Exsikkationsdermatitis L30.8

Zuletzt aktualisiert am: 08.10.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Asteatosis cutis; asteatotic eczema; asteatotisches Ekzem; Austrocknungsekzem; Dermatitis asteatotica; Desiccation dermatitis; Eczema craquelé; Exsikkation; Exsikkationsdermatitis; Exsikkationsekzem; Exsikkationsekzematid; Hauttrockenheit; trockene Haut; Winter eczema; Winter itch; Xerose; Xerosis; Xerotisches Ekzem

Erstbeschreiber

Brocq, 1907

Definition

Chronisches Ekzem auf dem Boden einer extrem trockenen Haut bei Sebostase, insbes. bei älteren Patienten, bei falscher, übertriebener Körperpflege oder als Medikamentennebenwirkungen (s.u. Arzneimittelreaktion, unerwünschte).

Vorkommen/Epidemiologie

Kein Gender-Bias; die Anlage "trockene Haut" ist anlagebedingt, bleibt  in den ersten Lebensjahrzehnten i.A. symptomlos bzw. nicht behandlungsbedürftig. Therapiebedürftigkeit stellt sich bei entsprechend Disponierten in der zweiten Lebenshälfte in zunehmendem Maße ein. Hierbei trifft eine zunehmende altersinduzierte Hauttrockenheit auf ein seit frühester Jugend eintrainiertes Waschritual mit Ganzkörperabseifungen mittels Flüssigsyndets. Langwährende und heiße Bäder verstärken den austrocknenden Effekt auf die Haut. Betroffen durch eine vermehrte, rieselnde ansonsten wenig symptomatische Schuppung sind hierbei zunächst Unterschenkel und Unterarme, später auch der Körperstamm. Die zunhemende Austrockung des Integuments wird dann symptomatisch mit unangenehmem Spannungsgefühl "man fühlt sich in seiner Haut nicht mehr wohl".     

Ätiopathogenese

Austrocknung oder Zerstörung des natürlichen Hautschutzes z.B. nach übermäßigem Gebrauch von Seifen oder Duschmitteln in der täglichen Körperpflege. Seltener verursacht durch Mangelernährung, vulgäre Ichthyose, Anorexia nervosa, neurologische Grunderkrankungen (z.B. bei Alkoholabusus) oder nach systemischen medikamentösen Therapien (z.B. Isotretinoin, Indinavir, Bevacizumab).

Manifestation

Meist bei älteren Männern nach dem 60. LJ auftretend. Auch bei jüngeren Menschen auftretend z.B. durch Einnahme die Haut exsikkierende Medikamente wie Isotretinoin oder durch dauerhaften Gebrauch von Diuretika. Weiterhin leiden atopische Patienten oder Pat. mit Ichthyosen unter trockener Haut, die bei fehlenden Therapiemaßnahmen ebenfalls zu einer Austrocknung des Integumentes führen können. Die Zeichen der Exsikkation verschlimmern sich meistens im Winter oder werden während dieser Jahreszeit manifest. .

Lokalisation

Unterschenkel (insbes. prätibial), Streckseiten der Arme, Stamm.

Klinisches Bild

Trockene, großflächige, unterschiedlich juckende, gelegentlich schmerzhafte, teils feinlamellär, teils auch groblamellär schuppende, stellenweise auch gerötete Areale mit oberflächlichen, netzartig gemusterten Einrissen oder Fissuren. Häufig Kratzexkoriationen oder oberflächliche Blutungen. Gelegentlich Dysästhesien. Das Bild der Haut erinnert an ein ausgetrocknetes Flussbett mit tiefen Einrissen oder an gesprungenes Porzellan und ist während der Wintermonate stärker ausgeprägt als in der warmen Jahreszeit. Mit zunehmender Erkrankungsdauer entwickeln sich münzförmige, rötlich-bräunliche, schuppende, infiltrierte Plaques.

