Kinky hair disease E83.0

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Kraushaarsyndrom; Kraushaar-Syndrom; Menkes disease; Menkes-Stahlhaarkrankheit; Menkes-Stahlhaar-Krankheit; Menkes-Syndrom; Pili torti mit Kupfermangel; steely-hair-syndrome; Trichopoliodystrophie

Erstbeschreiber

Menkes, 1962

Definition

X-chromosomal-rezessiv vererbte, fortschreitende, neurodegenerative Erkrankung infolge von Kupferresorptionsstörungen im Darm und von beeinträchtigtem Kupfertransport im Gewebe. Dies führt u.a. zu Störungen der Kupfer-abhängigen Tyrosinase (Depigmentierung der Haare), Anstieg freier Sulfhydrylgruppen im Keratin mit konsekutiver Beeinträchigung der Disulfidbrücken der Keratinmoleküle (Brüchigkeit der Haare).

Vorkommen/Epidemiologie

Inzidenz: 1/298.000 Lebendgeborene.

Ätiopathogenese

X-chromosomal-rezessiv vererbte Mutationen des ATP7a-Gens (Cu-transporting ATPase, alpha polypeptide Gen; Genlokus Xq12-Xq13.3). Das defekte ATP7a-Gen kodiert für eine Kupfer-transportierende ATPase, die für den intrazellulären Transport dieses Spurenelementes zuständig ist. Viele Symptome der Kinky hair disease lassen sich auf die verminderte Aktivität von 5 Kupfer-abhängigen Enzymen zurückführen, darunter die Lysyloxidase und die Tyrosinase.

Manifestation

Überwiegend 5. Lebenswoche bis 5. Lebensmonat. Jungen sind bevorzugt befallen.

Lokalisation

Kopfhaar, Augenbrauen.

Klinisches Bild

  • Hautblässe mit ausgeprägter an eine cutis laxa erinnernde Hautschlaffheit.
  • Pili torti, spärliche, pigmentarme, borstige, glanzlose, geknickte Haare.
  • Körperliche- und psychomotorische Retardierung, Krämpfe, oft Hypothermie-Episoden. Wachstumsstörungen mit skorbutartigen Knochenveränderungen. Fortschreitende Dezerebrationszeichen. Maskenhaftes Gesicht mit rundlichen, herabhängenden Wangen, oft starrer Blick. 
  • Gehirn: Erweiterung der Seitenventrikel, Hypoplasie bzw. Atrophie von Zerebrum und Zerebellum, Demyelinisierung, Leukomalazie, Subduralhämatome.
  • Skelett: Metaphysäre Becherung und Spornbildung, diaphysäre periostale Auflagerungen, Schaltknochen am Schädel, Osteoporose, selten Platyspondylie.
  • Gefäße: Tortuositas, Erweiterung (Kalibersprung) und/oder Vermehrung sowie korkenzieherartige Verwindungen v.a. der intrakraniellen und viszeralen Arterien; Blasendivertikel, vesikoureteraler Reflux.

Labor

Pathologisch tiefes Serumkupfer und -coeruloplasmin, abnorm erhöhte Kupferaufnahme durch kultivierte Fibroblasten.

Diagnose

  • Pränatale Diagnose aus Chorionzotten ist sicherer als aus Fruchtwasserzellen.
  • Chorionzotten: Kupfer-Gehalt erhöht (ein Mehrfaches der Norm), an Trophoblast-Zellmembran gebundenes Kupfer ist elektronenmikroskopisch nachweisbar.
  • Fruchtwasserzellen: erhöhte Kupferaufnahme.

Therapie

Verlauf/Prognose

Der Verlauf ist bestimmt durch Krampfleiden und Luftwegsinfekte (Immobilisierung, Aspiration). Tod im Säuglings- oder Kleinkindesalter, meist im 4. bis 5. Lebensjahr. Sehr selten ist das Überleben ins Erwachsenenalter beschrieben.

Hinweis(e)

Das Ocipital-horn-Syndrom wurde in der Vergangenheit unter "Cutis-laxa" geführt. Es hat jedoch den selben Gendefekt wie die "Kinky hair disease", sodass es als Minusvariante dieses Syndroms eingestuft werden kann.  

Literatur
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  1. Banci L et al. (2004) Solution structure and backbone dynamics of the Cu(I) and apo forms of the second metal-binding domain of the Menkes protein ATP7A. Biochemistry 43: 3396-3403
  2. Garnica A et al. (1994) Copper-Histidine treatment of menkes disease. J Pediatr 125: 336-337
  3. Kodama H et al. (2003) Biochemical indicator for evaluation of connective tissue abnormalities in Menkes' disease. J Pediatr 142: 726-728
  4. Menkes JH, Alter M, Steigleder GK et al. (1962) A sex-linked recessive disorder with retardation of growth, peculiar hair, and focal cerebral and cerebellar degeneration. Pediatrics 29: 764-779
  5. Tonnesen T, Kleijer WJ, Horn N (1991) Incidence of Menkes disease. Hum Genet 86: 408-410
  6. Tonnesen T, Petterson A, Kruse TA et al. (1992) Multipoint linkage analysis in Menkes disease. Am J Hum Genet 50: 1012-1017
  7. Vulpe C, Levinson B, Whitney S et al. (1993) Isolation of a candidate gene for Menkes disease and evidence that it encodes a copper-transporting ATPase. Nat Genet 3: 7-13
  8. Zaffanello M et al. (2003) Rare urological abnormalities in 2 cases of Menkes' syndrome. J Urol 170: 1335

Weiterführende Artikel (2)

Kinky hair disease; Pili torti;

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