Insektenstiche (Übersicht) T14.0

Zuletzt aktualisiert am: 16.01.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Fliegenstich; Hymenopterenstiche; Ikti; Iktus; Insektenstich; Insektenstichraktionen; Stiche von Insekten

Definition

Stich durch Insekten. Zu den Besonderheiten der einzelnen Stichreaktionen s.u. MückenstichBienenstichWespenstichHornissenstichBremsenstichFlohstich.

Einteilung

Mögliche Reaktionsformen auf Insektenstiche:

Klinisches Bild

  • Toxische Reaktionen: "Normale" Reaktion des (nicht allergischen) Organismus auf einen Stich: Schmerz, Juckreiz, Quaddelbildung. Gelegentlich persistieren Insektenstiche über längere Zeit als juckende, stecknadelkopf- bis linsengroße, häufig zerkratzte Papeln. Selten treten nach Insektenstichen lebensbedrohliche Reaktionen (100-1000 Stiche) auf.
  • Ungewöhnliche Reaktionen: Hierunter verstehen sich Reaktionen, deren zugrunde liegender Pathomechanismus nicht eindeutig zu klären ist. Diskutiert werden Immunkomplexanaphylaxien, neuropsychogene Reaktionen oder Intoleranzreaktionen unter dem Bild von Vaskulitis, Serumkrankheit, Nephropathie oder urtikarieller Dermatitis. Nicht selten sind nekrotische oder blasige Insektenstichreaktionen bei chronischer lymphatischer Leukämie zu beobachten.
  • Allergische Reaktionen: Hervorgerufen durch eine eindeutig nachweisbare (IgE vermittelte) Sensibilisierung, meist durch ein vorausgegangenes Stichereignis. Allergische Reaktionen werden unterteilt in Lokal- und Systemreaktionen. Sie spielen eine besondere Rolle bei Bienen- und Wespenstichen.

Zu den Besonderheiten der einzelnen Stichreaktionen s.u.: 

Histologie

  • Spätstadium: Oberflächliches und tiefes, perivaskulär orientiertes, überwiegend lymphozytäres Infiltrat unterschiedlicher Intensität, dem häufig eosinophile Granulozyten unterschiedlicher Dichte beigemengt sind. Epidermale Reaktionen (Spongiose, Epithelnekrosen) können vorhanden sein.
  • Frühstadium (selten histologisch untersucht): Dermales Ödem und buntes perivaskuläres Entzündungsmuster.

Prophylaxe

Bei Insektengift-Sensibilisierten ist die spezifische Immuntherapie (SIT) mit Hymenopterengift ein gut verträgliche hochwirksame prophylaktische Therapiemaßnahme.  

Maßnahmen zur Vermeidung von Bienen-Wespenstichen (zit. nach Rueff F. et al. 2000)

  • Repellentien (chemische Insektenabwehrmittel) bieten keinen Schutz.
  • Im Freien Verzehr von Speisen oder Getränken, Obst- oder Blumenpflücken,
  • Aufenthalt in der Nähe von Abfallkörben, Mülleimern, Tiergehegen oder
  • Fallobst sowie Verwendung von Parfüm oder parfümierten Kosmetika vermeiden.
  • Nach dem Essen Hände waschen und Mund abwischen.
  • Nicht aus Flaschen oder Getränkedosen trinken, Trinkgläser abdecken, Trinkhalme verwenden.
  • Insekten nicht von Futterquellen verscheuchen, vor allem nicht mit hektischen Bewegungen.
  • Die Haut durch Kleidung weitgehend bedeckt halten (zumindest bei Gartenarbeiten). Nicht Barfußlaufen, kein offenes Schuhwerk tragen.
  • Beim Motorradfahren Helm, Handschuhe und Motorradkleidung der Haut dicht anliegend tragen. Offene Fahrradhelme sind mit einem Netz zu versehen.
  • An Tagen mit schwülheißer Witterung besonders vorsichtig sein, da die Insekten bei solcher Witterung aggressiv sind.
  • Ungünstig sind lose sitzende, leichte Bekleidungsstücke und dunkle Farben, zu bevorzugen sind helle Farben.
  • Wohnungsfenster tagsüber geschlossen halten oder durch Insektennetze sichern. Abends kein Licht bei geöffneten Fenstern, da Hornissen nachtaktiv sind und dann bevorzugt Lichtquellen anfliegen.
  • Auf versteckte Insekten (besonders im Bett oder in Schuhen) achten.
  • Bienenstöcke oder Wespennester und deren Einzugsbereich sind zu meiden.
  • Nester in der Nähe eines ständigen Aufenthalts müssen fachmännisch entfernt werden (durch Imker bzw. Feuerwehr).
  • Wespenfallen oder Abwehrsprays können hilfreich sein.
  • Bei Annäherung von Insekten oder in Nestnähe sind hastige oder schlagende Bewegungen zu vermeiden, langsam zurückziehen!
  • Nester dürfen nicht erschüttert werden. Nicht in ein Flugloch hauchen.
  • Bei Angriff durch Bienen oder Wespen den Kopf mit Armen oder Kleidung schützen. Der Rückzug darf nicht hektisch, sondern muss ganz langsam erfolgen.
  • Im Fall eines Stichs die Stichstelle mit der Hand bedecken. Gegebenenfalls steckengebliebenen Stachel möglichst rasch entfernen. Achtung: Um ein Ausdrücken des Giftsacks zu vermeiden, den Stachelapparat nicht mit den Fingern zusammenpressen, sondern mit einem Fingernagel wegkratzen.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Barzilai A et al.(1999) Insect bite-like reaction in patients with hematologic malignant neoplasms. Arch Dermatol 135: 1503-1507.
  2. Ruëff F et al. (2000) Diagnose und Therapie der Bienen- und Wespengiftallergie. Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie. Allergo J  9: 458–472. 

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

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Zuletzt aktualisiert am: 16.01.2018