Faltenbehandlung

Zuletzt aktualisiert am: 20.11.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Allgemeine Definition

  • Facemodelling:
    Entfernung von störenden Fettansammlungen im unteren Wangen- und unteren Kinnbereich, speziell bei Patienten im Alter von 18-25 Jahren, mit Hilfe der Liposuktion. Durch einen kleinen Schnitt (3-5 mm) oder mit Hilfe von Kanülen wird zunächst mit einer Tumeszenzlokalanästhesie unterspritzt. Anschließend wird eine feine Kanüle eingeführt, die vor Ort die Fettzellen sorgfältig absaugt. Um nachhaltige Hautunebenheiten zu vermeiden und eine zukünftige glatte Hautoberfläche zu erzielen, ist die Verwendung von Feinstkanülen (Durchmesser 2,0 mm/3,0 mm) besonders wichtig.
  • Liposuktion (Gesicht):
    Durch Einschnitte direkt unter den Ohrläppchen und unter dem Kinn lässt sich das Fett bis zur unteren Hälfte der Wangenregion absaugen. Eine Woche lang muss eine Kinnbinde als Druckverband getragen werden. Schwellungen und Blutergüsse halten rund zwei bis drei Wochen an.
  • Liposuktion (Hals und Nacken):
    Bei Fettpolstern an Hals und Nacken können diese Liposuktion remodelliert werden. Diese Indikation kann aber nur durch sehr erfahrene Operateure durchgeführt werden. Die kleinen Einschnitte für die Kanülen liegen unter den Ohrläppchen, unter dem Kinn, im Nacken an der Haargrenze. Druckverband für eine Woche.
  • Faltenbehandlung mit Füllmaterialien:
    Das ideale Füllmaterial ist biokompatibel, ohne allergenes Potential, hat ein gutes Langzeitergebnis, keine Nebenwirkungen und ein natürliches Aussehen. Es sollte außerdem elastische Fasern im Bindegewebe stimulieren, keinen Arbeitsausfall für den Patienten bedeuten und kosteneffektiv sein. Die zur Verfügung stehenden Materialien unterscheiden sich durch den mit ihnen zu erzielenden Auffülleffekt, durch die Langzeit- und die Nebenwirkungen. Die Resultate nach der Implantation von biologischen Materialien sind zeitlich begrenzt. Synthetische Füllmaterialien haben zwar ein gutes Langzeitergebnis, aber beinhalten auch ein höheres Risiko einer Fremdkörperreaktion, die äußerst schwer zu therapieren ist.
  • Implantation von Gewebeersatzmitteln:
    Für die Korrektur der Faltenbildung stehen, je nach Lokalisation, verschiedene Methoden zur Verfügung. Im Bereich der Hautfalten kommt es zu einer Ausdünnung der Lederhaut, so dass eine Verbesserung nur durch Unterspritzung oder Straffung erreichbar ist. Im Folgenden werden verschiedene mögliche Verfahren aufgelistet:
    • Implantation von Eigenfett.
    • Implantation von Dermisfettstreifen:
      Die Dermis-Fett-Transplantate gehören zu den freien Transplantaten, die ausschließlich vom ortsständigen Gefäßanschluss versorgt werden. Soll der gesamte Lippenbereich harmonisiert werden, wird bei einem leichten operativen Eingriff ein schmaler Dermis-Fett-Streifen (z.B. präaurikulär entnommen) durch eine Inzision im Mundwinkel in die Lippen eingeführt. Um einen Dermis-Fettstreifen zu erhalten, wird präoperativ in dem ausgewählten Bereich die Epidermis mit einem Dermabrasionsgerät abgeschliffen. Nachträglich folgt die Exzision. Vorteil: Keine Allergie, lange Haltbarkeit.
      Nachteil: Ggf. fühlbare Verhärtung, nicht auszuschließende Gefahr des Wanderns.
