Gonorrhoe (Übersicht) A54.9

Zuletzt aktualisiert am: 12.06.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Co-Autor: Nico Weinkauf

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Synonym(e)

Gonokokken-Konjunktivitis; Morbus Neisser; Neisser M.; Rektalgonorrhoe; Spermatocystitis gonorrhoica; Tripper; Urethritis gonorrhoica anterior acuta; Urethritis gonorrhoica posterior; Urethritis spezifische; Zweigläserprobe

Definition

Eine der weltweit häufigsten, sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten. Die Gonorrhoe ist damit ein wichtiger Indikator für die Wirksamkeit von Präventionen für das humane Immunodefizienz-Virus (HIV) und für andere "sexually transmitted diseases" ( STD). Erreger ist Neisseria gonorrhoeae. Die Erkrankung tritt meist als Urethritis gonorrhoica oder Zervizitis in Erscheinung. Asymptomatische Verläufe bei Mann und Frau sind möglich. Durch aufsteigende Entzündungen oder hämatogene Streuungen kann es zu Komplikationen kommen.

Erreger

Neisseria gonorrhoeae, gramnegative, aerobe, Oxidase-positive Diplokokken. An der Oberfläche lokalisierte Haftpili sind für die pezifische Adhärenz an Mukosazellen verantwortlich. Gonokokken werden durch den direkten Schleimhaukontakt mit infektiösem Sekret übertragen und verursachen eine eitrige Entzündung der Schleimhaut, v.a. der Zylinder-Epithelien der Urethra, der Zervix,  des Rektums und der Konjunktiven. Eine hämatogene Streuung ist selten aber möglich. Die Erkrankung hinterläßt keine Immunität. Eine Impfung gibt es nicht. 

Vorkommen/Epidemiologie

Weltweit sind ca. 300-600 Mio. Infizierte. Inzidenz in der Bundesrepublik Deutschland laut offizieller Statistiken des Robert-Koch Institutes: 2-5/100.000/Jahr (hohe Dunkelziffer!). Für Sachsen betrug im Jahre 2008 die Inzidenz 10,1 Fälle/100.000 Einwohner. mit mehr als 32.000 Fällen war im Jahren 2010 die Gonorrhoe die zweithäufigst gemeldete sexuell übertrabare Infektion (STI) in Europa.

2014 waren fast die Hälfte der Infizierten homosexuelle Männer. Dei 2. Gruppe betraf heterosexuelle Männer und Frauen.  

Ätiopathogenese

Übertragung durch Geschlechtsverkehr, selten durch Schmierinfektion.

Manifestation

Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren machen etwa 1/3 aller Erkrankungsfälle aus, 1/3 betrifft die Altergruppe zwischen 25 und 4 Jahren.  

Lokalisation

Urethra, distale Rektumschleimhaut (ca. 10 cm ab ano); ano-rektale Übergangszone unter Einschluss der Morganischen Drüsenausführungsgänge; Vagina, Labien.

Klinisches Bild

Inkubationszeit: 2-7 Tage, meist 3 Tage.

  • Beim Mann: Infektion der Pars anterior der Harnröhre (Urethritis gonorrhoica anterior acuta et chronica). Brennen bei der Harnentleerung, Rötung des Meatus der Harnröhre, gelbgrünlicher, rahmiger, eitriger Fluor, Entwicklung einer Balanitis, evtl. Paraphimose möglich.
  • Bei der Frau: Urethritis gonorrhoica acuta mit serösem eitrigem Fluor, Brennen und Schmerzen bei der Harnentleerung. Evtl. Trigonum-Zystitis. Entwicklung einer Urethritis gonorrhoica chronica. Irritation der Schleimhäute im Bereich der kleinen und großen Labien: Rötung, Schwellung, Impetiginisation, Erosionen, oberflächliche Ulzerationen. Die klinische Symptomatik bleibt bei > 50% der infizierten Frauen gering symptomatisch oder asymptomatisch. S.a.u. Cervicitis gonorrhoica; s.a.u. Bartholinitis.
  • Anorektale Infektion (bei Mann und Frau): häufig symptomarmer bzw. asymptomatischer Verlauf. Mögliche Symptome sind Blut- und Schleimauflagerungen auf dem Stuhl, eitrige Sekretion, Druckgefühl und Tenesmen, ggf. Defäkationsschmerz. Juckreiz und Wundsein können als sogenannte Sekundärphänomene im Sinne eines toxisch-irritativen Analekzems auftreten.
  • Beim Mädchen: s.u. Vulvovaginitis gonorrhoica infantum.

Diagnose

  • Mikroskopischer Nachweis: Intraleukozytäre, gramnegative Diplokokken ( Methylenblau- und Gramfärbung).
  • Kultureller Nachweis aus Harnröhren-, Zervix- oder Analabstrich.
  • Serologie: GO-Komplementbindungsreaktion bei metastatischen Entzündungen (Arthritis gonorrhoica).
  • Zum Ausschluss von Koinfektionen ggf. Syphilisserologie vor Behandlung und 6 Wochen später, Chlamydienkultur, Mykoplasmakultur, HIV-ELISA, Hepatitisserologie.
  • Rektoskopie/Proktoskopie: entzündliche Veränderungen der distalen Rektumschleimhaut und der anorektalen Übergangszone. Diese imponieren als Rötung sowie Ödeme mit erhöhter Vulnerabilität (Kontaktblutungen) oder Fibrinbelägen. Selten Ulzerationen. Krypten und Analpapillen können ebenfalls entzündlich verändert sein. Ggf. endoskopische Abstrichentnahme.

