Immunität, erworbene

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

adaptive; erworbenes; erworbenes Immunsystem; Immunität; Immunsystem; spezifisches; spezifisches Immunsystem

Definition

System erworbener, antigenspezifischer humoraler (z.B. Antikörper) und zellulärer Abwehrmechanismen (z.B. Lymphozyten), die bei der Abwehr eines eingedrungenen Pathogens eingesetzt werden. Diese Reaktionsform führt zum immunologischen Gedächtnis.

Allgemeine Information

Die erworbene Immunität wird v.a. durch T- und B-Lymphozyten vermittelt. Jede Zelle trägt dabei im ungeprägten Zustand nur Rezeptoren einer einzigen Spezifität, die sich von allen anderen Zellen unterscheidet. Die dafür benötigte Vielfalt an Rezeptoren wird durch einen genetischen Mechanismus erreicht, der während der Entwicklung dieser Zellen im Knochenmark und im Thymus abläuft. Dabei entsteht die variable Region der Rezeptoren durch die in jeder Zelle individuelle Kombination der sogenannten V-, D- und J-Gensegmente (somatische Rekombination; V = "variety"; D = "diversity"; J = "joining"). Bei der konsekutiven somatischen Selektion werden autoreaktive Lymphozyten eliminiert und relevante Effektorzellen ausgewählt. Die erworbene Immunität bringt somit eine immense Zahl an Rezeptorvariationen hervor, die nicht auf einer Zelle kombiniert werden (s. hierzu u. Immunität, angeborene). Die Aktivierung der antigenpräsentierenden Zellen (APs) benötigt außerdem verschiedene kostimulierende Faktoren. Die Induktion dieser Faktoren erfolgt erst nach Erkennung bestimmter molekularer Muster (s.u. PAMPs = pathogen associated molecular patterns) durch entsprechende Rezeptoren (s.u. PRRs = pattern recognition receptors). Diese Rückkopplung bei der angeborenen Immunität scheint eminent wichtig für die Vermeidung von Immunität gegen Autoantigene und nichtpathogene Umweltantigene zu sein. Wahrscheinlich sind Autoimmunkrankheiten und Allergien zum Teil auf Störungen dieser Mechanismen zurückzuführen. Die Antigenpräsentation auf MHC-II-Molekülen (MHC = "major histocompatibility complex" oder Haupthistokompatibilitätskomplex) und die gleichzeitige Expression kostimulierender Moleküle bewirkt die Aktivierung und klonale Proliferation der zu diesem Antigen passenden nativen CD4-T-Lymphozyten, die für die Aktivierung der B-Zellen, der CD8-T-Lymphozyten und von Makrophagen notwendig sind. Bei der Beendigung von Immunantworten spielt der aktivierungsinduzierte Zelltod (AICD - s. u. Apoptose) eine wesentliche Rolle.

Hinweis(e)

Neben den "klassischen Zellen" des Immunsystems, gewinnen Signale der Gewebszellen wie z.B. Keratinozyten in der lokalen Modulation einer Immunantwort eine zunehmende Bedeutung. Keratinozyten sind z.B. eine der Hauptquellen für proinflammatorische Zytokine (z.B. IL-1-alpha, IL-1-beta, TNF-alpha; s.u. Interleukine) und immunmodulierende Zytokine der Haut (IL-6, IL-12, IL-15, IL-18), die auch auf unspezifische Stimulation wie irritative traumatische oder solare Reize (s.u. UV-Strahlen) sezerniert werden. Keratinozyten treten über die Expression von bestimmten Oberflächenmolekülen (MHC II, ICAM-1, CD40) mit Lymphozyten in Kontakt. Dies ist die Initialzündung für die Invasion von Lymphozyten in die Haut ( Epidermotropie), ein Phänomen das bei der Ekzemreaktion zum histologischen Bild der Spongiose führt.

Literatur
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  1. Averbeck M et al. (2007) Immunologische Grundlagen der Allergien. JDDG 5: 1015-1028

Verweisende Artikel (4)

Apoptose; Immunität; Komplementsystem; PAMP;
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