Hauttransplantation, fehlerhafte

Zuletzt aktualisiert am: 15.05.2014

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Allgemeine Information

  • Zu den wichtigsten Methoden in der operativen Dermatologie zählen neben Nahlappenplastiken freie Hauttransplantationen zur Deckung von Exzisionsdefekten.
  • Unterschieden wird je nach Lappendicke zwischen einem Vollhauttransplantat und einem Spalthauttransplantat. Stellt man die Frage nach den wichtigsten Indikationen zur freien Hauttransplantation, so ist generell zu berücksichtigen, dass ein geeignetes Transplantatbett vorhanden sein muss und der zu deckende Hautdefekt entweder aufgrund seiner Ausdehnung, Lokalisation oder technischen Aufwendigkeit für ein anderes operatives Verfahren nicht geeignet erscheint (Abb. 1).
  • Ursachen für ein ungeeignetes Transplantatbett sind eine mangelhafte Gefäßversorgung, wie etwa bei freiliegendem Knorpel (fehlendes Perichondrium), Sehnen, Kortikalis, traumatisch geschädigtes Gewebe durch Quetschung, Verbrennung oder Strahlen.
  • Verbrennungsnekrosen müssen vor der Transplantation bis in vitale Schichten entfernt werden. Im Falle von Strahlenschäden ist die gesamte fibrös indurierte Gewebeschicht zu resezieren. Regionale arterielle bzw. venöse Insuffizienz und Systemerkrankungen schließen die freie Transplantation in vielen Fällen aus.
  • Die Lokalisation des Empfängerbettes ist zu berücksichtigen. So eignen sich Wangen- und Perioralregion nicht für freie Transplantate (Abb. 2 a, b). Überbrückt zum Beispiel ein Transplantat Bereiche stärkerer mimischer Beanspruchung und ein durch Muskelbewegung kaum aktiviertes Hautareal, wie am Übergang der seitlichen Nase zur Wange, so ist mit Transplantatnekrosen, Narbenschrumpfungen und Gewebehypertrophie zu rechnen.
  • Die Auswahl, ob Vollhaut, Spalthautlappen unterschiedlicher Dicke oder Meshgrafts zur Wundabdeckung verwendet werden sollen, richtet sich nach der jeweiligen Indikation. Da die unterschiedliche Dicke der Transplantate über die spätere Funktion, Struktur und Pigmentierung entscheidet, ist diese ein wesentlicher Gesichtspunkt in der Operationsplanung (Abb. 3, 4, 5). Dünne Spalthautlappen sind gegenüber dem Empfängerbett am wenigsten anspruchsvoll. Sie hinterlassen am Entnahmeort kaum Spuren, haben aber den Nachteil, sekundären Schrumpfungen unterworfen zu sein (Abb. 6, 7). Mitteldicke Spalthaut führt am Entnahmeort oft zu hypertrophischen Narben, ist jedoch kaum sekundären Kontraktionen unterworfen. Dünne Spalthaut wird hauptsächlich in der Verbrennungschirurgie und an Orten geringer Beweglichkeit eingesetzt, während mitteldicke Spalthaut in Bezirken stärkerer Beanspruchung und bei Kindern günstig ist.
  • Die freie Vollhaut ist hinsichtlich der Durchblutung des Empfängerareals, der Ruhigstellung sowie der aufgezwungenen Spannung am anspruchvollsten. Ursachen der Nichteinheilung von Transplantaten sind Hämatome, ungenügende Fixierung und Infektionen. Bedacht werden muss, dass Vollhauttransplantate ihre, der Donorstelle entsprechenden Eigenschaften beibehalten (Abb. 8, 9, 10).
