Immunsuppressiva

Zuletzt aktualisiert am: 20.11.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Immunsuppressivum

Definition

Medikamentengruppe, die gegen bestimmte Strukturen oder Signalwege von immunkompetenten Zellen gerichtet ist. Sie wird im dermatologischen Bereich hauptsächlich gegen Autoimmunkrankheiten - z.B. bullöse Autoimmunerkrankungen -, Psoriasis vulgaris oder gegen Erkrankungen aus dem Lupus erythematodes - Formenkreis eingesetzt). Immunsuppressiva werden in der Dermatologie meist als duale Therapie verwendet  Glukokortikoide

  • Glukokortikoide, inhalative
  • Glukokortikoide, topische
  • Glukokortikoide, systemische

 Antiproliferativa -s.u. Zytostatika

Antikörper

  • CD3 Antikörper (Muromonab)
  • CD20 Antikörper ( Rituximab)
  • CD25 Antikörper (Basiliximab und Daclizumab)
  • TNF-alpha Antikörper ( Infliximab und Adalimumab)
  • Dimer-Fusionsprotein des TNF-alpha-Rezeptors ( Etanercept).
  • Zytokinantikörper (Ustekinomab)

Makrolide

Sonstige

Anwendungsgebiet/Verwendung

Glukokortikoide: Ihre Wirkung beruht vor allem auf einer Hemmung der Gene proinflammatorischer Zytokine. Sie unterdrücken die humorale und die zelluläre Immunantwort. Es werden weniger entzündungsfördernde Interleukine, Interferone und TNF-α freigesetzt. B-Zellen und damit die Antikörperproduktion der Plasmazellen werden gehemmt. Glukokortikoide werden als Teil einer immunsuppressiven Kombinationstherapie eingesetzt. Antiproliferativa (Azathioprin, Cyclophosphamid, Mycophenolatmofetil): Diese Gruppe von Immunsuppressiva entfaltet ihre Wirkung über eine Drosselung der Purinsynthese. Dadurch hemmt sie die Lymphozyten-Proliferation nach Antigen-Kontakt. Die Präparate werden vor allem als zusätzliche Medikamente zu den Basis-Immunsuppressiva verabreicht. Zu dieser Gruppe gehören u.a.: Azathioprin (Imurek), das in der Transplantationsmedizin seit etwa 40 Jahren angewandt wird. Cyclophosphamid (Endoxan®) Mycophenolatmofetil (MMF, CellCept®). Es wird im Körper zu Mycophenolsäure umgewandelt, das die Lymphozyten-Proliferation und Antikörperbildung hemmt. Mycophenolsäure und Mycophenolatmofetil hemmen spezifisch die aktivierten B- und T- Lymphozyten. Interkalantien (z. B. Mitoxantron) Binden nichtkovalent an die DNA und verhindern die Anbindung der Polymerasen, welche zur Replikation und Transkription der Erbsubstanz dienen. Antikörper Der CD3 Antikörper Muromonab ist ein monoklonaler Antikörper, der spezifisch an das CD3-Antigen der T-Zell-Rezeptoren bindet und ihn deaktiviert. Teilweise kommt es ebenfalls zur T-Zell-Lyse. CD20 Antikörper (Rituximab) CD25 Antikörper (Basiliximab und Daclizumab) blockieren den Interleukin-2-Rezeptor auf aktivierten T-Lymphozyten. Diese Antikörper werden in Kombination mit anderen Immunsuppressiva prophylaktisch bei der Nierentransplantation eingesetzt. TNF-α Antikörper (Infliximab und Adalimumab) neutralisieren TNF-α und unterbinden damit das Ausschütten von IL-1 und IL-6. Sie werden zur Behandlung chronischer Erkrankungen wie der Psoriasis vulgaris, der Psoriasis Arthropathica, bei rheumatoider Arthritis, Morbus Crohn eingesetzt. Zytokinantikörper (Ustekinomab) humaner monoklonaler Antikörper gegen Zytokine Interleukin-12 (IL-12) und Interleukin-23 (IL-23). Makrolide Calcineurinhemmer (Ciclosporin und Tacrolimus); Calcineurin ist ein Enzym in verschiedenen Körperzellen, unter anderem auch in den Zellen des Immunsystems. Es ist wichtig für die Signalweiterleitung in speziellen Zellen der Immunabwehr (T-Lymphozyten), wenn diese aktiviert sind. Calcineurinhemmer verhindern diese Signalweiterleitung und damit die Aktivierung des Immunsystems: Ciclosporin Das aus dem Pilz Tolypocladium inflatum gewonnene Polypeptid Ciclosporin blockiert spezifisch und reversibel die ruhenden Lymphozyten in der G0- oder G1-Phase des Zellzyklus. Die Substanz hemmt die Produktion und Freisetzung von Lymphokinen einschließlich Interleukin-2 oder T-Zell-Wachstumsfaktor. Pimecrolimus: Lipophiles Macrolacatam-Derivat von Ascomycin mit anti-inflammatorischen Eigenschaften. Es ist ein zellselektiver Inhibitor der Produktion und Freisetzung von pro-inflammatorischen Zytokinen. Pimecrolimus bindet mit hoher Affinität an Macrophilin-12 und inhibiert die Calicium-abhängige Phosphatase Calcineurin. Als Folge wird die Synthese von inflammatorischen Zytokinen in T-Zellen blockiert. Tacrolimus: Stoffwechselprodukt des Pilzes Streptomyces tsukubaensis, das strukturell keine Verwandtschaft zu Ciclosporin aufweist. Die Substanz beeinflusst die zelluläre und humorale Immunantwort. Wie Ciclosporin hemmt Tacrolimus die T-Zell-Aktivierung durch hochaffine Bindung an das Zytosol-Protein FKBP12 (Macrophilin-12). Tacrolimus hemmt die Freisetzung von Entzündungsmediatoren aus Mastzellen der Haut sowie aus basophilen und eosinophilen Granulozyten. Tacrolimus wird zur Prophylaxe und Behandlung der Transplantatabstoßung (Niere, Leber) und topisch bei atopischem Ekzem eingesetzt. Sirolimus Sirolimus (Rapamycin) ist ein Makrolid, das vom Actinobacterium Streptomyces hygroscopicus produziert wird. Im Gegensatz zu Ciclosporin und Tacrolimus, welche in die erste Aktivierungsphase von T-Lymphozyten eingreifen, hemmt Sirolimus den zweiten Schritt, nämlich die Signal-Transduktion und die Zellvermehrung. Sonstige Interferone IFN-β vermindert die Produktion von TH1-Zytokinen und die Aktivierung von Monozyten. IFN-γ kann bei Lymphozyten Apoptose auslösen. Antilymphozyten-Globuline: Die polyklonalen tierischen Antikörper werden durch Immunisierung von Tieren mit Zellen des menschlichen Lymphsystems gewonnen. Eine einmalige Injektion führt zu einer ausgeprägten Lymphopenie. Daher werden sie vor allem zur Therapie von Abstoßungsreaktionen verwendet.