Komplikation

  • Mann: Nachfolgende Infektion der Pars posterior der Harnröhre (Urethritis gonorrhoica posterior, Zweigläserprobe), Prostatitis, Vesiculitis, Funikulitis, Epididymitis, Spermatozystis, Cowperitis, Cavernitis, analer Befall, Gonokokkensepsis, Perihepatitis gonorrhoica, Endokarditis, Meningitis und Gonarthritis.
  • Frau: Endometritis gonorrhoica, Salpingitis, Perioophoritis, Oophoritis, Peritonitis gonorrhoica, Adnexitis gonorrhoica, Rektalgonorrhoe, Vulvovaginitis gonorrhoica adultorum, Gonokokkensepsis, Perihepatitis gonorrhoica, Endokarditis, Meningitis und Gonarthritis.

Therapie

Tabellen

Therapie der Gonorrhoe

 

Antibiotikum

Beispielpräparate

Dosierung

Dauer

Unkomplizierte Gonorrhoe

Ceftriaxon +Azithromycin

Rocephin +  Zithromax 

 1,0 g i.m. oder i.v. +  1,5g p.o.

einmalig

  Cefixim +Azithomycin Suprax, Cephoral  800 mg p.o. + 1,5g p.o. einmalig

Komplizierte Gonorrhoe oder chronische Gonorrhoe (Endometritis, Adnexitis, Rektalgonorrhoe, Vulvovaginitis u.a.)

Ceftriaxon

Rocephin

1-2 g/Tag i.m.

über 7 Tage, je nach Klinik länger

Cefotaxim

Claforan

1-2 g/Tag i.v.

Cefuroxim

Zinacef

1-2 g/Tag i.m.

Erythromycin

Erythromycin Wolff

4mal 500 mg/Tag p.o.

Gonorrhoe, oropharyngeale

Ceftriaxon

Rocephin

250 mg i.m.

einmalig

Azithromycin

Zithromax

1 g p.o.(Entwicklung zunehender Resistenzen!)

einmalig

Gonokkoken-Konjuktivitis

Erythromycin

Ecolicin Augensalbe, Augentropfen

Lokaltherapie: Initial halbstündlich anwenden, später stündlich applizieren

mind. 5-6 Tage

Ceftriaxon

Rocephin

Systemtherapie: 1 g/Tag i.m.

7 Tage

Gonokokken-Sepsis (bei Endokarditis)

Ceftriaxon

Rocephin

2-4 g/Tag i.v.

über 2-3 Wochen

Cefotaxim

Claforan

4-6 g/Tag i.v.

über 2-3 Wochen

Cefuroxim

Zinacef

4-6 g/Tag i.v.

über 2-3 Wochen

 

Hinweis(e)

Schwangere und Stillende erhalten Ceftriaxon 1g i.v.  

Hinweis(e)

Seitdem das Infektionsschutzgesetz (IFSG) gilt, ist die Meldepflicht für die Gonorrhoe entfallen. Neuerdings kommt es wiederum auf Grund zunehmend riskanter Sexpraktien zu einem deutlichen Anstieg der gonorrhoischen Infektionen (s.a. Slamming).

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Burstein GR et al. (2002) Ciprofloxacin for the treatment of uncomplicated gonorrhea infection in adolescents: does the benefit outweigh the risk? Clin Infect Dis 35(Suppl 2): S191-199
  2. Golden MR et al. (2003) Partner notification for HIV and STD in the United States: low coverage for gonorrhea, chlamydial infection, and HIV. Sex Transm Dis 30: 490-496
  3. Lutz AR (20159 Screening for Asymptomatic Extragenital Gonorrhea and Chlamydia in Men Who Have Sex with Men: Significance, Recommendations, and Options for
    Overcoming Barriers to Testing. LGBT Health 2:27-34.

  4. ​Palusci VJ et al. (2003) Testing for genital gonorrhea infections in prepubertal girls with suspected sexual abuse. Pediatr Infect Dis J 22: 618-623

  5. Rietmeijer CA et al. (2003) Increases in gonorrhea and sexual risk behaviors among men who have sex with men: a 12-year trend analysis at the Denver Metro Health Clinic. Sex Transm Dis 30: 562-567
  6. Sena Corrales G et al.(20169  Gonococcal arthritis in human immunodeficiency virus-infected patients. Review of the literature. Reumatol Clin doi: 10.1016/j.reuma.2015.12.001.

  7. Wong ML et al. (2002) Promoting condoms for oral sex: impact on pharyngeal gonorrhea among female brothel-based sex workers. Sex Transm Dis 29: 311-318

Disclaimer

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