Granuloma anulare klassischer Typ L92.0

Zuletzt aktualisiert am: 20.11.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

granuloma annulare; pseudorheumatoid nodule

Erstbeschreiber

Colcott-Fox, 1895; Radcliffe-Crocker, 1903

Definition

Asymptomatische, chronische, nekrobiotische, granulomatöse Entzündung der Haut, mit Ausbildung von hautfarbenen oder leicht geröteten Papeln und Plaques, die sich zu charkateristischen anulären Strukturen formieren.

Ätiopathogenese

Pathogenese unklar. Vermutet wird eine Spättypreaktion unter Einbindung von zellvermittelten Immunprozessen.  

Entstehung nach Insektenstichen oder sonstigen örtlichen Traumen, im Rahmen von Infekten (Assoziation zu Virusinfektionen (Epstein-Barr-Virus, HIV, Herpes-zoster-Virus), Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, gehäuftg bei Diabetes mellitus.

Für ein Medikamenten-induziertes Granuloma anulare gibt es gute kasuistische Hiweise. Folgende Medikamente wurden aufgeführt (zitiert n. Boyoung Lee S): Adalimumab (n=5), Allopuriol (n=3); Gold (n=2), Infliximab (n=2), Topiramat(n=2), Amlodipin, Calcitonin, Diclofenac, Etanercept, Interferon alpha, Paroxetin, Thalidomid, Phostal Stallergenes; Vemurafib (n=jeweils 1) .  

Historisch und pathogenetisch interessant ist das Auftreten des Granuloma anulare bei Therapie mit Vitamin D3 (Granuloma anulare vigantolicum) bei der Tuberkulose.

Früher häufig mit Tuberkulose vergesellschaftet. Evtl. genetische Prädisposition.

 

Manifestation

Vor allem bei Kindern und Jugendlichen auftretend, Bevorzugung des weiblichen Geschlechts.

Lokalisation

Bevorzugt Akren, Streckseiten der Gelenke, Hand- und Fußrücken, Fingerrücken.

Klinisches Bild

Beim  klassischen und häufigsten Granuloma anulare findet sich ein solitärer, oder wenige, kreis- oder ringförmige, völlig asymptomatische Ornamente die einen Durchmeser von 1,0 his 3,0 cm erreichen können. Die Ring- oder Kreisornamente sind aus kleineren, etwa 0,1-0,3 cm großen, aggregierten, festen, roten oder hautfarbenen, oberflächenglatten Knötchen und Plaques zusammengesetzt. Meist ist die zusammengesetzte Knötchenstruktur auch nach längerem Bestand noch erkennbar. Das Wachstum ist langsam und kann über viele Monate andauern. Treffen 2 Papelkreise zusammen so resultieren bogige, sich stellenweei auslöschende Ornamente.  

Typischerweise überschreitet die Einzeleffloreszenz des Granuloma anulare eine Größe von max. 5,0 cm nicht.

In seltenen Fällen kann es jedoch zu einer extremen Ausdehnung bis auf 10,0 cm kommen (Granuloma anulare giganteum), ohne dass sich hierfür im Einzelfall eine Erklärung ergibt.

 

Histologie

Umschriebene knotige Entzündungsherde in der oberen und mittleren Dermis (selten im subkutanen Fettgewebe gelegen) mit zentraler Nekrobiose und Durchsatz mit Kernfragmenten. Charakteristisch ist ein umschließendes Palisadengranulom aus Lymphozyten, Makrophagen (Histiozyten), Fibroblasten und seltener aus mehrkernigen Riesenzellen. Vereinzelt auch Beimischungen von eosinophilen Leukozyten und Plasmazellen. Selten können vaskulitische Veränderungen mit Leukozytoklasie nachgewiesen werden. Bei dem Granuloma anulare vom interstitiellen Typ werden weniger knotige sondern eher diffuse interstititielle Infiltate aus CD68-positiven Histiozyten und Lymphozyten rund um Alcianblau-positive Muzinablagerungen in der retiklären Dermis beobachtet. 

Diagnose

Insbesondere bei ausgedehnten Formen: Abklärung eines Diabetes mellitus (Blutzucker-Tagesprofil, Glukosebelastungstest), Röntgenaufnahme der Lunge, Multitest Mérieux, Focussuche.

Therapie

Bestrahlungstherapie

Interne Therapie

Verlauf/Prognose

Monatelanger oder auch jahrelanger, kontinuierlicher aber auch rezidivierender Verlauf. Häufig (v.a. bei Kindern) sind spontane Abheilung zu erwarten (Therapiekonsequenzen bedenken!).

Literatur
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  1. Boyoung Lee S et al. (2016) Vemurafenib-induziertes Granuloma anulare. JDDG 14: 305-308 
  2. Breuer K (2005) Therapy of noninfectious granulomatous skin diseases with fumaric acid esters. Br J Dermatol 152: 1290-1295
  3. Fölster-Holst R et al. (1996) Ungewöhnliche zirzinäre Variante eines generalisierten Granuloma anulare. Hautarzt 47: 53-57
  4. Guardiano RA et al. (2003) Generalized granuloma annulare in a patient with adult onset diabetes mellitus. J Drugs Dermatol 2: 666-668
  5. Kolde G (2014) Granulomatöse Dermatosen. Akt Dermatol 40: 193-204
  6. Limas C (2004) The spectrum of primary cutaneous elastolytic granulomas and their distinction from granuloma annulare: a clinicopathological analysis. Histopathology 44: 277-282
  7. Looney M et al. (2004) Isotretinoin in the treatment of granuloma annulare. Ann Pharmacother 38: 494-497
  8. Proske U et al. (2011) Granuloma anulare giganteum et disseminatum. Akt Dermatol 37: 210-212
  9. Radcliffe-Crocker H (1903) Diseases of the Skin. 3rd edn., HK Lewis, London

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