Keloid (Übersicht) L91.0

Bildübersicht

Synonym(e)

Narbenwucherung; Wulstnarbe; Narbenkeloid; keloid scar, keloidal scar,

Erstbeschreiber

1700 v. Ch. erstmalige Erwähnung im "Smith-Papyrus"; Alibert prägte 1816 den Begriff "cheloide", abgeleitet von dem griechischen Wort "chele" - Krebsschere.

Definition

Gutartige, umschriebene, ein Narbenfeld sowie die umgebende gesunde Haut betreffende, häufig schmerzhafte oder juckende, Bindegewebsproliferation, die selten spontan (Minimaltrauma), ansonsten Monate oder auch wenige Jahre nach Verletzungen oder chronischen Entzündungen auftritt. Der Unterschied zu einer hypertrophen Narbe besteht darin, dass ein Keloid definitionsgemäß das ursprüngliche Narbenareal überschreitet, eine hypertrophe Narbe dagegen nicht. Es gibt jedoch fließende Übergänge.

Einteilung

S. hierzu unter Narbe - Einteilung der Narben nach Mustoe 

Vorkommen/Epidemiologie

Besonders disponiert sind Jugendliche, Schwarze, Asiaten (Keloidprävalenz: 4,5-16%). Das Risiko an einem Keloid zu erkranken liegt bei dunkelhäutigen ethnischen Gruppen 15-20fach höher als bei Kaukasiern.

Ätiopathogenese

  • Der exakte Pathomechanismus ist unbekannt. In Keloiden nachgewiesen ist eine um den Faktor 20 gesteigerte Kollagensynthese. Strukturproteine wie Fibrin, Fibronektin, Glykosaminoglykane, Kollagen Typ III werden durch extrazelluläre Matrixproteine, hauptsächlich Kollagen Typ I, ersetzt. Unklar ist, ob Keloide Folge einer vermehrten Kollagensynthese oder eines verminderten Abbaus sind.
  • Inhibitoren der Kollagensynthese wie InterferoneInterleukin-1 und TNF-α stellen Ansatzpunkte für neue Therapiestrategien dar.
  • Das Auftreten des Juckreizes ist durch das Aussprossen der regenerierenden, hypersensitiven Nerven zu erklären. Inflammatorische Mediatoren und ein erhöhter Gehalt an NGF verstärken dies.   

Manifestation

Überwiegend bei jungen Erwachsenen auftretend. Das Durchschnittsalter der Erstmanifestation beträgt bei beiden Geschlechtern 23 Jahre. Geschlechtsprädominanz besteht nicht.

Lokalisation

Außer Handtellern und Fußsohlen überall, vor allem obere Körperhälfte, prästernal, Schulterregion, Oberarme, Ohrläppchen (Ohrringe).

Klinisches Bild

  • Wochen bis Monate nach einer Verletzung oder aber spontan auftretend. Entwicklung einer unterschiedlich dicken, die Umgebung überragenden, scharf abgesetzten, platten- oder knotenförmigen Wucherung, die durch rasches Wachstum das eigentliche Narbengebiet überschreitet und oft krebsscherenartige Ausläufer an den Rändern zeigt.
  • Verlust des Hautreliefs, der Haare und Talgdrüsen im betroffenen Bereich. Die Farbe ist zunächst rötlich bis braunrot, später weißrötlich bis elfenbeinfarben. Gehäuft treten Teleangiektasien an der Oberfläche der Hautveränderungen auf.
  • Nicht selten besteht deutlicher Druck- oder Spontanschmerz, aber auch lokaler Juckreiz, Parästhesien, Taubheitsgefühl, Kontrakturen (bei gelenküberschreitender Lokalisation) können vorhanden sein. Keloide werden von den Betroffenen sehr häufig als kosmetische Beeinträchtigung empfunden.

