Erythrodermie (Übersicht) L53.92

Zuletzt aktualisiert am: 19.06.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Alle Autoren

Erstbeschreiber

Hebra, 1868

Definition

Deskriptiver Begriff für eine universelle Rötung der Haut (Befall von > 90% des Hautorgans), meist mit ausgeprägter Schuppenbildung, intensivem Juckreiz (> 90% der Patienten), selten mit Nässen. Die Erythrodermie ist ein schwer wiegendes Zustandsbild der Haut mit erheblichen Auswirkungen auf den Gesamtorganismus. Ein Rückschluss auf eine zugrunde liegende Erkrankung ist aus dem erythrodermischen Zustand per se nicht abzuleiten.

Als klinische Sonderfälle sind Patienten mit einer neonatalen Erythrodermie anzusehen, da dieser Zustand bei Neugeborenen und jungen Säuglingen wegen Wärmeverlust, transepidermalem Wasserverlust, Gefahr der transkutanen Infektion, potenziell lebensbedrohlich ist.

Einteilung

Erythrodermien werden unterschieden in primäre (Entstehung de novo) und sekundäre Erythrodermien (Entstehung auf dem Boden einer präexistenten Erkrankung).

Manifestation

Geschlechtsverteilung: Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Durchschnittliches Erkrankungsalter: 50.-60. LJ.

Histologie

Die diagnostische Wertigkeit einer histologischen Untersuchung muss differenziert betrachtet werden. Häufig ist das histologische Ergebnis uncharakteristisch. Bei den angeborenen Erythrodermien ist die histologische Untersuchung u.U. diagnostisch wegweisend. Lymphome der Haut können eindeutig diagnostiziert werden. Bei den sekundären Erythrodermien können sich Hinweise auf die Grunderkrankung ergeben.

Komplikation

Für die Haut und den Gesamtorganismus stellt eine Erythrodermie, unabhängig von der verursachenden Grunderkrankung, eine erhebliche Belastung dar, insbes. durch:
  • Deutlich erhöhte Hautdurchblutung mit konsekutiver Herz-Kreislauf-Belastung.
  • Exzessiv erhöhte Wärmeabstrahlung (ständiges Frieren des Patienten).
  • Störung der Hautbarrierre mit erhöhtem Flussigkeitsverlust.
  • Erhöhte Desquamation mit gesteigertem Verlust an Albumin und Proteinen.
  • Unspezifische Störung der immunologischen Abwehr mit gesteigerter Infektneigung.

Therapie

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Borrás-Blasco J et al. (2001) Erythrodermia induced by omeprazole. Int J Clin Pharmacol Ther 39:219 w23. 
  2. Iliescu V et al.(1997) Erythrodermia sézary with immunological deficiency and antibodies against human albumin. Acta Med Scand 197(1-2):141-144. Kiessling W et al.(1959) Melano-erythrodermia with cachexia. Arch Klin Exp Dermatol 208:579-591.
  3. Mori S et al. (1988)  Postoperative erythrodermia (POED), a type of graft-versus-host reaction (GVHR)? Pathol Res Pract 184:53-59. 
  4. O'DONOVAN WJ (1950)Exfoliative erythrodermia with lymphadenopathy. Proc R Soc Med.  43:563-564.
  5. Oztas P et al. (2006) Imatinib-induced erythrodermia in a patient with chronic myeloid leukemia. Acta Derm Venereol 86:174-175.
  6. Sequeira JH (1919) Case of Erythrodermia with Lymphatic Leukaemia. Proc R Soc Med.12(Dermatol Sect):54-56.
  7. Wigley JE (10947) Exfoliative Erythrodermia with Marked Pigmentation. Proc R Soc Med 40:246-247.

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 19.06.2018