Differentialdiagnose

Abzugrenzen ist das Exikkationsekzem von:

  • Staungsdermatitis (Ausschluß einer chronischen venösen Insuffizienz)r
  • Nummulärer Dermatitis (Mikrobielles Ekzem); chronifizierte nummuläre Plaques!
  • Allergische oder toxische Kontaktdermatitis (Anamnese)
  • Scabies 

 

Therapie allgemein

Aufklärung des Patienten: Änderung der Dusch- und Badegewohnheiten, Konstanthaltung der Luftfeuchtigkeit, Meiden von Wollkleidung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Externe Therapie

Rückfettung der Haut durch Externa wie z.B. Basiscreme (DAC), Eucerin cum aq., Asche Basis Creme, Linola Milch. Äußerst sparsames Verwenden von Reinigungsmitteln wie Syndets oder Seifen. Stattdessen milde Reinigung der Körperhaut mit hydrophilen Körperölen. Hiermit wird ein ausreichender Reinigungseffekt erzielt bei gleichzeitiger nachfettender Körperpflege. Statt hydrophilen Ölen können auch O/W- Emulsionen verwendet werden, z.B. Basislotion oder handelsübliche Emulsionen wie z.B. Abitima Körperlotion, Excipial U Hydrolotio, Sebamed Lotion. Haut kurz abduschen, Emulsion auf die feuchte Haut auftragen und verteilen, erneut kurz abduschen, der verbleibende Emulsionsfilm wird nicht als unangenehm empfunden. Hautberuhigend und rückfettend wirken zudem Ölbäder wie z.B. das "Kleopatra-Bad" , Ölbad Cordes, Linola Fett N Ölbad, Balneum Hermal Ölbad).

Hilfreich und gut verträglich sind i.d.R. auch 2-10% Harnstoffpräparate (Excipial U Lipolotio, Basodexan Softcreme/Fettcreme, Linola Urea Creme, Nubral Creme oder als Rezeptur: Harnstoff-Cetomacrogolsalbe 10% bzw. Harnstoff 5% in Unguentum emulsificans aquosum). Alternativ: Dexpanthenol-haltige Salben z.B. R065 ).

In schweren Fällen und bei anhaltendem Juckreiz schwach bis mittelstark wirksame Glukokortikoid-haltige Externa kurzfristig anwenden (z.B. Laticort Creme/Salbe, Linola H Fett, Advantan Salbe/Fettsalbe, Dermatop Salbe/Fettsalbe).

Interne Therapie

Antihistaminika wie Desloratadin (z.B. Aerius 1–2 Tbl./Tag) oder Levocetirizin (z.B. Xusal 1–2 Filmtbl./Tag).

Hinweis(e)

Zu unterscheiden ist die anlagebedingte Hautaustrocknung von analogen Exsikkationsbilder, den Pseudoichthyosen oder auch Ichthyosis acquisita, die bei finalen Tumorleiden, hinfälligen alten Menschen, bei Dialyse-Pflichtigen, HIV-Infizierten sowie nach Einnahme bestimmter Medikamente auftreten (Lipidsenker, Psychopharmaka, Cimetidin, Clofazimin; IsotretinoinIndinavirBevacizumab).    

Literatur
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  1. Akimoto K et al. (1993) Quantitative analysis of stratum corneum lipids in xerosis and asteatotic eczema. J Dermatol 20: 1-6
  2. Bhushan M et al. (2001) Eczema craquele resulting from acute oedema: a report of seven cases. Br J Dermatol 145: 355-357
  3. Brocq LAJ (1907) Traité élémentaire de dermatologie pratique comprenant les syphilides cutanées. Octave Douin (Paris)
  4. Calista D, Boschini A (2000) Cutaneous side effects induced by indinavir. Eur J Dermatol 10: 292-296
  5. Ishiguro N et al. (2001) Linear erythema craquele due to acute oedema in anorexia nervosa. Br J Dermatol 145: 357-359
  6. Norman RA (2003) Xerosis and pruritus in the elderly: recognition and management. Dermatol Ther 16: 254-259
  7. Yu RJ et al. (2001) Objective bioengineering methods to assess the effects of moisturizers on xerotic leg skin of elderly people. Dermatolog Treat 12: 181

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