Gynäkomastie N62.x

Zuletzt aktualisiert am: 02.06.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Brustvergrößerung des Mannes,

Definition

Ein- oder beidseitige Vergrößerung der männlichen Brustdrüse durch Vermehrung des Drüsengewebes oder Zunahme der Fettablagerung der Brustregion.

Ätiopathogenese

Ursachen der pathologischen Gynäkomastie (variiert n. Schuppe HC et al. 2018)

Idiopathische Gynäkomastie

  • Familiäre Gynäkomastie unklarer Genese

Störung des Androgen-Östrogen Gleichgewichtes:

  • Persistierende Pubertätsgynäkomastie
  • Therapeutischer Östrogenzufuhr
  • Hyperprolaktinämie (s.u. Prolaktin)
  • Klinefelter-Syndrom,
  • Leydig-Zell-Tumor
  • Sertoli-Zelltumor
  • Nebennierenrindentumoren
  • Hyperthyreose
  • Hypogonadismus (hypo-, hypergonadotrop)
  • Ektope h CG-Produktion durch maligne Tumoren (Paraneoplastischem Syndrom) Bronchialkarzinom, Leberzellkarzinom, Nierenzellkarzinom.

Allgemeinerkrankungen

  • Hepatische Dekompensation,
  • Niereninsuffizienz
  • Unterernährung bzw. Gewichtszunahme nach Unterernährung
  • AIDS

Medikamentöse Therapien:

H2-Blocker

Chemotherapeutika

  • Alkylanzien
  • Methotrexat
  • Vinca-Alkaloide
  • Sexualhormone und ihre Modulatoren:
  •  Anabolika: Auch eine Testosteron-Behandlung oder ein Missbrauch von Anabolika kann Brustwachstum fördern
  • Östrogene
  • HCG
  • Ketokonazol
  • 5-alpha-Reduktasehemmer (Finasterid oder Dutasterid)
  • Spironolacton
  • Hormonentzug bei fortgeschrittenem Prostatakarzinom

Kardiaka:

Phytotherapeutika mit östrogenartig wirksamen Inhaltsstoffen

Rauschmittel

  • Cannabis (Marihuana, Haschisch)
  • Heroin

Sonstige:

 

Manifestation

Physiologisch: Neugeborenenalter (bis zu 90% der männlichen Neugeborenen entwickeln eine harmlose und rasch reversible Gynäkomastiee), Pubertät (40-70% der Jugendlichen sind betroffen). In der erwachsenen Bevölkerung wird eine Prävalenz von 30-60% angegeben. Sie ist im Senium am höchsten.

Klinisches Bild

Einseitige oder doppelseitige Vergrößerung der Brustwarze und des Warzenhofs. In Strängen vergrößert und schmerzhaft tastet sich das Drüsengewebe. Sehr selten wird eine Galaktorrhoe beobachtet.

Zur Objektivierung einer Gynäkomastie werden verschiedene Maße vorgeschlagen:

  • Zu palpierende Dicke einer horizontalen Hautfalte unter Einschluss der der Brustwarze (>2cm, bei Adipositas >3cm)
  • Durchmesser des Brustwarzenhofs (>3cm)

Zur Klassifkation wird i.A. die Stadieneinteilung nach Tanner genutzt:

  • B1: Kein Drüsenkörper tastbar
  • B2: Warzenhof  vergrößert, Drüse vorgewölbt
  • B3: Drüsenkörper> Warzenhof
  • B4: Solider Drüsenkörper
  •  B5: Entspricht der weiblichen Brust

 

Histologie

Hyperplasie der Gangepithelien und der Myoepithelzellen.

Diagnose

Ausschluss einer Malignität durch Sonographie, Mammographie, ggf. bioptische Sicherung oder Feinnadelaspiration.

Differentialdiagnose

  • Gynäkomastische Fettbrust bei allgemeiner Adipositas (Pseudogynäkomastie oder Lipomastie).
  • Bei einseitiger oder asymmetrischer Gynäkomastie: Mammakarzinom (derbe knotige Infiltrate, Retraktion und mamilläre Sekretion)
  • Fibrosen
  • Fibroadenome.

Therapie

  • Die Behandlung richtet sich nach Ausschluss möglicher Ursachen nach individuellen Gesichtspunkten (psychische Belastung des Pat. durch weibliches Erscheinungsbild). Da hohe Spontarückbildungstendenz besteht, ist abwartende Haltung gerechtfertigt.
  • Identifikation des Auslösers und Ausschluss desselben.
  • Bei V.a. medikamentöse Ursache, Absetzen des verursachenden Medikamentes.
  • Medikamentöse Therapie: Kleinere klinische Studien und Fallserien haben verschiedene Konzepte medikamentöser Therapien untersucht. Die Datenlage ist jedoch schlecht. Die beste Evidenzlage besteht für die Anwendung Anti-Östrogener-Therapien, z.B. mit Tamoxifen, Danazol und den Aromatase-Inhibitoren Testolacton und Anastronazol.
  • Operative Entfernung des Drüsengewebes bei länger bestehenden (6-12 Monate) fibrosierenden Gynäkomastien.

Verlauf/Prognose

Nicht in jedem Fall ist eine Gynäkomastie pathologisch. Im Säuglingsalter und in der Pubertät ist sie physiologisch und meist selbstlimitierend. Auch im Senium wird sie nicht als pathologisch aufgefasst.

Literatur
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  1. Evans DL et al. (2002) Breast enlargement in 13 men who were seropositive for human immunodeficiency virus. Clin Infect Dis 35: 1113-1119
  2. Ersoz H (2002) Causes of gynaecomastia in young adult males and factors associated with idiopathic gynaecomastia. Int J Androl 25: 312-316
  3. Ferrando J et al. (2002) Unilateral gynecomastia induced by treatment with 1 mg of oral finasteride. Arch Dermatol 138: 543-544
  4. Paech V et al. (2002) Gynaecomastia in HIV-infected men: association with effects of antiretroviral therapy. AIDS 16: 1193-1195
  5. Seibel V et al. (1998) Incidence of gynecomastia in dermatology patients. Hautarzt 49: 382-387
  6. Zimmerman RL et al. (2000) Cytologic atypia in a 53-year-old man with finasteride-induced gynecomastia. Arch Pathol Lab Med 124: 625-627

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