Histologie

Bild eines zellreichen Fibroms. Unveränderte oder mäßig verdünnte, seltener akanthotische Epidermis. Die regelmäßige Anordnung des Kollagens wie in normalen Narben ist aufgehoben. In frischen Keloiden zeigen sich zahlreiche Fibroblasten, vermehrt myxoide Grundsubstanz, kollagene Fasern sowie Kapillaren und entzündliche Infiltrate. Später zellarme, dichte Knoten von homogenisierten Fasern. Atrophische Haare, Talg- und Schweißdrüsen. Ungeordnete Ausrichtung der Kollagenfasern.

Differentialdiagnose

Hypertrophische Narbe: Überschreitet per Definition das ursprüngliche Narbenfeld nicht! Somit leicht zu unterscheiden. Dermatofibrom (Histiozytom): Meist symptomloser, derber, gelb-rötlicher oder rot-brauner, das umgebende Hautniveau nicht oder wenig überragender (wichtige DD), manchmal auch zentral eingesunkener, gut umschriebener, mit der Oberhaut fest verbackener Knoten. Größe selten > 1,0 cm. Dermatofibrosarcoma protuberans: Bis zu 10 cm großer, sehr derber, hautfarbener bis bräunlich-livider (es fehlt immer die hochrote Farbe des Keloides), höckriger Knoten, der aus einem knotigen und einem darunterliegenden plattenartigen Anteil besteht. Meist nicht schmerzhaft. typisch ist das "Eisbergphänomen". Histologie ist diagnostisch. Leiomyom: zirkumskripte Sklerodermie

Therapie

Prophylaxe

  • Prävention! Risiken der Keloidbildung vor jeder Operation bedenken! Vermeidung elektiver Eingriffe bei disponierten Patienten (Eigen- und Familienanamnese) in jugendlichem Alter, sowie an disponierten Arealen wie Decolleté-, Schulter- und Rückenbereich.
  • Falls Operationen nicht zu vermeiden sind, sollte beim Wundverschluss auf eine spannungsfreie Naht geachtet werden.
  • Pflasterzüge über 12 Wochen können das Keloidrisiko signifikant reduzieren.
  • Ergänzend können nach Epithelisierung Silikon-Gele oder -Pflaster (s.o.) aufgetragen werden.

Literatur

  1. Alibert JLM (1816) Quelques recherches sur les cheloides. Mem Soc Médicale d`Émulation 8: 744
  2. Alibert JLM (1816) Note sur la chéloïde. Journal universel des sciences médicales (Paris) 2: 207-216
  3. Apikian M et al. (2004) Intralesional 5-fluorouracil in the treatment of keloid scars. Australas J Dermatol 45: 140-143
  4. Aschoff R (2014) Therapie hypertropher Narben und Keloide. Hautarzt 65: 1067-1077
  5. Atkinson JA et al. (2005) Randomized controlled trial to determine the efficacy of paper tape in preventing hypertrophic scar formation in surgical incisions that transvers Langer`s skin tension lines. Plast Reconstr Surg 33: 1291-1303
  6. Breasted JH (1930) The Edwin Smith surgical papyrus,Vol 1. Hieroglyphic translation and commentary.University of Chicago Press, Chicago, S. 403-406
  7. Gira AK et al. (2004) Keloids demonstrate high-level epidermal expression of vascular endothelial growth factor. J Am Acad Dermatol 50: 850-853
  8. Kelly AP (2004) Medical and surgical therapies for keloids. Dermatol Ther 17: 212-218
  9. Mustoe TA et al. (2005) International clinical recommendations on scar management. Plast Reconstr Surg 110: 560-571
  10. Poetschke J et al. (2016) Current options for the treatment of pathological scarring. J Dtsch Dermatol Ges 14:467-477.
  11. Van Loey NE et al. (2008) Itching following burns: epidemiology and predictors. Br J Dermatol 158:95-100.

Disclaimer

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Zuletzt aktualisiert am: 20.11.2017