    • Implantation von denaturiertem Kollagen und Polymethylmethacrylaten (z.B. Artecoll): Dieses Implantat beinhaltet zwei Komponenten: Zunächst ist ein Kollagen enthalten, das die organische Phase des Implantates ist und die Substratlösung des zweiten Produktes darstellt. Die zweite Komponente ist  PMMA (Polymethylmethacrylat) und in Form von Mikrosphären mit einem durchschnittlichen Durchmesser von 30 μm enthalten. Da Artecoll Kollagen enthält, muss, wie bei allen anderen Materialien aus bovinem Kollagen, ein Hauttest mindestens 4 Wochen vor der Behandlung durchgeführt werden. Testregion ist die volare Unterarmseite. Cave! Fremdkörperreaktion. Indikation: Tiefe Nasolabialfalten, Kinnfalten, hängende Mundwinkel, senkrechte Glabelfalte und dehnbare, weiche Narben. Nicht indiziert: Bei dünner, atrophischer Haut, Falten im Periorbitalbereich, Ice-pick.
      Injektionstechnik: 25-27 Gauge Kanüle; Platzierung in die retikuläre Dermis; bei zu oberflächlicher Injektion kommt es zur permanenten Überkorrektur, lividen Verfärbungen und Knötchenbildung. Bei subdermaler Injektion von zu großen Mengen kann es zu Lipogranulomen kommen. Optimal ist die Anwendung der Mikro-Droplet-Technik zur Injektion: kleinste Mengen werden in die untere Dermis im Abstand von 1-2 mm unter die Falte injiziert. Korrekturen sollten erst nach 8 Wochen durchgeführt werden. Der bleibende Effekt durch permanente Gewebevermehrung wird von einigen Autoren als Vorteil angesehen; die Mehrzahl der Behandler steht den Dauerimplantaten in Form von Acryl-Perlen jedoch ablehnend gegenüber.
    • Hyaluronsäure:
      Injizierbare Polysaccharide, die dermal und subkutan appliziert werden können. Diese Polymere sollen regenerative Prozesse des Bindegewebes unterstützen bzw. beeinflussen. Dieser Vorgang wird als Matrixengineering bezeichnet. Injizierbare Hyaluronsäure wird aus Hahnenkämmen (z.B. Hylaform) oder gentechnisch aus Bakterienkulturen gewonnen (z.B. Restylane). Allergische Reaktionen gegen Hyaluronsäure sind nicht bekannt, daher ist keine Allergen-Testung vor der Korrekturbehandlung notwendig. Für die Lagerung der Präparate ist Raumtemperatur ausreichend.
      Indikationen sind z.B. oberflächliche narbige Zustände und altersbedingte Falten. Kombination mit anderen Injektionsmaterialien ist möglich (Sandwichtechnik). Injektionstechnik: Injektion mit 30 Gauge Nadeln in die mittlere Dermis ohne Überkorrektur. Beide Injektionstechniken können verwandt werden: Punktuelle sowie lineare (Tunneltechnik). Durch nachträgliche Massage kann das Gel verteilt werden. Die Wirkung hält erfahrungsgemäß etwa 6-8 Monate an (Hyaluronsäure wird mit der Zeit vollständig abgebaut), dann muss die Behandlung ggf. wiederholt werden.
    • Poly-L-Milchsäure (z.B. New-Fill): Im Vergleich mit anderen komplett abbaubaren Gewebeersatzmitteln bewirkt Polymilchsäure nicht nur die vollständige Auffüllung des Gewebes, sondern induziert zusätzlich auch die Neubildung von Kollagenfasern, so dass insgesamt vergleichsweise lange Wirksamkeit besteht (bis zu 2 Jahre). Während sich das Milchsäure-Gel langsam abbaut, wächst somit auch weiches gesundes Bindegewebe nach. Meist sind 2 Behandlungen im Abstand von 4-6 Wochen erforderlich. Allergische Reaktionen gegen die vollständig synthetisch hergestellte Poly-L-Milchsäure sind nicht bekannt, daher ist keine Allergen-Testung vor der Korrekturbehandlung notwendig.
    • Gore-Tex: Die Anforderungskriterien für Implantationsmaterialien wie leicht modellierbar, nicht karzinogen, keine allergene Potenz, leichte Entfernbarkeit, Gewebe-integriert, biokompatibel, vielseitige Verwendbarkeit und Verfügbarkeit in ausreichender Menge, wurde von Polytetrafluorethylen (Gore-Tex) erfüllt.