Unerwünschte Wirkungen

Die pharmakologische Immunsuppression v.a. nach Organtransplantationen erhöht das Krebsrisiko, insbes. des Hautkrebses. Die Inzidenz von spinozellulären Karzinomen (SCC) steigt bei Nierentransplantationen (s.u. Organtransplantationen und Hauterkrankungen) um das 65-250fache, von Basalzellkarzinomen (BCC) um das 10fache. Karzinome der Haut neigen nach Organtransplantationen zu einem aggressivem Wachstum und zur Metastasierung.

Patienteninformation

Glukokortikoide: Ihre Wirkung beruht vor allem auf einer Hemmung der Gene proinflammatorischer Zytokine. Sie unterdrücken die humorale und die zelluläre Immunantwort. Es werden weniger entzündungsfördernde Interleukine, Interferone und TNF-α freigesetzt. B-Zellen und damit die Antikörperproduktion der Plasmazellen gehemmt. Glukokortikoide werden als Teil einer immunsuppressiven Kombinationstherapie eingesetzt. Antiproliferativa (Azathioprin, Cyclophosphamid, Mycophenolatmofetil): Diese Gruppe von Immunsuppressiva entfaltet ihre Wirkung über eine Drosselung der Purinsynthese. Dadurch hemmt sie die Lymphozyten-Proliferation nach Antigen-Kontakt. Die Präparate werden vor allem als zusätzliche Medikamente zu den Basis-Immunsuppressiva verabreicht. Zu dieser Gruppe gehören u.a.:Glukokortikoide: Ihre Wirkung beruht vor allem auf einer Hemmung der Gene proinflammatorischer Zytokine. Sie unterdrücken die humorale und die zelluläre Immunantwort. Es werden weniger entzündungsfördernde Interleukine, Interferone und TNF-α freigesetzt. B-Zellen und damit die Antikörperproduktion der Plasmazellen gehemmt. Glukokortikoide werden als Teil einer immunsuppressiven Kombinationstherapie eingesetzt. Antiproliferativa (Azathioprin, Cyclophosphamid, Mycophenolatmofetil): Diese Gruppe von Immunsuppressiva entfaltet ihre Wirkung über eine Drosselung der Purinsynthese. Dadurch hemmt sie die Lymphozyten-Proliferation nach Antigen-Kontakt. Die Präparate werden vor allem als zusätzliche Medikamente zu den Basis-Immunsuppressiva verarbreicht. Zu dieser Gruppe gehören u.a.:
  • Azathioprin (Imurek), das in der Transplantationsmedizin seit etwa 40 Jahren angewandt wird.
  • Cyclophosphamid (Endoxan®)
  • Mycophenolatmofetil (MMF, CellCept®). Es wird im Körper zu Mycophenolsäure umgewandelt, das die Lymphozyten-Proliferation und Antikörperbildung hemmt.
  • Mycophenolsäure und Mycophenolatmofetil hemmen spezifisch die aktivierten B- und T- Lymphozyten.
Antikörper Der CD3 Antikörper Muromonab ist ein monoklonaler Antikörper, der spezifisch an das CD3-Antigen der T-Zell-Rezeptoren bindet und ihn deaktiviert. Teilweise kommt es ebenfalls zur T-Zell-Lyse. CD20 Antikörper (Rituximab) CD25 Antikörper (Basiliximab und Daclizumab) blockieren den Interleukin-2-Rezeptor auf aktivierten T-Lymphozyten. Diese Antikörper werden in Kombination mit anderen Immunsuppressiva prophylaktisch bei der Nierentransplantation eingesetzt. TNF-α Antikörper (Infliximab und Adalimumab) neutralisieren TNF-α und unterbinden damit das Ausschütten von IL-1 und IL-6. Sie werden zur Behandlung chronischer Erkrankungen wie der Psoriasis vulgaris, der Psoriasis Arthropathica, bei rheumatoider Arthritis, Morbus Crohn eingesetzt. Zytokinantikörper (Ustekinomab); Ustekinomab ist ein humaner monoklonaler Antikörper, der gegen Zytokine Interleukin-12 (IL-12) und Interleukin-23 gerichtet ist. (IL-23). Makrolide
