Klarzellsarkom kutanes

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

clear cell sarcoma; Malignes Melanom der Weichteile; Sarkom Klarzellsarkom kutanes

Erstbeschreiber

Enzinger 1986

Definition

Seltener maligner Tumor neuroektodermalen Ursprunges. Er wird aufgrund seiner Fähigkeit zur Melaninsynthese auch als malignes Melanom der Weichteile bezeichnet.

Ätiopathogenese

Charakteristische Chromosomentranslokation t(12;22)(q13;q12); mehrere Genfusionstranskripte werden beobachtet: häufigste (etwa 87%) EWSR1 Exon 8 Fusion zu ATF1 Exon 4 (Typ 1), EWSR1-ATF1 Typ 2-4 etwa 10% der Fälle, sehr selten auch Translokation t(2;22)(q32;q12) mit CREB1-EWS Genfusion (meist gastrointestinale Tumore).

Manifestation

Typischerweise sind Jugendliche und junge Erwachsene betroffen (m:w = 1:1.5).

Lokalisation

Meist tiefe Weichteile v.a. distale Extremitäten, seltener an Kopf/Hals oder in viszeralen Organen.

Klinisches Bild

Im Gegensatz zum Melanom ist das Klarzellsarkom tiefer lokalisiert, die Epidermis ist nicht einbezogen. Klarzellsarkome wachsen meist in direkter Verbindung zu Sehnen oder Aponeurosen. Die Tumore sind oft unter der Haut gelegene Knoten, die eine grau-weiße, homogene Schnittfläche von fester, gummiartiger Konsistenz haben. Sie können lobuliert bis multilobulär wachsen. Etwa die Hälfte der Klarzellsarkome ist von einer Kapsel umgeben, gelegentlich finden sich auch Pigmentierungen. Bei einem Teil der Patienten kann der Tumor auch schmerzhaft sein.

Histologie

Faszikuläres oder nestartiges Muster mit spindeligen, polygonalen, eosinophilen Zellen. Das Zytoplasma ist hell bis basophil, der Nukleus ovoid und vesikulär mit einem prominenten, meist eosinophilen Nukleolus. Der Anteil des fibrösen Stromas ist variabel. Mitosen sind bei den meisten Klarzellsarkomen selten. Nekrosen oder mehrkernige Riesenzellen findet man bei etwa der Hälfte der Tumore. Eine junktionale Aktivität, wie sie beim malignen Melanom zu erwarten ist, fehlt meist komplett oder ist nur angedeutet vorhanden. Immunhistologie: HMB-45, Melan-A und/oder S-100-Protein bei den meisten Klarzellsarkomen positiv. Im Gegensatz zum Melanom findet man aber in der Regel keine BRAF, NRAS und KIT Mutationen. Intrazelluläres Melanin kann nachweisbar sein, Zytokeratin ist nicht nachweisbar. Typischerweise läßt sich bei >90% der Tumoren eine t(12;22)(q13;q12) Translokation mit einer EWSR1(Ewing sarcoma breakpoint region 1-Gen)-ATF1 Fusion nachweisen, seltener eine EWSR1-CREB1-Fusion (CREB1=Akronym für cAMP responsive element binding protein1).

 

Diagnose

Klinisch ist die Diagnose nicht sicher zu stellen. Eine histologische Abklärung einschließlich Immunhistochemie muss erfolgen. Die Diagnose wird letztlich mittels FISH-Analyse oder RT-PCR bestätigt, indem die o.g. charakteristische Chromosomentranslokation nachgewiesen wird. Die TNM-Klassifikation, Stadieneinteilung und Grading-Klassifikation erfolgt gemäß UICC/AJCC 2002 bzw. French Federation of Anticancer Centers (FNCLCC)

Differentialdiagnose

Histologisch: Spindelzelliges malignes Melanom.

Therapie

Die Therapie der Klarzellsarkome liegt in erster Linie in der chirurgischen Intervention. Die Tumoren sollten je nach Dignität (Tumorgröße, Tiefenausdehnung, Grading) mit ausreichendem Abstand exzidiert werden. Chemotherapie und Bestrahlungstherapie sind kaum wirksam.

Verlauf/Prognose

Die Prognose der Patienten mit Klarzellsarkom ist eher als schlecht zu bewerten. Der Tumor neigt häufig zu Rezidiven und etwa die Hälfte der Patienten entwickelt im Krankheitsverlauf Metastasen, besonders in Lymphknoten, Lunge und Knochen. Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt etwa 65%.

Literatur
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  1. Falconieri G et al. (2012) Cutaneous Clear Cell Sarcoma: Report of Three Cases of a Potentially Underestimated Mimicker of Spindle Cell Melanoma. Am J Dermatopathol Epub ahead of print
  2. Gambichler T et al. (2012) Deep intronic point mutations of the KIT gene in a female patient with cutaneous clear cell sarcoma and her family. Cancer Genet. 205:182-5
  3. Hantschke M et al. (2010) Cutaneous clear cell sarcoma: a clinicopathologic, immunohistochemical, and molecular analysis of 12 cases emphasizing its distinction from dermal melanoma. Am J Surg Pathol. 34:216-22.
  4. Langezaal SM et al. (2001) Malignant melanoma is genetically distinct from clear cell sarcoma of tendons and aponeurosis (malignant melanoma of soft parts). Br J Cancer. 84:535-8
  5. Meis-Kindblom JM. (2006) Clear cell sarcoma of tendons and aponeuroses: a historical perspective and tribute to the man behind the entity. Adv Anat Pathol. 13:286-92
  6. Song JS et al. (2010) Diagnostic utility of EWS break-apart fluorescence in situ hybridization in distinguishing between non -cutaneous melanoma and clear cell sarcoma. Pathol Int. 60:608-13.

Weiterführende Artikel (3)

CREB; EWSR1-Gen; FISH-Analyse;

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