Granuloma pyogenicum L98.0

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Angiom eruptives; Angiom proliferierendes; Botryomycosis; Botryomykom; eruptive hemangioma; eruptives Angiom; Granuloma pediculatum; Granuloma teleangiectaticum; lobular capillary hemangioma; lobuläres kapilläres Hämangiom; Nagelfalzangiomatose; Pregnancy tumor; proliferierendes Angiom; Pseudobotryomykom; pyogenic granuloma; Stielknollen

Erstbeschreiber

Dor u. Poncet, 1897

Definition

Häufiger, meist nach Traumen, aber auch spontan entstehender, rasch exophytisch wachsender, gutartiger schnell wachsender Gefäßtumor.

Ätiopathogenese

Banale Verletzung mit nachfolgender Entwicklung eines überschießenden, gefäßreichen Granulationsgewebes; gehäuft in der Schwangerschaft. Offenbar spielen BRAF- und RAS- Mutationen in der Pathogenese dieser reaktiven Geschwulst eine Rolle. 

Manifestation

Gehäuft in der Schwangerschaft.

Alter der Erstmanifestation: im ersten Lebensjahr selten; am häufigsten im 2.- 5. Lebensjahrzehnt

 

Lokalisation

Vor allem Lippen, Kopfhaut, Gesicht, Fingerkuppen, Zunge, Hohlhand und Zehen, seltener sind Lokalisationen im Bereich der Mundschleimhaut.

Klinisches Bild

  • 1,0-3,0 cm große, selten größere, solitäre, weiche, kugelige, leicht blutende, rote, blaue oder schwarze, scharf begrenzte Papel (Knoten).
  • Meist fehlender bis geringer Schmerz.
  • Bei zunehmendem Wachstum erfolgt meist eine Einschnürung der Basis, von der Epidermis kragenartig eingefasst. Die Oberfläche ist häufig erodiert, später ulzeriert und mit einer schwarzen Kruste überdeckt.
  • Abgegrenzt wird das "unkomplizierte" Granuloma pyogenicum von der (seltenen) bakteriellen Nagelfalzangiomatose, die eher dem reaktiven Granulationsgewebe bei Unguis incarnatus zuzuordnen ist.
  • Ebenfalls den lobulären kapillären Hängiomen vom Typ des Granuloma pyogenicums zuzordnen sind die seltenen eruptiven, disseminierten auftretenden Fälle (Satellitose), die nach unvollständiger Entfernung des "Primärtumors" auftreten können. Hierbei wurden auch ossäre Destruktionen beschrieben. Insofern bleibt die Dignität dieser seltenen Manifestationsform fraglich.

Histologie

Exophytischer, multilobulär gegliederter, reifzelliger (CD31+) kapillärer Tumor in der papillären und retikulären Dermis. Fehlender oder nur dünner Epithelüberzug. Zahlreiche kleine oder größere Gefäßräume mit Erythrozytenhaufen. In den oberen Anteilen der Geschwulst besteht häufig eine kräftige, entzündliche Begleitreaktion mit neutrophilen Granulozyten und Lymphozyten bei ödematösem bindegewebigem Stroma. Abschnittsweise, insbes. in den tieferen Anteilen, auch solide Geschwulstknoten mit nur wenigen Gefäßräumen. Zahlreiche Mitosen (Ki-67 Positivität ist deutlich erhöht), moderate Endothelatypien. In Spätstadien verbreiterte Septen bei rückgebildetem Gefäßparenchym.

Diagnose

Das klinische Bild ist diagnostisch.

Differentialdiagnose

Malignes Melanom; Angiosarkom. Bei multifokalem, eruptivem Auftreten muss das epitheloide Hämangioendotheliom ausgeschlossen werden.

Komplikation

Ein Rezidiv nach unvollständiger Entfernung kann auftreten. Satellitose ist selten.

Therapie

Verlauf/Prognose

Große Neigung zur Ulzeration und Blutungstendenz. Unbehandelt schrumpft das Granuloma pyogenicum nach einigen Monaten. Als Relikt bleibt eine weiche fibromatöse Papel.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

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