Calcineurinhemmer (Ciclosporin und Tacrolimus); Calcineurin ist ein Enzym in verschiedenen Körperzellen, unter anderem auch in den Zellen des Immunsystems. Es ist wichtig für die Signalweiterleitung in speziellen Zellen der Immunabwehr (T-Lymphozyten), wenn diese aktiviert sind. Calcineurinhemmer verhindern diese Signalweiterleitung und damit die Aktivierung des Immunsystems:
Ciclosporin: Das aus dem Pilz Tolypocladium inflatum gewonnene Polypeptid Ciclosporin blockiert spezifisch und reversibel die ruhenden Lymphozyten in der G0- oder G1-Phase des Zellzyklus. Die Substanz hemmt die Produktion und Freisetzung von Lymphokinen einschließlich Interleukin-2 oder T-Zell-Wachstumsfaktor. Pimecrolimus: Lipophiles Macrolacatam-Derivat von Ascomycin mit anti-inflammatorischen Eigenschaften. Es ist ein zellselektiver Inhibitor der Produktion und Freisetzung von pro-inflammatorischen Zytokinen. Pimecrolimus bindet mit hoher Affinität an Macrophilin-12 und inhibiert die Calicium-abhängige Phosphatase Calcineurin. Als Folge wird die Synthese von inflammatorischen Zytokinen in T-Zellen blockiert.
Tacrolimus: Stoffwechselprodukt des Pilzes Streptomyces tsukubaensis, das strukturell keine Verwandtschaft zu Ciclosporin aufweist. Die Substanz beeinflusst die zelluläre und humorale Immunantwort. Wie Ciclosporin hemmt Tacrolimus die T-Zell-Aktivierung durch hochaffine Bindung an das Zytosol-Protein FKBP12 (Macrophilin-12). Tacrolimus hemmt die Freisetzung von Entzündungsmediatoren aus Mastzellen der Haut sowie aus basophilen und eosinophilen Granulozyten. Tacrolimus wird zur Prophylaxe und Behandlung der Transplantatabstoßung (Niere, Leber) und topisch bei atopischem Ekzem eingesetzt. Sirolimus (Rapamycin) ist ein Makrolid, das vom Actinobacterium Streptomyces hygroscopicus produziert wird. Im Gegensatz zu Ciclosporin und Tacrolimus, welche in die erste Aktivierungsphase von T-Lymphozyten eingreifen, hemmt Sirolimus den zweiten Schritt, nämlich die Signal-Transduktion und die Zellvermehrung.
Sonstige
  • Interferone
    • IFN-β vermindert die Produktion von TH1-Zytokinen und die Aktivierung von Monozyten.
    • IFN-γ kann bei Lymphozyten Apoptose auslösen.
Antilymphozyten-Globuline: Die polyklonalen tierischen Antikörper werden durch Immunisierung von Tieren mit Zellen des menschlichen Lymphsystems gewonnen. Eine einmalige Injektion führt zu einer ausgeprägten Lymphopenie. Daher werden sie vor allem zur Therapie von Abstoßungsreaktionen verwendet.

Literatur
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  1. Rangwala S et al. (2011) Roles of the immune system in skin cancer. Br J Dermatol 165:953-965
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Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 20.11.2017