Erysipeloid A26.0

Zuletzt aktualisiert am: 31.10.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Erythema migrans; Fischhändlerrotlauf; Fischrose; Fish-handler`s disease; Pseudoerysipel; Rosenbachsche Krankheit; Rotlauf; Schweinerotlauf; Schweinerotlaufinfektion des Menschen

Erstbeschreiber

Baker, 1873; Rosenbach, 1887; Klauder, 1926

Definition

Bakterielle Zoonose, bei der der Erreger Erysipelotrix rhusipathiae über Kontakt infizierter Wirbeltiere (z.B. Schweine = Schweinrotlauf), Salzwasserfischen, Krabbeen, Schalentieren  oder Gefügel (v.a.Puten) übertragen wird. Die Infektion ist ausschließlich auf Kontaktpersonen begrenzt (Fischer, Fleischer, Hausfrauen). Sie erfolgen meist in den Sommermonaten. Epidemien sind bei Krabbenfischer (crab dermatitis) bekannt. 

Erreger

Grampositives Bakterium: Erysipelothrix rhusiopathiae (Erysipelothrix insidiosa). Aus Biopsiematerial gelingt der kulturelle Nachweis. Ebenso aus Gewebeflüssigkeit, oder aus Proben die Skarifikation der Randpartien gewonnen wurden. 

Ätiopathogenese

Infektion durch Kontakt mit Schweinefleisch, Wild, Fisch. Auch nach Bissen durch Tiere, z.B. Katzenbissen (Kobayashi KI et al. 2019).

Manifestation

Vor allem bei Fleischern, Hausfrauen, Fischern auftretend. 

Lokalisation

Vor allem Hände.

Klinisches Bild

Nach einer Inkubationszeit von 3-8 Tagen, entwickeln sich an der/den Inokulationsstellen (eines oder) mehrere 2,0 - 5,0 cm große, mäßig schmerzhafte oder nur leicht spannende, livide Flecken/Plaques, die eine Tendenz zur zentrifugalen Ausdehnung aufweisen. Das betroffene Areal ist durch die aktiven Progressionszonen bogenförmig begrenzt. Zentral kommt es zur Abheilung.  Es fehlen im Gegensatz zum Erysipel die flammenartigen Randbegrenzungen sowie die Akuität des Erysipels. Meist bleibt die Infektion auf ein  umschriebenes Gebiet begrenzt.  

Begleitend: mäßiges Fieber, leichte Lymphadenitis, seltener geringe arthritische Symptome.

Bronchitis tritt nach Inhalation des Erregers auf. Selten können auch Endokarditis und Sepsis können bei immuninkompetenten Patienten auftreten.    

Differentialdiagnose

Erysipel: höhere Akuität mit Fieber, Schmerzen, Lymphadenopathie und Lymphadenitis.

Arzneimittelreaktion, fixe: Lokalisierte, fleck- oder plaqueförmige, auch bullöse oder erosive Hautreaktion; zeitlicher Zusammenhang mit der Einnahme von Arzneimitteln ist gegeben. 

Erysipeloid-artige Hautreaktionen wurden nach Gemcitabin beschrieben (Ruiz-Casado A et al. 2015).

Erythema  chronicum migrans: 10-30 Tagen nach Zeckenstich ein rundlich-ovales, scharf berandetes, zentral abblassendes, blassrotes oder auch lividrotes  Erythem, das sich langsam zentrifugal ausdehnt. Bei längerer Bestandsdauer entsteht durch zentrale Abblassung eine ringartige Struktur, die häufig noch eine zentrale  Stichreaktion in Form einer roten Papel erkennen läßt. Selten an den Händen lokalisiert. Kein Fieber, keine Schmerzen. Zeckenstich meist erinnerlich.  

Externe Therapie

Feuchte Umschläge mit antiseptischen Zusätzen wie Chinolinol-Lösung (z.B. Chinosol 1:1000) oder Kaliumpermanganat (hellrosa). Ruhigstellung der befallenen Extremität. Nach drei Tagen klingen die Veränderungen i.d.R. ab.

Interne Therapie

Penicillin V (z.B. Megacillin) 1,2-3 Mio. IE/Tag p.o. über 10 Tage.

Alternativ Clindamycin (z.B. Sobelin) 3mal/Tag 300-600 mg p.o.

Alternativ Erythromycin (z.B. Erythrocyin) 3mal/Tag 500 mg p.o./i.v.

Hinweis(e)

Bei Infektionen von Tieren stehen tierärztlich verschiedene Impfstoffe zur Verfügung. Eine Impfung kann mit inaktivierten Vakzinen ab der 12. Lebenswoche erfolgen.  Lebendimpfstoffe können ab einem Alter von 6 Wochen verwendet werden. Die Auffrischungsimpfung erfolgt dann meist 2x/Jahr.  

 

Literatur
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  1. Baker WM (1873) Erythema serpens. St. Bartholomew's Hosp Rep (London) 9: 198-211
  2. Rosenbach AJF (1887) Über das Erysipeloid. Arch klin Chir (Berlin) 36: 346
  3. Klauder JV (1926) Erysipeloid and swine erysipelas in man. A clinical and bacteriological review: Swine erysipelas in the United States. J Am Med Assoc (Chicago) 86: 536-541
  4. Klauder JV et al. (1926) A distinctive form of erysipeloid among fish handlers. Arch Dermatol Syphilol (Chicago) 14: 622
  5. Kobayashi KI et al.(2019) Erysipelothrix rhusiopathiae bacteremia following a cat bite.
    IDCases 18:e00631.
  6. Ruiz-Casado A et al. (2015) Erysipeloid rash: A rare adverse event induced by gemcitabine. J Cancer Res Ther 11:1024.
  7. Veraldi S et al. (2009) Erysipeloid: a review. Clin Exp Dermatol 34:859-862

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