Echinokokkose B67.9

Synonym(e)

Hundebandwurmkrankheit; Hydatidenkrankheit

Erstbeschreiber

Redi, 1684; Pallas, 1766; von Siebold, 1853

Definition

Erkrankung des Menschen infolge einer Infektion mit dem Hundebandwurm Echinococcus cysticus (E. unilocularis, E. granulosus, E. vogeli) oder dem Fuchsbandwurm Echinococcus alveolaris.

Erreger

  • Hundebandwurm: Echinococcus cysticus = Echinococcus unilocularis = Echinococcus granulosus.
  • Fuchsbandwurm: Echinococcus alveolaris, Echinococcus multilocularis.
  • Hundebandwurm in Zentral- u. Südamerika: Echinococcus vogeli.

Vorkommen/Epidemiologie

Selten. Befall von Menschen meist in Gebieten mit schlechten sanitären Bedingungen und Tierhaltung (z.B. Schafzucht) u. streunenden Hunden, bei Kontakt zu erlegten Tieren (z.B. Waldarbeiter, Förster, Jäger), bei Verzehr von rohen Innereien.

Ätiopathogenese

  • Infektion von Zwischenwirten (z.B. Schwein, Schaf, Rind) oder Fehlwirten (Mensch) mit Echinococcus spp. durch Verzehr von mit Eiern kontaminierten Nahrungsmitteln (Obst, Gemüse, Wildfrüchte, Trinkwasser) oder engen Kontakt mit infizierten Endwirten.
  • Im Verdauungstrakt des Zwischenwirtes: Larvenstadium. Die Larven durchwandern die Darmwand, Befall vor allem von Leber, Lunge und Haut. Entwicklung von fertilen Finnen, die in Hydatiden mit dem Kot des Zwischenwirtes ausgeschieden werden und durch Kontamination von Nahrungsmitteln oder durch Verzehr von Teilen des Zwischenwirtes in den Endwirt gelangen.
  • Endwirte (Hauptwirte): Für Echinococcus granulosus: Hund, Fuchs; wilde Hunde (Dino, Schakal, Marderhund). Für E. multilocularis: Fuchs, sehr selten auch Hund oder Katze. Für E. vogeli: Kleine Nager (z.B. Agouti paca).
  • Entwicklung befruchteter Eier im Endwirt und Ausscheidung mit dem Kot in die Umwelt.

Klinisches Bild

  • Echinococcus cysticus (unilocularis) = Finnenstadium von Echinococcus granulosus: Hautzysten, weich-fluktuierende bis prall elastische, unverschiebliche, schmerzlose, bis zu faustgroße, subkutane Knoten. Klinische Symptome fehlen lange, schließlich Kompressionssymptome, tastbare Tumoren, Ikterus.
  • Echinococcus alveolaris (multilocularis) = Finnenstadium von Echinococcus multilocularis: Destruierendes Wachstum. Bei Befall der Haut: Große, blasige Tumoren mit transparentem, fluktuierendem Inhalt, Hydatidenschwirren.

Diagnose

Annamnese (Reise in Endemiegebiete, Kontakt zu Tieren), Röntgen Thorax u. Abdomen, Abdomensonographie, indirekter Immunofluoreszenztest (IFT), indirekter Hämagglutinationstest (IHAT), ELISA, Leberpunktion

Therapie

Verlauf/Prognose

Bei Resektionsmöglichkeit der Zystikus-Hydatiden günstig. Alveolaris-Zysten meist inoperabel, Letalität 50–75%.

Literatur
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  1. Brainard DM et al. (2003) Images in clinical medicine. Thoracic echinococcosis. N Engl J Med 348: 528
  2. Chrieki M et al. (2002) Echinococcosis--an emerging parasite in the immigrant population. Am Fam Physician 66: 817-820
  3. Deutz A et al. (2000) Echinococcosis--an emerging disease in farmers. N Engl J Med 343: 738-739
  4. Kashyap AS et al. (2003) Thoracic echinococcosis. N Engl J Med 348: 2156-2157
  5. Kodama Y et al. (2003) Alveolar echinococcosis: MR findings in the liver. Radiology 228: 172-177
  6. Pallas PS (1766) Miscellanea zoologica: Quibus novae imprimus atque obscurae animalium species. Describuntur et observationibus iconbusque illustrantur. Petrum van Cleff, Den Haag
  7. Redi F (1684) Osservazioni intorno agli animali viventi che si trovano negli animali viventi. Pietro Martini, Florenz
  8. von Siebold CT (1853) Ueber die Verwandlung der Echinococcus-brut in Taenien. Z Wissen Zool 4: 409–425

Disclaimer

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Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017