      Abhängig von der Gore-Tex Form gibt es verschiedene Techniken. Bei Gore-Tex-Platten sollten die Implantate flächenhaft aufeinandergelegt werden. Zum Lippenrotaufbau werden Gore-Tex-Fäden mit Nadeln perkutan in Taschen eingeführt. Bedingt durch das poröse Material kann es ggf. zu Infektionen und Eiterungen kommen, die nur durch eine Entfernung behoben werden können. Nach 3-4 Monaten kann wieder neues Material eingesetzt werden.
  • Injektion von neurotoxischen Substanzen (Botulinum-Toxin):
    Die seit den 60iger Jahren eingeführte Behandlung der Mimikfalten gewinnt zunehmend in den letzten Jahren an Popularität.
    Durch eine neurotoxische Denervierung von bestimmten Muskeln können Mimikfalten reversibel ausgeschaltet werden. Dieses therapeutische Vorgehen ist in Deutschland u.a. bei idiopathischem Blepharospasmus, Torticollis spasmodicus, Spitzfußstellung (Equinovalgus-Deformität), herdförmiger Spastizität der Hand bzw. des Handgelenkes, Hyperhidrosis axillaris zugelassen und bei der Behandlung von Falten weit verbreitet. Der Effekt tritt nach 48-72 Std. ein; Maximum nach 1-2 Wochen; Dauer: 4-6 Monate. Seit dem 1.3.2006 ist das Präparat "Vistabel" zur Behandlung der Glabellafalten zugelassen.
    Es gibt keinen Anhalt für permanente degenerative oder atrophische Veränderungen, trotz multipler Injektionen über einen längeren Zeitraum.
    • Verdünnung von 100 U Botox (Off-Label-Use): Vorsichtige Zugabe von 5 ml NaCl-Lösung. Folglich erhält man pro 0,1 ml 2 U Botox. Gebrauchsfertige Lösungen können bei 4-8 °C bis zu 5 Wochen ohne Wirkungsverlust gelagert werden (zu diesem Thema sind sich Autoren wie Operateure noch nicht einig).
    • Verdünnung von 500 U Dysport: Vorsichtige Zugabe von 2,5 ml NaCl-Lösung, so dass sich die gewünschte Lösung von 20 U pro 0,1 ml ergibt. Diese Lösung kann zu einer Lösung, die 10 U/0,1 ml enthält, verdünnt werden. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: 2,5 ml der Dysport-Stammlösung werden mit 2,5 ml NaCl in einer zusätzlichen 5 ml Spritze aufgefüllt. Diese wird dann in 1 ml Spritzen mit 0,1 ml Skalierung umgefüllt und direkt zur Injektion verwendet. Alternativ: Von der Dysport-Stammlösung werden 0,5 ml in eine 1 ml Spritze mit 0,5 ml NaCl aufgefüllt. Ausreichend ist eine oberflächliche Injektion mit einer 30 Gauge Nadel anstelle der so oft beschriebenen Technik "durch den Muskel bis zum Periost vorschieben und dann etwas zurückziehen", denn nach Verstreichen der Injektionsmenge infiltriert diese in die Subkutis. Oberhalb der Augenbrauen sollte auf ein Verstreichen der Injektionsflüssigkeit verzichtet werden, um die Ausbildung einer Ptosis zu minimieren. Injektionsmengen: Botox: 2-5 U pro Injektionsstelle (Maximaldosis: 100 U)  Dysport: 10 U pro Injektionsstelle (Maximaldosis: 230 U).

 

Hinweis(e)

Merke! Präoperativ: Aufklärung über Nebenwirkungen (Ptosis der Augenbrauen und des Oberlids, Einblutungen an den Einstichstellen, Druckgefühl im Stirnbereich, Diplopie). Die Nebenwirkungen sind vorübergehender Natur, d.h. Tage bis mehrere Wochen anhaltend. Den Patienten bitten, die zu behandelnden Muskeln zu aktivieren um das optimale Injektionsgebiet zu lokalisieren.

Weiterführende Artikel (3)

Botulinumtoxin A; Hyperhidrosis axillaris; Off-Label-Use;
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