Gynäkomastie N62.x

Zuletzt aktualisiert am: 15.07.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Brustvergrößerung des Mannes,

Definition

Ein- oder beidseitige Vergrößerung der männlichen Brustdrüse durch Vermehrung des Drüsengewebes oder Zunahme der Fettablagerung der Brustregion.

Ätiopathogenese

Störung des Androgen-Östrogen Gleichgewichtes, z.B. bei hepatischer Dekompensation, therapeutischer Östrogenzufuhr, Hyperprolaktinämie (s.u. Prolaktin), Klinefelter-Syndrom, Leydig-Zell-Tumor, paraneoplastischem Syndrom (Bronchialkarzinom). Medikamentöse Therapien:

  • Digitalis
  • H2-Blocker (z.B. Cimetidin)
  • Vitamin B2
  • Urethan
  • INH
  • Allopurinol
  • 5-alpha-Reduktasehemmer (Finasterid oder Dutasterid)
  • Spironolacton
  • Betablocker (Atenolol und Propranolol)
  • Kalziumantagonisten
  • Proteaseinhibitoren
  • Nucleosidale Reverse Transkriptase Inhibitoren.
  • Anabolika: Auch eine Testosteron-Behandlung oder ein Missbrauch von Anabolika kann Brustwachstum fördern
  • Phytoöstrogene (z.B. Marihuana- und Heroinkonsum).

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Manifestation

Physiologisch: Neugeborenenalter; Pubertät, Alter

Klinisches Bild

Einseitige oder doppelseitige Brustdrüsenvergrößerung. Sonderform: Pubertätsmakromastie.

Histologie

Hyperplasie der Gangepithelien und der Myoepithelzellen.

Diagnose

Ausschluss einer Malignität durch Sonographie, Mammographie, ggf. bioptische Sicherung oder Feinnadelaspiration.

Differentialdiagnose

  • Gynäkomastische Fettbrust bei allgemeiner Adipositas (Pseudogynäkomastie oder Lipomastie).
  • Bei einseitiger oder asymmetrischer Gynäkomastie: Mammakarzinom (derbe knotige Infiltrate, Retraktion und mamilläre Sekretion)
  • Fibrosen
  • Fibroadenome.

Therapie

  • Die Behandlung richtet sich nach Ausschluss möglicher Ursachen nach individuellen Gesichtspunkten (psychische Belastung des Pat. durch weibliches Erscheinungsbild). Da hohe Spontarückbildungstendenz besteht, ist abwartende Haltung gerechtfertigt.
  • Identifikation des Auslösers und Ausschluss desselben.
  • Bei V.a. medikamentöse Ursache, Absetzen des verursachenden Medikamentes.
  • Medikamentöse Therapie: Kleinere klinische Studien und Fallserien haben verschiedene Konzepte medikamentöser Therapien untersucht. Die Datenlage ist jedoch schlecht. Die beste Evidenzlage besteht für die Anwendung Anti-Östrogener-Therapien, z.B. mit Tamoxifen, Danazol und den Aromatase-Inhibitoren Testolacton und Anastronazol.
  • Operative Entfernung des Drüsengewebes bei länger bestehenden (6-12 Monate) fibrosierenden Gynäkomastien.

Verlauf/Prognose

Nicht in jedem Fall ist eine Gynäkomastie pathologisch. Im Säuglingsalter und in der Pubertät ist sie physiologisch und meist selbstlimitierend. Auch im Senium wird sie nicht als pathologisch aufgefasst.

Literatur
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  2. Ersoz H (2002) Causes of gynaecomastia in young adult males and factors associated with idiopathic gynaecomastia. Int J Androl 25: 312-316
  3. Ferrando J et al. (2002) Unilateral gynecomastia induced by treatment with 1 mg of oral finasteride. Arch Dermatol 138: 543-544
  4. Paech V et al. (2002) Gynaecomastia in HIV-infected men: association with effects of antiretroviral therapy. AIDS 16: 1193-1195
  5. Seibel V et al. (1998) Incidence of gynecomastia in dermatology patients. Hautarzt 49: 382-387
  6. Zimmerman RL et al. (2000) Cytologic atypia in a 53-year-old man with finasteride-induced gynecomastia. Arch Pathol Lab Med 124: 625-627

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