Keratoakanthom (Übersicht) D23.-

Zuletzt aktualisiert am: 23.08.2018

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Pia Nagel

Alle Autoren

Synonym(e)

Epitheliome multiple selbstheilende der Haut; idiopathic cutaneous pseudoepitheliomatous hyperplasia; Keratoacanthoma; Keratoakanthom solitäres; Molluscum sebaceum; Molluscum sebaceum und pseudocarcinomatosum; selbstheilendes Stachelzellkarzinom; Stachelzellkarzinom selbstheilendes

Erstbeschreiber

Hutchinson, 1889

Definition

Initial schnell wachsender (laut typischer Anamnese meist wenige Wochen), solitärer, seltener in Mehrzahl auftretender, 1,0 bis maximal 3,0 cm großer, epithelialer Tumor, der sich vom Haarfollikel oder vom Oberflächenepithel der Haut (selten der Schleimhaut) aus entwickelt, zunächst infiltrativ wächst und nach Wochen bis Monaten unter Ausstoßung eines zentralen Hornpfopfes eine spontane Rückbildungstendenz haben kann (das Wachstumsverhalten wird als Analogie zum Haarzyklus interpretiert).  

Einteilung

Neben dem klassischen Typ des KA wurden abweichende klinische Varianten beschrieben: insbes. der plattenförmige Typ, der destruierende subunguale Typ, das aggregierte KA, multiple, destruierend wachsende KA, das Keratoacanthoma marginatum centrifugum (Typ Miedzinski-Kozakiewicz) sowie das Riesenkeratoakanthom.

Alle Varianten weisen ein identisches histologisches Bild auf und unterscheiden sich lediglich durch ihr makro-morphologisches Muster, ihre Lokalisation (z.B. beim subungualen KA) und ihr Wachstumsverhalten (destruierende Varianten).

Ätiopathogenese

Ungeklärt. Häufig nach aktinischen Noxen (überwiegendes Auftreten in lichtexponierten Arealen), nach mechanischen Traumata, Kontakt mit chemischen Karzinogenen, bei Immunsuppression sowie paraneoplastisch bei Neoplasien innerer Organe (insbes. des Intestinaltraktes) auftretend.

Genetischer Faktor: Auftreten multipler KA bei genetischen Syndromen (s. Einteilung).

Der Nachweis von HPV (HPV 25) insbes. bei multiplen KA ist in seiner pathogenetischen Bedeutung bisher unklar.

Manifestation

Manifestation selten vor dem 20. LJ, gehäuft bei Männern ab dem 55. Lebensjahr (Häufigkeitsgipfel zwischen 50.-79. LJ). Gehäuftes Auftreten wird bei Immunsupprimierten beobachtet. Männer sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen.

Lokalisation

Lichtexponierte Areale hellhäutiger Personen, vor allem Gesicht, auch Handrücken. Handflächen und Fußsohlen bleiben frei, ebenso die Schleimhäute.

Klinisches Bild

Das hier beschriebene klassische Keratoakanthom imponiert als solitäres, 0,5 cm bis maximal 3,0 cm (Literatur: in Einzelfällen bis zu 9,0 cm!) großes, kugelig vorgewölbtes, hartes, rotes oder rot-braunes, zentral eingedelltes, schmerzloses Knötchen (oder Knoten), dessen Oberfläche von Teleangiektasien durchzogen ist.

Typisch ist ein wallförmig aufgeworfener Rand, der den zentralen, grau-gelben, keratotischen Pfropf lippenförmig umschließt.

Das Keratoakanthom ist auf seiner Unterlage gut verschieblich.

Typischerweise wird ein dreiphasiger klinischer Verlauf beobachtet:

  • Stadium der Proliferation (Dauer etwa 2-6 Wochen) mit schnellem Wachstum (Zeitraum der klinischen Vorstellung)
  • Stadium der Ausreifung (statische Phase; Dauer unbestimmt)
  • Stadium der Rückbildung (diese Phase ist umstritten und sollte nicht abgewartet werden).

Multiple Keratoakanthome werden als 0,1-1,2 cm große feste, hautfarbene bis rötliche Papeln und Knoten beschrieben.

Das Riesenkeratoakanthom (auch Keroakanthoma giganteum genannt) zeigt bei typischer klininischer und histologischer  Morphologie ein ungewöhnliches, überdimensioniertes (bis 10 cm) Größenwachstum (s.u. Riesenkeratoakanthom)

Das Keratoacanthoma marginatum centrifugum, eine ungewöhnliche Variante des Riesenkeratoakanthoms, kennzeichnet sich durch ein plattenartiges Erscheinungsbild mit fehlender Rückbildungstendenz im Randgebiet der Geschwulst.     

