Drakunkulose B72.x0

Zuletzt aktualisiert am: 20.11.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Dracunculiasis; Dracunculose; Dracunculus medinenesis; Drakontiasis; Guineawurminfektion; Medinawurm; Medinawurminfektion

Erstbeschreiber

Velschius, 1674; Rudolphi, 1819; Forbes, 1838

Definition

Nematodeninfektion mit dem Medinawurm, zu den Filariosen zählend.

Erreger

Dracunculus medinensis, Medinawurm, Guineawurm. Das Männchen erreicht eine Länge von 3-4 cm, das Weibchen bis zu 1 m.

Vorkommen/Epidemiologie

  • Weltweit sind 200.000-300.000 Patienten befallen (Inzidenz wegen eines Eradikationsprogrammes der WHO stark sinkend).
  • Auftreten bevorzugt in trockenen tropischen Gebieten. Endemisch in Afrika (insbes. Sudan, Mali, Ghana), Arabien, Iran, Irak, Türkei, Afghanistan, Indien, Myanmar, Russland, Karibische Inseln, Südamerika.

Ätiopathogenese

  • Wirt der Larven ist der Ruderfußkrebs Cyclops.
  • Übertragung der Larven des Medinawurms über nicht abgekochtes Trinkwasser. Diese gelangen durch Verschlucken der etwa 4mm großen Ruderfußkrebse bei der Aufnahme von Trinkwasser in den menschlichen Organismus. Ausbreiten der Larven im Magen des Menschen, Durchdringen  der Magenwand durch die Weibchen (Männchen sterben ab), Ansiedlung im Bindegewebe und Reifung zu erwachsenen Formen. Der reife Wurm erreicht im Gewebe eine Länge bis zu 100 cm. 10-14 Monate nach der Infektion durchbricht das trächtige Weibchen bei Wasserkontakt die Haut und stößt seine Larven ab, wobei das Wurmende rupturiert. An dieser Stelle kommt es zu einer lokalen Entzündung und zur Blasenbildung, später zur Ausbildung eines Ulkus.  
  • Der Vorgang wiederholt sich bei erneutem Wasserkontakt, bis alle Larven abgestoßen sind. Der Wurm stirbt dann ab und kann aus der Haut herausgezogen werden.  

Lokalisation

In > 90% sind v.a. Füße und Unterschenkel betroffen. Meist Befall nur durch 1 Wurm, seltener 2; maximal bis zu 50. Ungewöhnliche Lokalisationen sind Skrotum oder Auge.  

Klinisches Bild

  • Inkubationszeit 8-12 Monate. Allergische Phänomene mit Fieber, Urtikaria, Brechreiz, Diarrhoe, Dyspnoe, Eosinophilie, Arthritiden, sterile Abszesse.
  • Hautveränderungen: 2-3 cm große, pemphigoide, juckende Blasen. Nach Einreißen der Blasendecke Entwicklung flacher Ulzerationen und Ödem der Umgebung. Chronische Eiterung, Zystenbildung u. Verkalkungen.

Externe Therapie

Interne Therapie

Prophylaxe

Abkochen oder Filtrieren des Trinkwassers mit engmaschigen Filtern.

Hinweis(e)

Diagnostik und Therapie sollte erfahrenen Tropenmedizinern vorbehalten bleiben.

Literatur
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  1. Cairncross S et al. (2002) Dracunculiasis (Guinea worm disease) and the eradication initiative. Clin Microbiol Rev 15: 223-246
  2. Centers for Disease Control and Prevention (CDC) (2003) Progress toward global eradication of dracunculiasis, January-June 2003. MMWR Morb Mortal Wkly Rep 52: 881-883
  3. Forbes D (1838) Extracts from the half yearly reports of the diseases prevailing at Dharwar in the 1st Grenadier Regiment, N.I. for the year 1836. Trans Med Phys Soc Bombay 1: 215–225
  4. Rudolphi CA (1819) Entozoorum Synopsis cui accedunt mantissima duplex et indices locupletissima. Sumptibus Augusti Rücker, Berlin
  5. Velschius GH (1674) Exercitationes de vena medinensis et de vermiculis capillaribus infantium. Auguste Vindel, Augsburg

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