Exfoliatio areata linguae K14.1

Zuletzt aktualisiert am: 19.01.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

benign migratory glossitis; benign migratory stomatitis; Exfoliatio areata dolorosa; Exfoliatio linguae et mucosae oris; Exfoliativa areata dolorosa; Exfoliativa linguae et mucosa oris; geographic tongue; Glossitis areata exsudativa; Glossitis exfoliativa marginata; Glossitis geographica; Glossitis migrans; Landkartenzunge; Lingua geographica; Stomatitis areata migrans; wandering rash of the tongue; Wanderplaques

Definition

Selbstlimitierende, chronisch-exfoliative, über die Zungenschleimhaut wandernde, oberflächliche Epithelablösungen, die sich zu anulären oder polyzyklischen Figuren formieren ("wandering rash; Wanderplaques").

Vorkommen/Epidemiologie

In zahnärztlichen Kollektiven werden Prävalenzen zwischen 0,6 und 9,8% mitgeteilt. Andere Prävalenzzahlen werden mit 1 - 3% angegeben. Keine gesicherte Geschlechtspräferenz.

Ätiopathogenese

  • Ungeklärt. Anazidität des Magens, Gastritiden, nutritive Faktoren sowie psychogene, neurohumorale und genetische Faktoren werden diskutiert.
  • Kombination mit Lingua plicata ist häufig. Versch. Autoren sehen die Wanderplaques als Vorläuferstadium der Lingua plicata.
  • Die Glossitis mediana rhombica wird als Variante der Wanderplaques betrachtet. 
  • Auch bei Streptokokken-Infekten oder Candida-Infektion sowie bei Patienten mit Psoriasis (Psoriasis pustulosa) oder Atopie auftretend.
  • Nicht selten werden im Rahmen einer oralen Toxizität von Tyrosinkinaseinhibitoren Wanderplaques als Nebenwirkungen beobachtet.

Manifestation

Bei Kleinkindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Klinisches Bild

Wandernde Abschilferung der obersten Epitheldecke der Zungenschleimhaut. Hierdurch entstehen anuläre, girlandenförmige oder auch landkartenförmige, belagfreie (Abstoßung der hypertrophen Papillen der Zungoberfläche), sattrote (nackte) Plaques, die von einem aufgeworfenen und weißlich verquollenen, fetzigen Randsaum begrenzt werden. Nach einer mehrmonatigen Latenz regenerieren sich die abgestoßenen Papillen erneut. Die Zungenoberfläche erscheint wieder normal. Evtl. Zungenbrennen.

Histologie

Epithelverschmälerung im Zentrum der Herde, Epithelverbreiterung im Randgebiet. Entzündliche Zellinfiltrate, Ödem, Schwund der elastischen Fasern.

Differentialdiagnose

Glossitis bei perniziöser Anämie; Anulus migrans bei Psoriasis pustulosa generalisata.

Therapie

Verlauf/Prognose

Obwohl harmlos ist die Erkrankung ungemein lästig und durch gelegentliches Zungenbrennen gekennzeichnet. Spontane Abheilungen sind häufig, lebenslange Persistenz möglich. 

Literatur
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  1. Ching V et al. (2012)  Increased prevalence of geographic tongue in burning mouth complaints: a retrospective study. Oral Surg Oral Med OralPathol Oral Radiol 114:444-448
  2. Dreyer LN et al. (2012) Oral manifestations of psoriasis. Clinical presentationand management. N Y State Dent J 78:14-18
  3. Gupta T et al. (2014) Medical image. A benign glossal lesion. Geographic tongue.N Z Med J 127:88-90
  4. Pass B et al. (2005)  Geographic tongue: literature review and casereports. Dent Today 54: 56-57
  5. Sibaud V et al. (2014) Oral toxicity of targeted anticancer therapies. Ann Dermatol Venereol 141:354-363
  6. Tarakji B et al.(2014)  Relation between psoriasis and geographic tongue. J Clin Diagn Res 8: ZE06-07

 

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