  • Bei der Wahl einer geeigneten Entnahmestelle sollte man sowohl an die Augenfälligkeit der entstehenden Narbe, als auch an den Farbton des Transplantates denken. Vollhaut lässt sich aus fast allen Körperregionen gewinnen, einschließlich Kopfhaut und Extremitäten. Ist kein übermäßiger Bedarf an Haut erforderlich, können Transplantate von der lateralen Gesäßseite innerhalb der Grenzen eines üblichen Badeanzuges entnommen werden. Haut der unteren Extremität sollte nicht für eine Gesichttransplantation verwendet werden. Hierfür eignet sich eher die laterale Halsregion, die Retroaurikularregion oder die supraklavikuläre Haut. Den besten kosmetologischen Effekt besitzt in diesem Fall die dünne Lidhaut oder präaurikulär entnommene unbehaarte Vollhaut, vor allem für Defektdeckungen knorpel- oder knochengestützter Gewebe (Nase, Ohrmuschel). Für kleinere Vollhauttransplantate zur Deckung eines Defektes an der Fingerkuppe wird als Spenderregion die Innenseite des Oberarms bzw. die Handgelenk- oder Ellenbeugenregion bevorzugt.
  • Nach operativer Entfernung eines in der Schnittnarbe entstandenen Keloids und Deckung des Defektes mittels freier Spalthaut, kann sich auch in der vorschriftsmäßig geführten Nahtlinie und trotz eines störungsfrei eingeheilten Transplantats ein Rezidiv entwickeln. Charakteristische Prädilektionsstellen für Keloide sind Schulter-, Sternalregion, Ohrmuschel und Nackengegend, insbesondere aber der Halsausschnittbereich bei jungen Frauen.
  • Bei Spalt- und Vollhautlappen können dort, wo aufgrund der Unebenheiten der Wundbasis eine erhöhte Gefahr von Hämatombildungen besteht, Drainagelöcher durch Transplantatinzisionen angelegt werden. Über bereits epithelisiertem Wundbett wachsen Transplantate nicht an. Seitenverkehrtes Auflegen der Spenderhaut, starke Gewebetraumatisierung oder zu dick bzw. zu dünn geschnittenen Haut führt zu Misserfolgen. Wenn ein Eingriff lymphknotennah erfolgt, ist mit Serombildung zu rechnen. Eine Lymphorrhoe, die wochenlang bestehen kann, muss drainiert und von außen komprimiert werden.
  • Wird auf einen Ersatz von Hautdefekten verzichtet, können Funktionsbeeinträchtigungen die Folge sein. Der einer sekundären Heilung überlassene Defekt führt häufig zu hypertrophen Narbenbildungen. Narbenschrumpfungen weisen je nach Lokalisation unterschiedliche Schweregrade auf. Verzichtet man beispielsweise nach Tumorexzision im Nasenflügelbereich auf eine Defektdeckung, so verzieht sich infolge narbiger Gewebeschrumpfung der Nasenflügelrand nach cranial mit den Folgekomplikationen einer Nasenschiefstellung und Behinderung der Nasenatmung (Abb. 11 a, b).

Literatur
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  1. Diem E (1984) Fehler und Komplikationen bei freien Hauttransplantationen. In: Konz B, Braun-Falco O (Hrsg) Komplikationen in der operativen Dermatologie. Springer, Berlin Heidelberg New York, S 83-6
  2. Kaufmann R, Podda M, Landes E (2005) Dermatologische Operationen. Farbatlas und Lehrbuch der Hautchirurgie. Thieme, Stuttgart New York
  3. Rudolph R, Fisher JC, Ninnemann JL (1989) Hauttransplantationen. Thieme, Stuttgart New York
  4. Schulz H (1988) Operative Dermatologie im Gesicht. Praxisfähige Eingriffe. Diesbach, Berlin
  5. Sebastian G (1988) Funktionelle und ästhetische Spätergebnisse nach operativer Behandlung von Unterlippentumoren. In: Haneke E (Hrsg) Gegenwärtiger Stand der operativen Dermatologie, Fortschritte der operativen Dermatologie, Bd. 4. Springer, Berlin Heidelberg New York, S 108-121
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