 

Histologie

  • Histologische Abgrenzung zum Plattenepithekarzinom bei Stanzbiopsien oder Teilexzidaten ist nicht möglich. Insofern ist die histologische Diagnose KA nur dann zu stellen, wenn sich dieses in seiner typischen histomorphologischen Gestalt präsentiert.
  • Hierbei zeigt sich ein zentraler Hornpfropf, der von breiten epidermalen Tumorproliferaten lippenförmig umschlossen ist. Die Tumorproliferate zeigen infiltrierendes und destruierendes Wachstum. Das umgebende Bindegewebe ist deutlich fibrosiert sowie kräftig rundzellig infiltriert. Die basalen Keratinozyten sind deutlich vergrößert und zeigen ein kräftig eosinophiles Zytoplasma. Insbes. im Proliferationsstadium sind die basalen Tumoranteile deutlich zell- und kernpolymorph mit Einzelzelldyskeratosen sowie zahlreichen auch pathologischen Mitosen. Daneben kleine Hornperlen mit konzentrisch geschichteten Keratinozyten. Die Zahl der Mitosen ist unterschiedlich und bei jungen KA deutlich, bei älteren nur mäßig vermehrt. Bei älteren KA findet sich im Tumorparenchym eine zunehmende entzündliche Komponente mit Mikroabszessen aus eosinophilen und neutrophilen Leukozyten sowie vereinzelten Riesenzellen vom Fremdkörpertyp.

Differentialdiagnose

Bestrahlungstherapie

Interne Therapie

Operative Therapie

Verlauf/Prognose

Günstig. Spontane Rückbildung ist möglich. Auch Übergang in Plattenepithelkarzinom ist möglich, über Metastasenbildung in einzelnen Fällen wurde berichtet.

Hinweis(e)

Das Keratoakanthom ist weder klinisch noch histologisch von einem spinozellulären Plattenepithelkarzinom zu unterscheiden. Es empfiehlt sich insofern nicht, eine "Selbstheilung" des Tumors abzuwarten.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Boateng B et al. (1995) Multiple keratoacanthomas (Witten-Zak type) in prurigo simplex subacuta. Hautarzt 46: 114-117
  2. Chu DH et al. (2003) Generalized eruptive keratoacanthoma of Grzybowski. J Drugs Dermatol 2: 318-319
  3. Consigli JE et al. (2000) Generalized eruptive keratoacanthoma (Grzybowski variant). Br J Dermatol 142: 800-803
  4. Hsu S et al. (2003) Reactive multiple keratoacanthoma in a patient with chronic renal insufficiency. Br J Dermatol 148: 1270-1271
  5. Hutchinson J (1889) The crateriform ulcer of the face, a form of acute epithelial cancer. Trans Pathol Soc London 40: 275-281
  6. Jasnoch V et al. (1995) Die seltenen Varianten der Keratoakanthome. Hautarzt 46: 244–9
  7. Kato N et al. (2003) Ferguson Smith type multiple keratoacanthomas and a keratoacanthoma centrifugum marginatum in a woman from Japan. J Am Acad Dermatol 49: 741-746
  8. Laaff H et al. (1992) Eruptive Keratoakathome Typ Grzybowski und Ektropium. Ein therapeutisches Problem. Hautarzt 43: 143–147
  9. Norgauer J et al. (2003) Human papillomavirus and Grzybowski's generalized eruptive keratoacanthoma. J Am Acad Dermatol 49: 771-772
  10. Peris K et al. (2003) Successful treatment of keratoacanthoma and actinic keratoses with imiquimod 5% cream. Eur J Dermatol 13: 413-414
  11. Remling R et al. (2000) Intralesional methotrexate injection: an effective time and cost saving therapy alternative in keratoacanthomas that are difficult to treat surgically. Hautarzt 51: 612-614
  12. Rinker MH et al. (2001) Histologic variants of squamous cell carcinoma of the skin. Cancer Control 8: 354-363
  13. Schwartz RA et al. (2002) Generalized eruptive keratoacanthoma of Grzybowski: follow-up of the original description and 50-year retrospect. Dermatology 205: 348-352
  14. Sanchez Yus E et al. (2000) Solitary keratoacanthoma: a self-healing proliferation that frequently becomes malignant. Am J Dermatopathol 22: 305-310

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 23.08.2018