Haartransplantation

Zuletzt aktualisiert am: 15.05.2014

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Eigenhaartransplantation

Definition

Verpflanzung autologer, haartragender Haut in haarlose Bezirke. Prinzip: Nach Verpflanzung haartragender Vollhaut in ein alopezisches Empfängerareal bleibt die genetische Information der transplantierten Gewebezellen zur Haarbildung erhalten (z.B. im Bereich des Haarkranzes); Haarwurzeln verlieren ihre ursprünglichen Eigenschaften nicht (Spenderdominanz) und produzieren auch am Transplantationsort weiter neue Haare.

Indikation

Narbige Alopezien (atrophisierende Entzündungen der Kopfhaut, Verletzungen, Verbrennungen, Dauerzug, Strahlenschäden), androgenetische Alopezie des Mannes (Norwood I-VII) und Alopecia androgenetica bei der Frau. Ausgebrannte Alopecia areata, Ersatz von Bartbehaarung (z.B. Hasenschartenkorrektur), Augenbrauen, Wimpern.

Durchführung

Zwei Operationsmethoden sind zu unterscheiden:
  1. Schwenklappentechniken (z.B. Rotationslappen nach Juri; nur selten angewandt).
  2. Autologe Vollhauttransplantate:
    Die Transplantate werden als so genannte Square grafts, Strip grafts oder Punch grafts in die Empfängerregion eingebracht.
    • Beim Punchgrafting (Methode nach Okuda und Orentreich) werden so genannte Standardtransplantate von 3,0-4,5 mm Durchmesser am Haarkranz okzipital entnommen und in gleich große, vorher ausgestanzte Empfangslöcher im alopezischen Bereich eingebracht. Ästhetischer Nachteil: Büschelförmiger Haarwuchs.
    • Bei der Mikromethode (1-2 Follikel) bzw. Minigraftmethode (3-5 Follikel) (nach Lucas) werden Grafts von 1,6-1,8 mm Durchmesser eingesetzt. Hierdurch gute bis sehr gute kosmetische Resultate. Eingriff in LA. Patient aufrecht sitzend oder in Bauchlagerung. Entnahme eines schmalen Hautstreifens in der Haarkranzregion. Die Wunde wird fortlaufend atraumatisch mit monofilem Nahtmaterial verschlossen. Präparation der 1,6-1,8 mm großen Grafts. Mikrografts werden im Bereich des Haaransatzes, Minigrafts dahinter implantiert. Die Einpflanzkanäle werden durch motorgetriebene Rundmesser angelegt (Holesmethode). Alternativ: Schlitzförmige Einpflanzkanäle mit einer feinen lanzettförmigen Klinge (Slitmethode). Anordnung und Abstand der Bohrlöcher von 0,8-1,5 mm Durchmesser sollte unregelmäßig, nicht zu dicht (Nekrosegefahr) und nicht zu licht (zu geringe optische Wirkung), erfolgen. Die Einpflanzlöcher bzw. -schlitze können bei entsprechender Erfahrung auch mit einem dafür geeigneten CO2-Laser angebracht werden. In jedem Fall ist streng auf die zukünftige Haarwuchsrichtung zu achten. Das Einsetzen der Transplantate erfolgt mit Mikropinzetten. Durch Adhäsivkräfte und Wirkung des körpereigenen Fibrins werden die Grafts in ihrer Position gehalten, so dass keine besonderen Fixationsmaßnahmen erforderlich sind. Bei der Slittechnik besteht eher eine Gefahr der Graftdislokation. Pro Sitzung können über 1000 Mini- und Mikrografts verpflanzt werden. Durchschnittlich werden pro Operation 400-700 Transplantate benötigt. Die optimale Haardichte kann mittels der Trichodensitometrie berechnet werden. Postoperativ Anlegen eines sterilen Schutzverbandes (kein Druckverband!) für eine Nacht. Dabei ist streng darauf zu achten, dass die Transplantate nicht mit dem Verband verkleben können, weil sie dann bei Verbandabnahme herausgerissen werden. Bereits nach 3 Tagen kann der Patient selbst eine Haarwäsche mit einem milden Shampoo durchführen. Die Fäden im Donorgebiet sollten nach ca. 2 Wochen entfernt werden.
      Die transplantierten Haare fallen postoperativ (nach ca. 3-4 Wochen) temporär aus. Nach 3-4 Monaten produzieren die Follikel kontinuierlich neue Haare.

Merke! Bei Haarverpflanzungen ist die präoperative Planung und Aufklärung des Patienten von bes. Bedeutung. Die Haarverpflanzung ist eine Umverteilung noch vorhandener Haare. Der Patient muss wissen, dass auch nach mehreren Behandlungen nur eine Haardichte von 40-80% der Haardichte im Donorgebiet erreicht werden kann. Verdichtungsoperationen sind frühestens nach 3 Monaten durchführbar. Der zukünftige Haaransatz darf keinesfalls zu tief, eher etwas höher angelegt werden. Die Anzeichnung und die Besprechung des Haaransatzes erfolgt gemeinsam mit dem Patienten vor der örtlichen Betäubung. Auf eine exakte Fotodokumentation ist zu achten. Durchführung in speziellen dermatologischen Kliniken.

Kontraindikation

Störung der Blutungs- und Gerinnungszeit, Hypertonie, Diabetes mellitus, Neigung zur Keloidbildung und alle Erkrankungen, die eine Wundheilungsstörung erwarten lassen.
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