Immundefektsyndrom variables D83.0, D83.1, D83.2 , D83.8, D83.9

Synonym(e)

Variables Immundefektsyndrom, Common Variable Immunodeficiency, CVID, Antikörpermangelsyndrom, variables Immundefizienzsyndrom,

Definition

Seltener, angeborener (primärer) Immundefekt, der gekennzeichnet ist durch einen Immunglobulin G – Mangel. 

Vorkommen/Epidemiologie

Die Prävalenz des variablen Immundefektsyndroms wird  auf 1:25.000 Personen geschätzt (Angaben variieren zwischen 1:10.000 und 1:100.000).

Ätiopathogenese

Die Ursache der Erkrankung ist unbekannt. Wahrscheinlich handelt es sich nicht um eine Entität sondern um eine heterogene Gruppe verschiedener einzelner Krankheiten.  In Einzelfällen wurden Mutationen im TNFRSF13B-Gen auf Chromosom 17 Genlocus p11.2 nachgewiesen. Einzelne Gendefekte sind beschrieben. Die Mutationen betreffen u.a. costimulatorische Moleküle der B Zellreihe (CD 19,  CD 81, TA CDI, BA SF-1).

Manifestation

Bei der Altersverteilung zum Zeitpunkt der Diagnosestellung gibt es zwei „Gipfel“: Die frühe Form wird meist im Kleinkindalter festgestellt, die späte Form im jungen Erwachsenenalter. w:m = 1:1

Effloreszenz(en)

Papel, Plaque, Ulcus, Krusten,  

Klinisches Bild

Im Gegensatz zu vielen anderen "primären Immunmangelsyndromen" wird eine CVID häufig erst im Erwachsenenalter, mehrheitlich zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr diagnostiziert mit einer typischen Latenz zwischen Erstmanifestation und Erstdiagnose von etwa 4 Jahren.

Die betroffenen Patienten leiden meist an einer Häufung von bakteriellen Infekten v.a. der Atemwege.  Weiterhin: Störungen des Magen-Darm-Trakts (Durchfall etwa 1/3 der Patienten, Malabsorption),  chronische Atemwegserkrankungen (Bronchiektasien), Veränderungen lymphatischer Gewebe  (Hepato-Splenomegalie), Thymome und maligne Lymphome.

Die klassischen Frühwarnsymptome der CVID wurden unter dem Akronym “ELVIS” zusammengefasst. Sie gelten auch für erworbene Immunmangelsyndrome (s.u. HIV-Infektion):

  • Erreger: Infektionen  durch opportunistische Keime (z.B. Pneumocystis spp, s. opportunistische Infektionen)
  • Lokalisation: Atypische Lokalisation von Infektionsherden (z.B. Hirnabszess durch Aspergillus spp.)
  • Verlauf: Ungewöhnlich schwere oder ungewöhnlich rezidivierende Infektionen.
  • Intensität: Ungewöhnlich schwer verlaufende Infektionen (z.B. schwere therapieresistente Pyodermie, ungewöhnliche Cytomegalie- oder Zoster-Infektion der Haut)
  • Summe der Infektionen: Für Kleinkinder gilt > 8 Minorinfektionen/Jahr, bei Erwachsenen gilt >3 länger als 4 Wochen sich hinziehende bakterielle Infektionen.  

Weiterhin werden Autoimmunphänomene beobachtet wie: reaktive Arthritiden, Immunthrombozytopenie (ca. 20% der Pat.), autoimmunhämolytische Anämie, perniziöse Anämie (ca. 10% der Pat.)

Die Hauterscheinungen sind vielgestaltig und lassen sich nicht einer bestimmten Gruppe zuordnen:

  • Im Vordergund stehen „atypisch“ verlaufende Infekte (s.a. ELVIS), die eine gestörte Immunsituation vermuten lassen.  
  • Regelmäßig beobachtet werden meist generalisierte, nicht-infektiöse granulomatöse (Sarkoidose-artige) Hauterscheinungen, die auch in anderen Organen auftreten können.
  • Weiterhin:

 

Labor

Serumelektrophorese  mit Verminderung der Gamma-Globulin-Fraktion.  Weiterhin ist eine quantitative Bestimmung der Immunglobuline durchzuführen: IgG < 3 g/l. IgA und IgM ebenfalls häufig vermindert.

Diagnose

S.u. Klinik und Labor. Ein nachgewiesener IgG-Mangel im Zusammenhang mit klinischer Immundefizienz-Symptomatik ist diagnostisch.  

Differentialdiagnose

Alle erworbenen Immunmangelsyndrome können zu analogen "reaktiven" Veränderungen an der Haut führen. Insofern sind die beschriebenen Hautveränderungen für eine CVID nicht beweisend, sondern sind als klinische Leitsymptome der allg. Immundefizienz zu betrachten (s.a. Immundefekte).     

Differenzialdiagnostisch auszuschließen  sind:

Therapie

Prophylaxe

Beachtung allgemeiner hygienischer  Maßnahmen mit regelmäßiger Händedesinfektion, sorgfältiger Zahnpflege, Einsatz einer frühen Lokaltherapie bei V.a. Infekte der oberen Atemwege.

Hinweis(e)

Cave: Lebendimpfungen sind kontraindiziert. Unter Immunglobulin-Substitution besteht ein guter Passivschutz gegen Tetanus und Diphtherie.

Literatur

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  9. Sillevis Smitt JH et al. (2013) Cutaneous manifestations of primary immunodeficiency. Curr Opin Pediatr 25:492-197

 

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Zuletzt aktualisiert am: 20.11.2017