Gaucher, M. E75.2

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Glukozerebrosidose; Lipoidhistiozytose vom Kerasintyp; Zerebrosidlipoidose

Erstbeschreiber

Gaucher, 1882

Definition

Hereditäre lysosomale Speicherkrankheit ( Sphingolipidose) verursacht durch einen Defekt der lysosomal lokalisierten (s.u. Lysosom) ß-Glukosidase (Glucocerebrosidase).

Ätiopathogenese

Autosomal-rezessiv vererbte Mutationen des ß-Glukosidase-Gens (Genlokus: 1q21), die zum Fehlen der Glucocerebrosidase, und durch diesen Enzymmangel zu einer zunehmende Anreicherung von Glucocerebrosiden u.a. in Makrophagen führen. Morphologisches Charakteristikum ist die Gaucher-Zelle mit einem Durchmesser von 20-100 µm, in der histochemisch eine Cerebrosidanreicherung und elektronenoptisch feinmembranöse sog. "cytoplasmic bodies" nachweisbar sind.

Diese rufen Hautpigmentationen und Lidspaltenflecke (Pingueculae) hervor. Die Cerebrosidspeicherung in den Zellelementen des retikulohistiozytären Systems, wie Milz, Leber, Knochenmark und Lymphknoten, ist Folge eines Cerebrosidasemangels, während die Biosynthese normal verläuft. Neben dem Cerebrosid werden, wenn auch in geringerem Ausmaß, Cytoside und Hämatoside gefunden.

Klinisches Bild

Die ersten Manifestationen treten oft schon im Säuglingsalter auf, dann meist progressive neurologische Symptomatik mit Kachexie, mentaler Retardation und fatalem Ende. Bei späterer Manifestation im Kindesalter oder seltener im Erwachsenenalter kann eine Beteiligung des ZNS fehlen, die übrigen Befunde stehen dann im Vordergrund: Hepatosplenomegalie mit hämatologischen Abnormitäten (Anämie, Leukopenie und Thrombopenie) sowie erhöhte Blutungs- und Infektionsbereitschaft, außerdem Knochenschädigungen. 3 Formen lassen sich unterscheiden:

  • Chronisch-adulte Form ohne neurologische Symptomatik: Beteiligung von hämatopoetischem System und Knochen.
  • Akut-maligne Form mit neurologischer Symptomatik: Manifestation in den ersten Lebensjahren, progrediente neurologische Symptomatik.
  • Subakut-juvenile Form mit neurologischer Symptomatik: Wie 2., aber langsamerem Verlauf.

Hauterscheinungen v.a. bei chronisch-adulter Form und evtl. bei subakut-juveniler Form: Vor allem an belichteten Hautarealen auftretende, ocker-gelbbraune Hyperpigmentierungen. An den Unterschenkeln retikuläres Verteilungsmuster, im Gesicht chloasmaartig. Ferner kleinfleckige oder streifige Pigmentierung mit scharfer Begrenzung unter den Fußknöcheln. Hyperpigmentierungen in den Konjunktiven. Bei einem Subtyp dieser Erkrankung tritt eine schwere kongenitale Ichthyose auf, die dem klinischen Bild des " Kollodiumbaby" entspricht.

Diagnose

  • Nachweis des Enzymdefektes (ß-Glucosidase) in Leukozyten oder kultivierten Fibroblasten.
  • Elektronenmikroskopie: Nachweis von Gaucher-Zellen im Knochenmark- oder Milzpunktat: Makrophagen mit charakteristischen netzartigen, fibrillären Geflechten im Zytoplasma.

Externe Therapie

Interne Therapie

Literatur
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  3. Figueroa ML et al. (1992) A less costly regimen of alglucerase treat gaucher's disease. N Engl J Med 327: 1632–36
  4. Gaucher PCE (1882) De l’epithelioma primitif de la rate, hypertrophie idiopathique de la rate sans leucemie. Faculte de Medecine, These de Paris 31
  5. Goker-Alpan O et al. (2003) Phenotypic continuum in neuronopathic Gaucher disease: an intermediate phenotype between type 2 and type 3. J Pediatr 143: 273-276
  6. Mignot C et al. (2003) Perinatal-lethal Gaucher disease. Am J Med Genet 120A: 338-344
  7. Shitrit D et al. (2003) D-dimer assay in Gaucher disease: correlation with severity of bone and lung involvement. Am J Hematol 73: 236-239
  8. Weinreb NJ et al. (2002) Effectiveness of enzyme replacement therapy in 1028 patients with type 1 Gaucher disease after 2 to 5 years of treatment: a report from the Gaucher Registry. Am J Med 113: 112-119

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