Hämorrhoiden I84.9

Zuletzt aktualisiert am: 15.05.2014

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Definition

Weiche, knoten- oder kissenförmige Gefäßerweiterungen am Anus, im Analkanal und unterem Rektum. Deutliche Füllung und Vergrößerung bei Erhöhung des intraabdominalen Druckes.

Einteilung

Klassifikation nach Schweregrad und Symptomen:
  • Grad I: Hämorrhoiden sind nur proktoskopisch erkennbar; kirschrote knotenförmige Vorwölbung der Mukosa; Erweiterung des Gefäßschwammes durch Oberflächeneinrisse während der Defäkation; rezidivierende Blutungen (hellrot auf den Stuhl aufgelagert); keine Schmerzen.
  • Grad II: Hämorrhoiden prolabieren beim Pressen, anschließend Retraktion; Schmerzen und Blutung bei Defäkation.
  • Grad III: Die Hämorrhoiden sind prolabiert, aber manuell reponierbar. Beginnende Inkontinenz, geringe Blutung bei der Defäkation, Pruritus und Schmerzen.
  • Grad IV: Die Hämorrhoiden sind prolabiert und fixiert und nicht mehr reponierbar. Keine oder nur geringe Blutung. Oft tritt starke Schmerzhaftigkeit auf.

Ätiopathogenese

Hereditäre Disposition. Diskutiert werden vor allem eine Hyperplasie des arteriell gespeisten anorektalen Schwellkörpers oder eine venöse Verursachung wie portale Hypertension, Stauungen im kleinen Becken und unterem Pfortaderbereich. Prädisposition bei chronischer Obstipation, Laxantienabusus, erhöhtem Sphinktertonus, Bewegungsarmut, ballaststoffarmer oder fettreicher Ernährung, Schwangerschaft, Stress, Alkoholabusus. Diese führt zu einer überhöhten Belastungssituation des Beckenbodens.

Manifestation

Hämorrhoiden sind bei 70% der > 30-jährigen Erwachsenen proktoskopisch nachweisbar. Gehäuft in Industrieländern. Altersgipfel: 50.-70. LJ.

Lokalisation

Prädilektionsstellen in Steinschnittlage: bei 3, 7 und 11 Uhr.

Klinisches Bild

Peranale Blutungsereignisse. Die spontane Hämorrhoidalblutung entstammt den arteriolären Versorgungsgefäßen und wird deshalb häufig als spritzende, hellrote Blutung wahrgenommen. Entzündungszustände des Anoderms, Störungen der analen Feinkontinenz, Juckreiz, intraanales Druck- oder Fremdkörpergefühl evtl. mit Stuhlentleerungsstörungen, Prolapssituationen können auftreten. Seltener sind mehrminütige krampfartige Schmerzen im Enddarm.

Merke! Hinter jeder rektalen Blutung kann ein Darmtumor stecken!

Differentialdiagnose

Hämorrhoidalvenenthrombose, akute; Marisken; Analpapille hypertrophe; Rektumadenom, prolabierendes.

Therapie

Prophylaxe

Ausgewogene ballaststoffreiche Ernährung (z.B. Müsli, Vollkornbrot, Obst und Gemüse), Regelmäßige Bewegung, Sport. Verzicht auf Abführmittel, ggf. Leinsamen oder Milchzucker verwenden. Bei Beckenbodenschwäche: Gymnastikübungen für Beckenboden- und Gesäßmuskulatur. Intimhygiene (z.B. Reinigung mit einem feuchten, aber seifenfreien, weichen Toilettenpapier nach dem Stuhlgang).

Tabellen

Therapie des Hämorrhoidalleidens (modifiziert nach Stein)

Stadium

Therapie

Hämorrhoiden I°

1. Wahl

Sklerosierung oder Infrarotkoagulation

2. Wahl

Analtampons und konservative Therapie mit lokal entzündungshemmenden und analgetischen Salben oder Suppositorien (z.B. DoloPosterine N, LidoPosterine)

Begleitend

Stuhlregulierung

Hämorrhoiden II°

1. Wahl:

Sklerosierung oder Infrarotkoagulation

2. Wahl

Gummiringligatur (Barron)

3. Wahl

Operation

Begleitend

Stuhlregulierung

Hämorrhoiden III° und IV°

1. Wahl

Hämorrhoidektomie evtl. mit Plastik

2. Wahl

Sklerosierung (evtl. 1-2mal zur Erleichterung)

3. Wahl

Gummiringligatur und Sklerosierung

Zudem bei stark erhöhtem Sphinktertonus evtl. Sphinkterotomie

Laxansverbot! Wenn Abführmittel eingesetzt werden müssen, vorzugsweise Füll- und Quellmittel für kurze Zeit (z.B. Leinsamen). Bei ausgeprägten Beschwerden Lokalanästhetika in verschiedenen Zubereitungsformen (z.B. Xylocain Salbe, LidoPosterine Salbe, LidoPosterine Hämotamp)

Literatur
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  1. Ashraf S et al. (2003) Stapled haemorrhoidectomy: a novel procedure. Hosp Med 64: 526-529
  2. Balasubramaniam S et al. (2003) Management options for symptomatic hemorrhoids. Curr Gastroenterol Rep 5: 431-437
  3. Cheetham MJ et al. (2003) A randomized, controlled trial of diathermy hemorrhoidectomy vs. stapled hemorrhoidectomy in an intended day-care setting with longer-term follow-up. Dis Colon Rectum 46: 491-497
  4. Goulimaris I et al. (2002) Stapled haemorrhoidectomy compared with Milligan-Morgan excision for the treatment of prolapsing haemorrhoids: a prospective study. Eur J Surg 168: 621-625
  5. Johannsson HO et al. (2002) Long-term results of haemorrhoidectomy. Eur J Surg 168: 485-489
  6. Muller-Lobeck H (2001) Ambulatory hemorrhoid therapy. Chirurg 72: 667-676

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