Fiebersyndrome, hereditäre, periodische (Übersicht) A68.9

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

HPF

Definition

Klinisch als auch genetisch heterogene Gruppe von Erkrankungen, die durch intermittierende, selbstlimitierende Fieberepisoden mit multisystemischer Entzündungsreaktion und stets negative mikrobiologische Befunde gekennzeichnet sind. Im beschwerdefreien Intervall klinisch gesunde Patienten. Dermatologisch durch interkurrente, meist urtikarielle Exantheme gekennzeichnet.

Einteilung

Klinik und Genetik erlauben inzwischen eine genauere Differenzierung. Nach Vererbung werden unterschieden:

Ätiopathogenese

Je nach Erkrankung wurden verschiedene genetische Ursachen beschrieben:

  • FMF: Mutationen im Mediterranean Fever Gen
  • HIDS: Mutationen im Mevalonatkinase Gen
  • TRAPS: Mutationen im TNF-Rezeptor-Superfamilie-1A-Gen
  • Familiäre Kälteurtikaria: Mutationen des CIAS1-Gens (Cold-induced autoinflammatory syndrome Gen; Genlokus: 1q44).

Die hieraus resultierenden Funktionsveränderungen der durch diese Gene kodierten Proteine, d.h. dem Pyrin beim FMF, der Mevalonatkinase beim HIDS dem p55-TNF-Rezeptor beim TRAPS, dem Kryopyrin bei der familiären Kälteurtikaria führen zu einer Störung der Zytokinbalance.

 

 

Klinisches Bild

Die klinische dermatologische Symptomatik bei den hereditären periodischen Fiebersyndrome wird unter klinischen Begriff der "neutrophile urtikarielle Dermatose" zusammengefasst. Klinisch finden sich, 2,0 cm große oder größere, wenig juckende (eher brennende) blassrote Flecken, flache Papeln oder Plaques, die etwa 24h persistieren. Die Hautveränderungen gehen stets mit Störung des AZ, Fieber, Gelenkbeschwerden, neutrophiler Leukozytose und Erhöhung der Akutphaseproteine einher (s.u. den jeweiligen Krankheitsbildern).

 

Diagnose

Molekulargenetischer Nachweis von Mutationen des MEFV-Gens (FMF), MVK-Gens (HIDS) oder des TNFRSF1A-Gens (TRAPS).

Differentialdiagnose

Ausschluss anderer Ursachen wie Infektionen, onkologische, hämatologische oder rheumatische Erkrankungen. Eine Zuordnung der einzelnen Patienten erfolgt im Wesentlichen durch ihre Symptomatik und molekulargenetische Analyse.

Therapie

Beim FMF stellt die Gabe von Colchicin die Therapie der Wahl dar. Die Therapie des HIDS erfolgt symptomatisch. TRAPS kann kausal mit dem TNF-alpha-Antagonisten Etanercept behandelt werden.

Tabellen

Familiäres Mittelmeerfieber

Hyper-IgD-Syndrom

TRAPS

Muckle- Wells- Syndrom

CINCA-Syndrom

Familiäre Kälteurtikaria

PFAPA-Syndrom

Ethnien

Östl. Mittelmeer

kaukasisch

kaukasisch

alle

alle

alle

alle

Alter der Erstmanifestation

< 10 J.

< 1 J.

< 20 J.

neonatal

< 1 J.

Adoleszenz

< 5 J.

Fieberdauer

1-3 Tage

3-7 Tage

> 1 Wo.

> 1 Wo.

1-2 Tage

3-6 Tage

Hautsymptome

Erysipel-artig

makulo-papulös

migrierend, schmerzhaft

urtikariell, Urtikaria-Vaskulitis

makulo-papulös, auch urtikariell

Urtikaria

Aphthen

Arthritis

+++

+++

+

++

+

+

-

Diagnose

-

Serum-IgD

< TNF TYP 1

-

-

Kälteexposition

-

Therapie

Colchicin

Kortikosteroide

NSAR; Etanercept

NSAR

NSAR; Kortikosteroide

Kortikosteroide; Ø Kälte

Tonsillektomie

Amyloid

ja

nein

ja

ja

ja

ja

ja

Hinweis(e)

Die kleine und seltene Gruppe der hereditären periodischen Fiebersyndrome wird inzwischen durch einige weitere, erworbene Erkrankungen ergänzt und unter dem Überbegriff " autoinflammatorische Syndrome" klassifiziert.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Braun-Falco M et al. (2011) Hautbeteiligung bei autoinflammatorischen Syndromen. JDDG 9: 232 - 245
  2. Dode C et al. (2003) TNFRSF1A-associated periodic syndrome (TRAPS), Muckle-Wells syndrome (MWS) and renal amyloidosis. J Nephrol 16: 435-437
  3. Grateau G (2003) Periodic fevers: from genetics to clinical medicine. Arch Pediatr 10: 379-384
  4. Hachulla E (2003) Systemic urticarias. Ann Dermatol Venereol 130: 53-68
  5. Houten SM et al. (2003) Isoprenoid biosynthesis in hereditary periodic fever syndromes and inflammation. Cell Mol Life Sci 60: 1118-1134
  6. Parikh SR et al. (2003) Utility of tonsillectomy in 2 patients with the syndrome of periodic fever, aphthous stomatitis, pharyngitis, and cervical adenitis. Arch Otolaryngol Head Neck Surg 129: 670-673

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