Erythem L53.91

Zuletzt aktualisiert am: 19.06.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Definition

  • Umschriebener, unterschiedlich großer, polyätiologischer (exogen oder endogen ausgelöst) solitärer, scharf oder unscharf begrenzter, blass- bis sattroter oder bläulich-livider, normothermer oder hyperthermer bzw. seltener auch hypothermer, roter, anämisierbarer Fleck. Ein Erythem unterscheidet sich nach Farbe, Größe, Anordnung und stellt sich als Kontrast zur nicht geröteten, hellen Umgebung dar und ist auch nur durch diese Kontrastierung wahrnehmbar. Bei einer universellen Rötung, einer Erythrodermie fehlt naturgemäß die Kontrastierung zu einer normalen Umgebung.
  • Weiterhin sind grundsätzlich bei der Beurteilung eines solitären Erythems oder bei multiplen Erythemen verschiedene klinische Aspekte zu berücksichtigen und diagnostisch zu bewerten. Dies sind insbes.:
    • Größe
    • Anzahl und Verteilung (solitär, multipel, gruppiert, disseminiert, exanthematisch, universell)
    • Dynamik (statisch, akut flüchtig, akut persistierend, chronisch persistierend, Crescendoreaktion mit ansteigender Dynamik, Wellendynamik mit ansteigender Phase, Plateauphase und Decrescendophase)
    • Anordnung und Form (gyriert, herpetiform, serpiginös, in Blaschko-Linien, segmental, anulär, schießscheiben- bzw. kokardenartig, polymorph, netzartig, durch exogenen Auslöser definiert, zufällig)
    • Strukturelle und funktionelle Zuordnung (follikulär, Schweißdrüsen, Talgdrüsen, Kontaktstellen, textilbedeckt, heliotrop, zufällig)
    • Topographische Zuordnung (versch. Körperregionen, Felderhaut, Leistenhaut, Gesicht, Nase, Ohrmuschel, Capillitium, intertriginös)
    • Begrenzung (scharfrandig, unscharf, bogig, zackig, zufällig)
    • Farbe (mattrot, hellrot, sattrot, hämorrhagisch [Übergang zur Purpura], blaurot)
    • Temperatur (hypo-, normo-, hypertherm)
    • Konsistenz (unverändert, leicht bis mäßig erhöht [palpables Erythem als Übergang zur Papel])
    • Symptomatik (milder Juckreiz, starker Juckreiz, brennender Juckreiz, Schmerz)
    • Vergesellschaftung mit Stoffwechselerkrankungen, Schwangerschaft, malignen Tumoren, Autoimmunerkrankungen
    • Exogene Auslösung: Physikalisch (Kälte, Wärme, Druck, UV-Strahlen), biochemisch (Anstrengung, Wasser, Irritanzien), allergisch (Kontaktallergene), bakterielle oder mykotische Infektionen.
    • Endogene Auslösung: bakterielle, virale, mykotische Infekte, UAW (Arzneimittelreaktionen), Nahrungsmittelallergien
    • Vergesellschaftung mit Fieber und/oder sonstigen Allgemeinsymptomen (Arthralgien, intestinale Symptome, Abgeschlagenheit).
  • Weiterhin ist zu unterscheiden zwischen einem solitären Erythem und Erythemen als Teilsymptom einer generalisierten oder exanthematischen Erkrankung (z.B. Arzneimittelexanthem oder klassische Infektionskrankheiten). Diese Unterscheidung ist in den meisten Fällen blickdiagnostisch möglich. Sie ist für den weiteren Untersuchungsgang (ausschließlich regionale Untersuchung oder Ganzkörperuntersuchung) von großer Bedeutung. Ein weiterer wegweisender, blickdiagnostisch zu erfassender Aspekt ist die Heliotropie eines Erythems, die Dynamik eines Erythems (akut oder persistierend) sowie die Beurteilung des Allgemeinzustandes bei Exanthemen.

Hinweis(e)

Ein "roter Fleck" ist eine häufige Symptomenkonstellation, seine Erkennung höchst einfach. Und doch bedarf diese "einfache Konstellation" einer wichtigen und diagnostisch weiterführenden Untersuchung. Es ist die klinische Entscheidung, ob ein roter Fleck anämisierbar ist oder nicht. Es ist aus differentialdiagnostischen Gründen grundsätzlich notwendig, die roten, anämisierbaren Flecken, also die Erytheme, von den dermalen hämorrhagischen Erkrankungen (rote nicht anämisierbare Flecken) abzutrennen. Dem nicht anämisierbaren roten Fleck liegt ein Hämatom der Haut, eine Purpura zugrunde. Die Diagnose "Purpura" bedingt eine grundsätzlich andere Untersuchungskaskade als die Diagnose "Erythem". Somit ist zur Beurteilung eines roten Flecks diese höchst einfache Untersuchung, die mittels Glasspatel oder noch einfacher mittels Fingerkompression durchgeführt werden kann, zwingend notwendig.

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

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