Kryoglobulinämie D89.1

Zuletzt aktualisiert am: 17.05.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Cryoglobulinämie; Cryoglubulinemia; Kälteagglutininkrankheit; Kälteagglutininsyndrom

Erstbeschreiber

Landsteiner, 1903; Lerner u. Watson, 1947

Definition

Auftreten von zirkulierenden Serumproteinen (Kryoglobuline) die in Kälte ausfallen. Es handelt sich um Immunglobuline (meist igM) mit der Eigenschaft, bei 4ºC  auszufallen und bei einer Wiedererwärmung auf 37 °C erneut in Lösung zu gehen. Etwa 80% der Ptienten haben eine hämatologische Grunderkrankung als Ursaceh, in den meisten Fällen eine MGUS. 

Einteilung

Man unterscheidet drei Typen:

  • Typ I: Monoklonale Kryoglobulinämie (Paraproteine): Auftreten v.a. bei multiplem Myelom und Morbus Waldenström.
  • Typ II: Mono- und polyklonal gemischte Kryoglobulinämie mit monoklonalem IgM-Rheumafaktor und polyklonalem IgG (seltener sind monoklonale IgG- oder IgA-Rheumafaktoren im Präzipitat): dieser Typ macht etwa 60% der Fälle von Kryoglobulinämien aus. Eine Hepatitis C-Infektion gilt als häufigste Ursache. Klinisch auftretend auch bei systemischer Sklerodermie, Sjögren-Syndrom, systemischem Lupus erythematodes und (seltener) bei chronischer Polyarthritis. Ebenfalls wurde Auftreten bei langandauernden Infektionserkrankungen und in seltenen Fällen auch bei M. Waldenström beschrieben.
  • Typ III: Ausschließlich polyklonale Kryoglobulinämie (meist zirkulierende Immunkomplexe bei Autoimmunerkrankungen oder Infektionen): dieser Typ liegt bei ca. 25% aller Kryoglobulin-Fälle vor. Klinisch auftretend u.a. bei systemischer Sklerodermie, SLE, seltener bei chronischer Polyarthritis sowie auch bei chronischen Infektionserkrankungen.

Ätiopathogenese

Autoimmunerkrankungen: Systemischer Lupus erythematodes, Sjögren-Syndrom, Polyarteriitis nodosa, rheumatische Arthritis, lymphatische Leukämie, maligne Lymphogranulomatose, Sarkoidose, Colitis ulcerosa.

Infektionen: z.B. Hepatitis B, Hepatitis C, infektiöse Mononukleose, Toxoplasmose, Syphilis, Borrelieninfektionen, Zytomegalieinfektion, subakute bakterielle Endokarditis.

Weitere: Chronische Lebererkrankungen, Arthritis nach intestinalem Bypass.

Klinisches Bild

  • Hautveränderungen bei den unterschiedlichen Typen von Kryoglobulinen:
  • Extrakutane Manifestationen: Arthralgien, Myalgien, Nephropathien, Neuropathien (IgM-assoziierte Polyneuropathie- Anti-MAG-Antikörper), Anämie (die IgM-assoziierte Kälteagglutininerkrankung ist für 15% aller hämolytischen Anämien verantwortlich; pathophysiologisch ist die Anämie komplementasssoziiert und erfolgt hauptsächlich extravaskulär. Der Schweregrad der Anämie hängt von der thermischen Amplitude des Antikörpers ab = von der Bindungsfähgikeit des Antikörpers an die Erythrozyten bei einenr bestimmten Temperatur). Hämoglobinurie.

Labor

BSG bei 37 °C stark beschleunigt, bei 4 °C verlangsamt. Präzipitation der Kryoglobuline im Serum bei Kühlschranktemperaturen (Stunden bis Tage). Kryoglobulinkonzentration meist > 1 g/l (Normwert < 100 mg/l). Häufig Anämie, Hämoglobinurie, falsch-positive Syphilisserologie.

Diagnose

Immunelektrophoretischer Kryoglobulinnachweis.

Therapie

Hinweis(e)

5-10 ml Vollblut bei 37 °C gerinnen lassen, zentrifugieren und das Serum versenden.

Literatur
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  1. Bonnet F et al. (2003) Prevalence of cryoglobulinemia and serological markers of autoimmunity in human immunodeficiency virus infected individuals: a cross-sectional study of 97 patients. J Rheumatol 30: 2005-2010
  2. Cohen SJ et al. (1991) Cutaneous manifestations of cryoglobulinemia: Clinical and histopathologic study of seventy-two patients. J Am Acad Dermatol 25: 21–27
  3. Grunenberg A et al. (2017) Monoklonale IgM-Gammopathie und Morbus Waldenström. Dtsch Ärztebl 114: 745-751
  4. Mazzaro C et al. (2003) Interferon plus ribavirin in patients with hepatitis C virus positive mixed cryoglobulinemia resistant to interferon. J Rheumatol 30: 1775-1781
  5. Landsteiner K (1903) Über Beziehungen zwischen dem Blutserum und den Körperzellen. Munch med Wochenschr 50: 1812
  6. Lerner AB, Watson CJ (1947) Studies of cryoglobulins. I. Unusual purpura associated with the presence of a high concentration of cryoglobulin (cold precipitable serum globulin). Am J Med Sci 214: 410-415
  7. Peter HH et al. (1995): Sekundäre Vaskulitiden. In: Peter HH, Pichler WJ (Hrsg) Klinische Immunologie, Urban Schwarzenberg, S. 425–426
  8. Schwartzenberg S et al. (2003) Generalized vasculitis, thrombocytopenia, and transient lymphoproliferative disorder caused by idiopathic mixed cryoglobulinemia. Am J Med Sci 326: 47-50

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