Herpes simplex recidivans B00.8

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

cold sore; Ekelbläschen; Fieberbläschen; Herpes febrilis; Herpesfollikulitis; Herpes simpex genitalis; Herpes simplex labialis; Hidroa febrilis; recurrent herpes simplex virus infection; Reizbläschen

Definition

Häufigste Manifestation einer Herpes-simplex-Virus-Infektion (meist Rezidiv) an Haut oder Schleimhaut in Form von meist chronisch-rezidivierenden Eruptionen gruppiert stehender, stecknadelkopfgroßer Bläschen.

Ätiopathogenese

Provozierende Faktoren der Rezidive von Herpes simplex-Infektionen sind fieberhafte Infekte, UV-Exposition, psychische und physische Stresssituationen, lokale Traumen, Menstruation.

Lokalisation

  • Lokalisiert:
    • Lippe (häufigste Lokalisation) : Herpes simplex labialis 
    • Genitalbereich: Herpes simplex genitalis
    • Andere Lokalisationen: Wange, Gesäß; Perianalbereich; Finger.  
  • Generalisiert:

Klinisches Bild

  • Prodromi in Form von Juckreiz, Spannungsgefühl, evtl. Schmerzen und unterschiedlich stark ausgeprägter, lokaler Schwellung, z.B. Lippenschwellung bei Herpes labialis.
  • Aufschießen gruppiert stehender, teilweise konfluierender, praller, stecknadelkopfgroßer Bläschen auf gerötetem Grund.
  • Die Größe der gesamten Hautveränderung beträgt meist 0,5-2,0 cm, die Begrenzung ist polyzyklisch.
  • Eitrige Eintrübung der Bläschen innerhalb von 2-4 Tagen, nach Platzen bleiben honiggelbe Krusten zurück. Abheilung nach ca. 1 Woche, meist narbenlos.
  • Nach schweren Infektionen bleiben evtl. kleine, eingezogene Narben.
  • Nicht selten begleitende, schmerzhafte regionale Lymphadenopathie.
  • Rezidive treten in individuellen, sehr unterschiedlichen Perioden häufig an der selben oder einer benachbarten Stelle der selben Region auf (Herpes recidivans in loco).
  • In seltenen Fällen (beschrieben bei Immunsupprimierten) kann eine Herpes simplex Infektion der Haut auch als klinisch uncharakteristische follikuläre Entzündung "Herpesfollikulitis" auftreten.
  • Immunsuppression: eine HSV-Reaktivierung kann in dieser Konstellation zu ausgedehnten, schlecht heilenden Haut - und Schleimhautinfektionen führen, möglicher extrakutaner Organbefall.      

Histologie

Ballonierende Degeneration der Keratinozyten mit Ausbildung großer Kerne. Intraepidermale, suprabasale Bläschenbildung mit Leukozyten im Blasenlumen und multinukleären Riesenzellen am Blasengrund. Evtl. eosinophile virale Kerneinschlüsse.

Differentialdiagnose

Komplikation

  • aufgepfropfte Pyodermie in loco.
  • Ausbildung von schlecht heilenden Ulzera oder Hämorrhagien bei zugrunde liegendem Immundefekt.
  • bei schwerer Immundefizienz extrakutaner Organbefall möglich. Selten ist die potenziell letal verlaufende Herpes-Enzephalitis. 
  • Nach häufigen jahrelangen Rezidiven ist die Ausbildung eines sekundären Lymphödems möglich ( Elephantiasis nostras).

Therapie

Interne Therapie

Verlauf/Prognose

Im Gegensatz zu zu der häufig unbemerkt verlaufenden Primärinfektion ist die rezidivierende HSV-Infektion ein häufiges, meist wenig spektakuläres klinisches Ereignis (Hinweis: die Erstinfektion kann auch, meist im Kindesalter als klinisch schwer verlaufende Gingivostomatitis herpetica in Erscheinung treten!). Die Zahl der Rezidive schwankt intraindividuell erheblich, von wenigen Infektionsperioden im Leben, 3-4 im Jahr (dies ist die am häufigsten vorkommende  Periodik), bis zu monatlichen oder halbmonatlichen Episoden.     

Prophylaxe

  • Vermeidung der bekannten Triggerfaktoren (z.B. übermäßige UV-Exposition; beim Skifahren im Hochgebirge empfiehlt sich die Anwendung eines physikalischen Lichtschutzes mit höchstem Lichtschutzfaktor)
  • Bei Auftreten eines Rezidivs sind die allg. Hygienmaßnahmen (Händedesinfektion) zu beachten
  • Direkter Hautkontakt mit einer Herpesläsion sollte vermieden werden
  • Bei den ersten Zeichen eines Rezidivs konsequente "antiherpetische" Lokatherapie
  • Allg. gebräuchliche Verfahren wie Zahnpasta, Alkohol oder Essig sind wenig hilfreich.  
  • Bei engmaschiger  Rezidivhäufung ist an eine systemische Dauertherpaie zu denken

Naturheilkunde

Lokaltherapie: Gute Erfolge wurden in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten klinischen Studie an 66 Patienten mit einer Melissencreme (4mal/Tag über 5 Tage) beschrieben (s.u. Phytotherapie, s.u. Zitronenmelisse).

 

Phytotherapie extern

Phytotherapie intern

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Kimmig W (1989) Herpes-simplex-Infektionen. Z Hautkr 64: 266-271
  2. Klammer M et al. (2003) Acyclovir-resistant herpes exulcerans et persistens. Type II. Hautarzt 54: 362-364
  3. Koytchev R et al. (1999) Balm mint extract (Lo-701) for topical treatment of recurring herpes labialis. Phytomedicine 6: 225-230
  4. Long D et al. (2014) Identification of novel virus-specific antigens by CD4⁺ and CD8⁺ T cells from asymptomatic HSV-2 seropositive and seronegative donors. Virology 464-465:296-311

  5. Simmons A (2002) Clinical manifestations and treatment considerations of herpes simplex virus infection. J Infect Dis 186: S71-77

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