Diphtherie der Haut A36.3

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Hautdiphtherie

Definition

Sehr seltene Infektion der Haut mit Corynebacterium diphtheriae (kann heute als Reisedermatose auftreten). Unterschieden werden:

  • Wunddiphtherie (Erregereintritt auf einer vorbestehenden Wunde)
  • primäre Hautdiphtherie (Eintritt des Erregers über die gesunde Haut)
  • sekundäre Hautdiphtherie (Autoinokulation der Haut bei vorbestehender Diphtherie).

Erreger

Corynebacterium diphtheriae (fakultativ anaerob).

Ätiopathogenese

Eindringen der Erreger in kleine Hautläsionen durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion, auch durch infiziertes Material.

Lokalisation

Wunddiphtherie: jede beliebige Körperstelle. Primäre Diphtherie: v.a. untere Extremitäten. Sekundäre Diphtherie: auf vorbestehenden ekzematösen Hautveränderungen.

Klinisches Bild

  • Wunddiphtherie: Durch Infektion einer vorbestehenden Wunde Ausbildung einer mit membranösen Belägen bedeckten, purulenten Wunde mit ödematöser, kräftig geröteter Umgebung.
  • Primäre Hautdiphtherie: Eintritt des Erregers über die Haut in den Organismus (Heteroinokulation). Zunächst Entwicklung einer (oder mehrerer) kleinen Pustel oder einer hämorrhagischen Blase bei geschwollener und hochroter Umgebungshaut; bei ausgprägtem meist stark gerötetem Kollateralödem,  rasche flache Ulzeration und Ausbildung eines peripher wachsendem Hautgeschwür mit grauweißlichen, später auch braun-schwarzen Belägen.
  • Sekundäre Hautdiphtherie: Autoinokulation der Haut bei vorbestehender Diphtherie mit oberflächlichen membranösen Belägen auf diskret ödematöser Umgebung.

S.a.u. ekthymaähnliche Diphtherie, gangränöse Diphtherie, impetiginöse Diphtherie, phlegmonöse Diphtherie und Diphtherie, ulzeröse Form.

Diagnose

Membranöse Beläge, Bakteriennachweis (Methylenblaupräparat und kulturell).

Externe Therapie

Interne Therapie

Verlauf/Prognose

Bei entsprechender Therapie günstig. Bzgl. der Toxinbildung besteht Unklarheit ob ein Antitoxin systemisch appliziert werden sollte. Es scheint jedoch so zu sein, dass bei kutanem Befall nur geringste Mengen an Toxin aufgenommen werden, sodass systemische Toxinwirkungen (Polyneuritis (A36.0), Myokarditis (A36.8) ) nicht auftreten. Einige Autoren befürworten jedoch den fühzeitigen Einsatz eines Antitoxins.  

Fallbericht(e)

Der 65 Jahre alte deutsche Urlauber (Urlaubsort Sri Lanka)  entwickelte nach einem 21-tägigen Badeurlaub eine massive (Erysipel-artige) schmerzhafte Schwellung und Rötung des Vorfußrückens mit Ausbildung mehrerer Blasen und Pusteln, die nach wenigen Tagen in flächige Ulzerationen weiterentwickelten. "Er sei am Strand in etwas hineingetreten", habe dies aber nicht weiter beachtet.

BSG: 70/95; CRP: 50,0 mg/dl (Normwert < 0,5 mg/dl); neutophile Leukozytose (Leukozytenzahl 12.000/ml),  ASL: 511IU/ml.

Wundabstrich: C.diphtheriae mitis und Streptokokken der Gruppe G

Therapie: Pencillin G 3 x 10 Mio IE/Tag i.v + Erythromycin 2x500mg/Tag  p.o.   über einen Zeitraum von 14 Tagen.

  

Wundabstrich:    

Literatur
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  1. Abdul Rahim NR et al. (2014) Toxigenic cutaneous diphtheria in a returned traveller. Commun Dis Intell Q Rep 38: E298-E300.
  2. Berg L et al. (2016) Kutane Diphtherie nach Bagatellverletzung in Sri Lanka. Hautarzt 66: 169-170
  3. Cassir N et al. (2015)Cutaneous diphtheria: easy to be overlooked. Int J Infect Dis 33:104-105.
  4. Flor-Henry P (1961) Cutaneous diphtheria: A brief historical review and discussion of recent literature, with presentation of two cases. Med Serv J Canada 17: 823
  5. Garman ME et al. (2003) Unusual infectious complications of dermatologic procedures. Dermatol Clin 21: 321-335
  6. Höfler W (1991) Cutaneous diphteria. Intern J Dermatol 30: 845–847
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  9. Wagner J et al. (2001) Infection of the skin caused by Corynebacterium ulcerans and mimicking classical cutaneous diphtheria. Clin Infect Dis 33: 1598-1600

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