Herpes genitalis

Zuletzt aktualisiert am: 13.08.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Balanoposthitis herpetica; Genitalherpes; Herpes der glans penis; Herpes der Schamlippen; Herpes der Vulva; Herpes des Penis; Herpes simplex genitalis

Definition

Unter dieser Bezeichnung werden sowohl eine Primärinfektion als auch Rezidivinfektionen durch Herpes simplex-Viren im Bereich der Genitalien subsummiert. Mehrere Krankheitsbilder fallen darunter:

Ätiopathogenese

Der größte Teil der Infektionen (80-90%)ist auf HSV-2 zurückzuführen. Infektionen mit HSV-1 sind zunehmend (Mathew R et al. 2018). Die häufigsten Manifestationen sind die Vulvovaginitis herpetica und die Balanitis (Balanoposthitis) herpetica.

Die Primärinfektionen des Herpes genitalis verlaufen in 2/3 der Fälle asymptomatisch. Bei einem symptomatischen Verlauf kommt es nach einem kurzen Prodromalstadium zu einem akuten Krankheitsbild mit Allgemeinsymptomatik: Unwohlsein, Fieber, mäßig schmerzhafte regionale Lymphadenitis. Am Ort der Infektion entwickeln sich schmerzende gruppierte Bläschen auf erythematösem Grund. Die Bläschen platzen oder sie trüben sich eitrig ein. Im Hautbereich kommt es anschließend zur Krustenbildung und Abheilung. Im Schleimhautbereich entwickeln sich keine Krusten. Die Abheilung erfolgt über erosive Läsionen, die narbenlos epithelisieren.

Die primäre Vulvovaginitis herpetica macht sich nicht selten durch Dysurie und Miktionsbeschwerden bemerkbar.

Der rezidivierende Herpes genitalis verläuft klinisch sehr viel leichter als die Primärinfektion, häufig auch unbemerkt. Patienten mit einer HSV-2 induzierten Virusinfektion entwickeln häufiger Rezidive als HSV-1-Infizierte (5xjährlich/1xjährlich).

Leichte Prodromi wie bei einem interkurrenten grippalen Infekt können auftreten. Viele Frauen bemerken das Rezdiv überhaupt nicht. Die gruppierte Bläschenbildung ist von einer leichten brennenden Schmerzsymptomatik begleitet. Lymphadenitis kann vorhanden sein aber auch fehlen. Frauen mit einem dokumentierten rezidivierenden genitalen Herpes simplex weisen in einem hohen Prozentsatz asymptomatische Virusausscheidungen auf.

Komplikation(en)

Bei HIV-Infizierten kann es bei HSV-2-Infektion zu Koinfektionen mit Cytomegalieviren kommen. Klinisch äußeren sich derartige duale Infektionen in therapieresistenten Ulzera im Genitalbereich (Rawre J et al.2018).

Interne Therapie

Primärinfektion:

  • In schweren Fällen systemische Therapie mit Aciclovir (Zovirax 200) 5mal/Tag 1 Tbl. alle über 5-10 Tage. Eine orale Therapie ist zumeist ausreichend (Milpied B et al. 2019).
  • Alternativ: Aciclovir 400mg p.o. 3x tgl. über 7-10 Tage
  • Alternativ: Ggf. kann eine intravenöse Therapie mit Aciclovir erwogen werden (Aciclovir 5 mg/kg KG 3mal/Tag alle 8 Stunden über 5 Tage).
  • Alternativ: Valciclovir: 500-1000mg p.o./2x/Tag über 5-10 Tage.
  • Famciclovir: 250mg p.o. 3x/Tag über 5-10 Tage.
  • Patienten mit Immunsuppression: Aciclovir 400mg 4x/Tag oder Zovirax 800mg 5mal/Tag.

Rezidiv:

  • Systemische Therapie mit Aciclovir (Zovirax 200) 2mal/Tag 1 Tbl. über 5-10 Tage. Eine orale Therapie ist zumeist ausreichend.
  • Alternativ: Aciclovir 800mg p.o. 3x tgl. über 2 Tage
  • Alternativ: Valciclovir: 500mg p.o./2x/Tag über 3-5 Tage (Milpied B et al. 2019).
  • Famciclovir: 125mg p.o. 2x/Tag einmalig

Rezidivprophylaxe:

  • Systemische Therapie mit Aciclovir (Zovirax 400) 2mal/Tag
  • Alternativ: Valciclovir: 500mg p.o./1x/Tag
  • Famciclovir: 250mg p.o. 2x/Tag
  • Üblicherweise wird eine Rezidivprophylaxe über Monate bis Jahre durchgeführt. Sie ist bei 80% der Betroffenen erfolgreich, die Rezidive reduzieren sich signifikant. Periodisch sind Therapiepausen einzulegen um das Rezidivverhalten zu kontrollieren.

Prophylaktische Therapie während der Schwangerschaft:

  • Bei Frauen mit einer Primärinfektion oder Redivinfektion während der Schwangerschaft kann ab der 36. WA (weeks' amenorrhoea) prophylaktisch bis zur Geburt therapiert werden:
  • Aciclovir : 400mg/Tag p.o.
  • Alternativ: Valciclovir 500mg/Tag p.o.

Hinweis: Nicht bewiesen ist ein positiver Effekt einer suppressiven Dauertherapie mit Nukleosidanaloga auf das Risiko des Säuglings an einem neonatalem Herpes zu erkranken (Milpied B et al. 2019).

 

Literatur
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  1. Harfouche M et al. (2019) Herpes simplex virus type 1 epidemiology in Africa: Systematic review, meta-analyses, and meta-regressions.J Infect pii: S0163 4453.
  2. Itzhaki RF (2017) Herpes simplex virus type 1 and Alzheimer's disease: possible mechanisms and signposts. FASEB J 31:3216-3226.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28765170
  3. Mathew R et al. (2018) Herpes Simplex Virus 1 and 2 in Herpes Genitalis: A Polymerase Chain Reaction-Based Study from Kerala.Indian J Dermatol 63:475-478.
  4. Milpied B et al. (2019) Diagnostic and therapeutic recommendations for sexually transmitted diseases: Genital herpes.Ann Dermatol Venereol 146:31-36.
  5. Rawre J et al.(2018) Herpes simplex virus type 2 and cytomegalovirus perigenital ulcer in an HIV infected woman.Indian J Med Microbiol 36:441-443.

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Candidose vulvovaginale;

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