Kryochirurgie

Zuletzt aktualisiert am: 28.01.2016

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Definition

Einsatz aller Arten von Gefriertechniken zur gezielten und kontrollierten Zerstörung von krankhaft verändertem Gewebe. Die Kryochirurgie findet v.a. in der Therapie von  Hautgeschwülsten eine Verwendung, meist durch Vereisung mit flüssigem Stickstoff.

Eine optimale Zellzerstörung kann durch sehr schnelles Einfrieren mit langsamer Auftauphase erzielt werden. Dabei kommt es zur sog. homogenen Nukleation, d.h. zur intra- und extrazellulären Eiskristallbildung mit Destruktion der Zellmembranen.

Indikation

Superfizielles Hämangiom des Säuglings. Oberflächlich lokalisierte Basazellkarzinome, v.a. in therapeutisch schwierigen Lokalisationen wie Ohrmuschel, Orbitabereich, Nasenrücken. Weiterhin Anwendung bei M. Bowen, Erythroplasie, Lentigo maligna (-20 °C). Nur in Ausnahmefällen beim spinozellulären Karzinom (-30 °C) anzuwenden. Cave! Bei Tumoren vorhergehend bioptische Diagnosesicherung! "Blinde" Verfahren wie die Kryochirurgie sind bei (prä)malignen Veränderungen aufgrund fehlender histologischer Kontrolle nicht Verfahren der 1. Wahl. Bioptische Diagnosesicherung und sorgfältige Nachkontrollen sind unbedingt notwendig!

Durchführung

Stanzbiopsie zur Diagnosesicherung. Zur Kryochirurgie eignen sich lediglich Tumoren oder Hautveränderungen, die das mittlere Korium nicht überschritten haben. Aus diesem Grunde sollte vor dem Einfrieren eine sonographische Untersuchung zur Dickenbestimmung durchgeführt werden. Man unterscheidet:

  • Geschlossenes Kontaktverfahren: Hierbei wird ein Metallstempel passender Größe auf die Läsion platziert, so dass eine möglichst große Fläche der Sonde Kontakt mit der Tumoroberfläche hat. Anschließend wird der flüssige Stickstoff in das System eingeleitet. Hierdurch rasche Abkühlung des Metallstempels bis auf -170 °C.
  • Offenes Sprayverfahren: Hierbei wird flüssiger Stickstoff direkt auf das zu behandelnde Areal aufgesprüht. Vor Therapiebeginn ist das zu behandelnde Areal mit einem Tetramethylthiuramdisulfid (Thiram) Film (z.B. Nobecutan) kurz zu besprühen; auf der so vorbehandelten Hautoberfläche lässt sich eine Silikon Moulage (z.B. Silikon-Knetmasse, Orbis-Dental Frankfurt/Main) zur Abgrenzung des Tumors von der umgebenden gesunden Haut gut aufmodellieren. Anschließend kann im direkten Stickstoffstrom der Tumor vereist werden bis die notwendige Temperatur an der Tumorbasis erreicht wird. Cave! Flüssiger Stickstoff kann unter die Moulage laufen!

Bei beiden kryochirurgischen Modalitäten ist ein Temperaturmonitoring notwendig. Hierbei wird eine Thermosonde von der gesunden Haut aus an die Tumorbasis (vorherige sonographische Kontrolle der Tumorinvasion) vorgeschoben. Bei der Tumorvereisung muss eine Temperatur an der Basis von -20 °C bis -30 °C erreicht werden. Nach Erreichen der notwendigen Temperatur wird der Gefriervorgang unterbrochen. Das Gewebe taut allmählich wieder auf und wird sofort einem 2. Gefrierzyklus ausgesetzt. Anschließend trockener Verband. Kryoreaktion: Zunächst Rötung, innerhalb der ersten 24 Std. kräftige Exsudation und Begleitödem. Krustenbildung. Dauer der Wundheilung abhängig von der Anzahl der Vereisungszyklen und von der Lokalisation des behandelten Areals abhängig; durchschittlich ca. 2 Wochen.

  • Bei aktinischen Keratosen wird eine toxische Epidermolyse angestrebt. Hierbei genügt es, die Haut so zu vereisen, dass ein schwacher Eisfilm die zu behandelnde Fläche überzieht. Nach dem Auftauen wird der Gefrierzyklus in derselben Weise wiederholt.
  • Ein analoges Vorgehen ist beim Kryopeeling zu wählen. Hierbei ist darauf zu achten, dass die zu behandelnde Fläche gleichmäßig eingefroren wird, so dass eine homogene flächenhafte Epidermolyse erzielt wird.

Kontraindikation

Kontraindikationen der Kryochirurgie (nach Petres):
  • Ausgedehnte skerodermiforme Basaliome
  • Tumoren am behaarten Kopf
  • Tumoren an der Ala nasi und nasolabial bei jüngeren Patienten
  • Kollagenosen (außer CDLE)
  • M. Raynaud
  • Kälteurtikaria
  • Kryoglobulinämie
  • Invasive und größere Tumoren in Augennähe
  • Invasive Tumoren in Gehörgangsnähe.

Literatur
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  1. Altmeyer P et al. (1989) Die dermatologische Kryochirurgie. Akt. Dermatol 15: 303–311
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  3. Chiarello SE (2000) Cryopeeling (extensive cryosurgery) for treatment of actinic keratoses: an update and comparison. Dermatol Surg 26: 728-732
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  9. Zouboulis CC (2015) Kryochirugie in der Dermatologie. Hautarzt 66: 834-848
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