HIV-Infektion, HIV-Corezeptor-Tropismus

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Coreceptor tropism; Corezeptor-Tropismus

Allgemeine Information

  • Neben CD4-Rezeptoren benötigen HI-Viren die Interaktion des viralen Envelope-Proteins mit sekundären zellulären Rezeptoren an der Oberfläche von Zielzellen. Diese Interaktionen triggern die Membranfusion der Membranen des HI-Virus mit der Membran der Zielzelle. In vivo sind insbes. die Corezeptoren CCR5 und CXCR4 von Bedeutung. Sie sind jeweils nach ihren natürlichen Liganden benannt. Für Corezeptor CCR5 sind die Liganden CC-Chemokine (MIP) und RANTES, für den CXCR4-Corezeptor ist es das CXC-Chemokin SDF-1. HIV-Stämme werden R5-Stämme genannt, wenn sie zum Eintritt in die Zelle CCR5-Rezeptoren nutzen, bzw. X4-Stämme, wenn sie die Zelle über CXCR4-Rezeptoren befallen. Dualtrope Stämme sind demnach HIV-Stämme, die beide Corezeptoren zum Befall einer Wirtszelle nutzen können. Sie werden als D/M-Stämme bezeichnet.
  • R5-Stämme befallen bevorzugt aktivierte CD4-Zellen und Makrophagen. X4-Stämme befallen außerdem naive und ruhende T-Zellen.
  • Reine X4-Stämme werden bislang nur selten beobachtet, überwiegend sind R5-Stämme beschrieben worden, weniger häufig auch dualtrope HIV-Stämme. Laut Studienlage kann angenommen werden, dass bei therapienaiven Patienten ca. 80-90% R5-Stämme vorliegen.
  • Der Wechsel des Tropismus von R5 bzw. D/M hin zu X4 ist häufig assoziiert mit stark verminderten CD4-Zellzahlen und Krankheitsprogression. Die Plasmavirämie hingegen ist bei D/M-Stämmen und R5-Stämmen ähnlich hoch.
  • Bei HIV-Patienten mit Therapieerfahrung beträgt der Anteil der R5-Stämme 50-60%, daher ist vor Therapie mit Entry-Inhibitoren eine Tropismus-Testung durchzuführen.
  • Patienten mit nicht progredienter HIV-Erkrankung zeigen überwiegend R5-Virenstämme.

Weiterführende Artikel (3)

Entry-Inhibitoren; HIV-Infektion; Tropismus-Testung;
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