Fascioliasis B66.3

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Fasziolose; Infektion durch große Leberegel; Riesenleberegel-Infektion; Schafsegel-Infektion

Erstbeschreiber

de Brie, 1379; Leukart, 1882; Thomas, 1883

Definition

Trematodeninfektion. Verbreitete Zoonose bei Rindern, Schafen und anderen Herbivoren. Sporadische infektionen des Menschen nach Genuss von essbaren Wasserpflanzen wie Brunnenkresse, selten auch von metazerkarienhaltigen Wassers.

Erreger

  • Fasciola hepatica (Schafsleberegel): zwittriger, blattförmiger Egel von 2-4 cm Länge und ca. 1 cm Breite. Die Oberfläche ist mit zahlreichen Tegumentendornen besetzt; Kopf-, Mund- und Bauchsaugnapfen sind nachweisbar.
  • Fasciola gigantica (Riesenleberegel): wie Fasciola hepatica, aber größer bis zu 7,5 cm und schmaler.

Vorkommen/Epidemiologie

  • Ca. 2,5 Millionen Menschen weltweit infiziert (WHO), vor allem in Gebieten mit entsprechenden Ernährungsgewohnheiten: im Nildelta, Peru, Kuba, Frankreich, Naher Osten, weitere europäische Länder wie Deutschland, Österreich, Schweiz, ebenso in Mittel- und Südamerika, Afrika und Asien.
  • Fasciola gigantica: Gambia, Vietnam, Laos, Irak, Usbekistan, Hawaii.

Ätiopathogenese

  • Die Adulten leben vorwiegend in den Gallenwegen und produzieren dort Eier, die dann durch den Darm mit dem Stuhl ausgeschieden werden; aus den Eiern schlüpfen nach einer 1-2-wöchigen Reifung Mirazidien, die in die Zwischenwirtsschnecken der Gattung Lymnaeidae eindringen. Dort reifen die Mirazidien zu Zerkarien, die entzystieren und die Schnecke verlassen. An Gräsern können die Metazerkarien über eine lange Zeit persistieren und vom Endwirt aufgenommen werden. Dort exzystieren die Larven im Duodenum, penetrieren die Darmwand, dringen über die Bauchhöhle in die Leberkapsel ein und wandern in die Gallengänge, wo sie zu Adulten heranreifen.
  • Präpatenzzeit bis zur Eiausscheidung: 3-4 Monate.
  • Lebensdauer der Adulten in Rindern und Schafen: 3-5 Jahre.

Lokalisation

Leberparenchym, Gallenwege und Gallenblase; ektope Lokalisationen wie z.B. Nasenpharynx.

Klinisches Bild

  • Integument: Ikterus und gelegentlich Urtikariaschübe. Im Vordergrund stehen die extrakutanen Manifestationen.
  • Extrakutane Manifestationen:
    • Akutes Stadium: oftmals asymptomatisch; bei vielen Larven: nach Inkubationszeit von 2-6 Wochen Fieber, rechtsseitige und epigastrische Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, vergrößerte, druckdolente Leber, rechts basale Lungeninfiltrate.
    • Chonisches Stadium: nach variablem Intervall von Tagen, Monaten bis Jahren nach Infektion chronische oder intermittierend auftretende Entzündungen und Obstruktionen der Gallengänge mit anhaltenden oder kolikartigen Schmerzen, Fieber, Nausea, Erbrechen und ikterischen Episoden.

Labor

Leukozytose; Eosinophilie, Leberenzym- und Cholestaseparametererhöhung.

Diagnose

  • Einachweis im Stuhl, Gallensaft und Punktaten (Eier 130-160 x 60-90 µm, hellbraun, Deckel, bei Ablage noch unreif); oftmals ist ein Nachweis erst nach Anreicherungsverfahren möglich, am besten mittels Sedimentation größerer Stuhlmengen. Gallensaftgewinnung nach Stimulation mit Magnesiumsulfat oder Cholezystokinin. Enterotest, Eier sind von denen des Darmegels Fasciolopsis buski kaum zu unterscheiden.
  • Zufälliger Einachweis im Stuhl: Verzehr von infizierter Leber von Schlachttieren ausschließen.
  • ELISA: Kreuzreaktionen mit Antigenen von anderen Trematoden sind möglich.
  • Bildgebung: Sonographie; im CT: multiple hypodense Areale, Gallengangsdilatation, -wandverdickung; weiterhin PTC, ERCP, Laparaskopie.

Differentialdiagnose

Clonorchiasis; Opisthorchiasis; Bilharziose (Schistosomiasis); Echinokokkose; Virushepatitis; Cholelithiasis; Tumoren.

Komplikation

  • Bakterielle Sekundärinfektionen der Gallenwege
  • Leberabszesse
  • Aberrante Migration einzelner Egel zu ektopen Lokalisationen.

Therapie

  • Triclabendazol: Einmaldosis 10 mg/kg KG/Tag postprandial.
  • Alternativ Biothionol (Lorothidol, Bitin [über die internationale Apotheke zu beziehen]): 30-50 mg/kg KG/Tag in 3 ED jeden zweiten Tag, jeweils abwechselnd mit einem behandlungsfreiem Tag. 5-15 Behandlungstage.
  • Bei asymptomatischen Fällen: Spontanabgang abwarten (innerhalb von 12 Monaten nach infektion).

Verlauf/Prognose

Gut, außer bei extrem starken Infektionen und schwerwiegenden Komplikationen. Spontanheilung durch eine meist frühzeitge Ausstoßung oder ein Absterben der Adulten, die zum Teil verkalken, ist möglich.

Prophylaxe

  • Bei feuchten Schaf- und Rinderweiden: Meiden von Wasserkresse, Halmen von Uferpflanzen und Fallobst.
  • Chemische und biologische Schneckenbekämpfungsmaßnahmen, z.B. Entenhaltung, Senkung des Grundwasserspiegels.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Arauco R et al. (2007) Human fascioliasis: a case of hyperinfection and an update for clinicians. Foodborne Pathog Dis 4: 305-312
  2. Barduagni P, Hassanein Y et al. (2007) Use of triclabendazole for treatment of patients co-infected by Fasciola spp. and S. mansonii in Behera Governorate, Egypt. Parasitol Res
  3. Haswell-Elkins MR, Levri E (2003) Food-borne Trematodes. In: Cook GC, Zumla A Manson´s Tropical diseases. WB Saunders, 21st Edition, S. 1474-1478

Verweisende Artikel (3)

Biothionol; Fasciolopsiasis; Paragonimiasis;

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