeine Symptome bei ossärer Manifestation sind lokale Schwellung, Schmerzen oder Bewegungseinschränkung. In Abhängigkeit von weiteren Organbeteiligungen werden andere Symptome wie z. B. Otitis media, Otorrhoe, Zahnlockerung oder - verlust, Exophthalmus ( s. u. Hand-Schüller-Christian-Krankheit) oder pathologische Frakturen nachweisbar sein.
  • Ein ZNS-Befall mit oft chronischem Verlauf kann vorkommen [4]. Ein Diabetes insipidus, als Zeichen eines hypothalamisch-hypophysären ZNS-Befalls, kann oft Jahre vor oder nach Krankheitsmanifestationen in anderen Regionen auftreten.

Histologie

Therapie

Verlauf/Prognose

Bei lokalisierter LCH ist die Prognose sehr gut. Bei der multisystemischen LCH ist die Prognose vom Alter des Patienten und vor allem von der Beteiligung von Risikoorganen und Therapieansprechen abhängig. Gutes initiales Ansprechen auf eine systemische Chemotherapie stellt ein günstiges Prognosekriterium dar. Bei Kindern unter 2 Jahren und besonders bei Risikoorganbefall sieht man oft einen ungünstigen Verlauf. Bei älteren Kindern sind Risikoorgane seltener betroffen und die Prognose ist generell gut, allerdings sind hier chronische Verläufe mit rekurrierendem Skelettbefall und Entwicklung von Spätfolgen möglich. Die meisten Reaktivierungen ereignen sich in den ersten drei Jahren nach Diagnose, obwohl auch Reaktivierungen über 10 Jahre nach Ersterkrankung beschrieben werden.

Literatur
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  1. Birbeck MS et al. (1961) An electron microscope study of basal melanocytes and high-level clear cells (Langerhans cells) in vitiligo. J Invest Derm 37: 51-64
  2. Goerdt S (1998) Histiozytäre Tumoren. In: Garbe C, Rassner G Dermatologie, Leitlinien und Qualitätssicherung für Diagnostik und Therapie. Springer Verlag, Berlin Heidelberg New York S 372–378
  3. Langerhans P (1868) Ueber die Nerven der menschlichen Haut. Virchows Arch Pathol Anat 44: 325
  4. Leonidas JC et al. (2003) Langerhans' cell histiocytosis. Lancet 361: 1293-1295
  5. Lichtenstein L (1953) Histiocytosis X. Integration of eosinophilic granuloma of bone, Letterer-Siwe Disease, and Schüller-Christian Disease as related manifestations of a single nosologic entity. Arch Pathol 56: 84–102
  6. Misery L (2003) Malignant Langerhans cell tumor: a case with a favorable outcome associated with the absence of blood dendritic cell proliferation. J Am Acad Dermatol 49: 527-529
  7. Petersen BL et al. (2003) High expression of markers of apoptosis in Langerhans cell histiocytosis. Histopathology 42: 186-193
  8. Ruzicka T, Evers J (2003) Clinical course and therapy of Langerhans cell histiocytosis in children and Adults. Hautarzt 54: 148-155
  9. The writing Group of the Histiocyte Society (1987) Histiocytosis syndromes in children. Lancet I: 208–209

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