Diarrhö

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Durchfall

Definition

Diarrhö, auch Durchfall genannt, bezeichnet eine Krankheit, der eine zu häufige Stuhlentleerung zugrunde liegt. Sie geht mit einer verminderten oder flüssigen Stuhlkonsistenz und einer vermehrten Stuhlmenge einher.

Einteilung

Nach Ätiologie

  • Infektiöse Durchfallerkrankungen (s.u.)
  • Antibiotikainduzierte Diarrhö (s.u.)
  • Lebensmittelvergiftung durch bakterielle Toxine wie S. aureus, B. cereus, Cl. Perfringens
  • Medikamente wie beispielsweise Laxantien, Chinidin, Zytostatika, Colchicin oder Chenodesoxylcholsäure
  • Intoxikationen durch Arsen, Kupfer, Quecksilber oder Giftpilze
  • Nahrungsmittelallergien
  • Erkrankungen die zur Malabsorption führen wie Laktasemangel und Fructoseintoleranz, M. Whipple, Strahlenenteritis, Störungen der Durchblutung oder Lymphdrainage oder Sprue
  • Erkrankungen die zu Maldigestion führen wie exokrine Pankreasinsuffizienz, chologene Diarrhö oder Postgastrektomie
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie M. Crohn und Colitis ulcerosa
  • Adenome und Karzinome des Kolons
  • Akute Graft versus host disease
  • Homononelle Ursachen wie beispielsweise Hyperthyreose, ein medulläres Schildrüsenkarzinom oder eine Addison-Krise
  • Autonome diabetische Neuropathie

Eine weitere Einteilung nach akuter und chronischer (über zwei Wochen) Diarrhö sowie  nach Dünn- und Dickdarmdiarrhö ist sinnvoll.

Vorkommen/Epidemiologie

Circa 30 % der deutschen Bevölkerung weist eine Diarrhö-Episode pro Jahr auf.

Diagnose

Im Rahmen des Diagnoseverfahres erfolgt eine Anamnese mit einer Beschreibung der Diarrhö, des Stuhlvolumens und einer Inspektion des Stuhlgangs. Darüber hinaus wird die Beziehung zu Medikamenten- und/oder Nahrungsaufnahme oder einer Fastenkur geklärt.

In einem weiteren Schritt wird mittels Klinik eine Stuhlinspektion durchgeführt und die Temperatur, Hydrationszustand, Abdominalbefund sowie extraintestinale Symptome untersucht.
Es erfolgt eine Untersuchung des Stuhlganges mit einem Nachweis von Blut, Fett, Leukozyten, Bakterien oder Parasiten. Darüber hinaus wird der Stuhlgang auf Elastase untersucht, um eine exokrine Pankreas ausschließen zu können. Bei einem vorliegenden Verdacht erfolgt eine Diagnostik der Erreger. Weitere Untersuchungen sind Koloskopie und ein Kolonkontrasteinlauf.

Therapie

Eine kausale Therapie erfolgt bei einer leicht verlaufenden, infektösen Reisediarrhö durch Antibiotika. Bei einer Post-Antibiotika-Therapie erfolgt eine Therapie mittels Joghurt und/oder dem Wirkstoff Saccharomyces boulardii; auslösende Antibiotika sollten bei einer noch erfolgenden Einnahme abgesetzt werden. Darüber hinaus empfiehlt sich eine gezielte Behandlung der nichtinfektiösen Darmerkrankungen.

Bei einer symptomatische Therapie erfolgt eine Rehydrierung durch die Gabe von Flüssigkeiten und Elektrolyte. Darüber hinaus können Sekretionshemmer, Motalitätshemmer und Spasmolytika verabreicht werden.

 

Naturheilkunde

Anwendung: Phytopharmaka zur Behandlung einer Diarrhö sind in Form von Pulver, Tinkturen, Teezubereitungen, Hefe in Kapseln und als Trockenextrakt erhältlich. Zur Therapie einer Diarrhö eigenen sich Gerbstoffdrogen, Quellstoffe, Adsorbentien, Antiphlogistika, peristaltikhemmende Drogen und Stoffe, die mikrobiologisch, antisekretorisch, antisekretorisch, antibakteriell, enzymatisch und immunstimulierend wirksam sind.

Akute, unspezifische Diarrhö:

Gerbstoffdrogen wie: 

Schleimdrogen (Quellstoffdrogen) wie:

Adsorbentien wie 

 

Gastroenteritis: Uzarae radix (Uzarawurzel), Tormentillae rhizoma (Tormentillwurz)

Darmschleimhautentzündungen: Gerbstoffdrogen

Chronische, rezidivierende Diarrhö: Psyllii semen (Flohsamen), Plantago ovata semen (indische Flohsamen), Tormentillae rhizoma (Tormentillwurz), Saccharomyces boulardii (Trockenhefe)

Kurzdarmsyndrom, Anus praeter:  Psyllii semen (Flohsamen), Plantago ovata semen (indische Flohsamen)

Darrhö mit spastischen Schmerzen: Uzarae radix (Uzarawurzel), Tormentillae rhizoma (Tormentillwurz)

Diarrhö bei Säuglingen und Kindern: Myrtilli fructus (Heidelbeerfrüchte), Apfel- oder Karottenpektin (s.u. Pektin)

 

 

 

 

Erweiterte Naturheilverfahren

Phytopharmaka zur inneren Anwendung

Rubi fruticosi folium (Brombeerblätter)

Tagesdosis: 4,5 g der Droge
Als Teeaufguss einen gehäuften TL mit einer Tasse Wasser abkochen, 10 bis 15 Minuten ziehen lassen und abseihen. Mehrmals täglich zwischen den Mahlzeiten verzehren.

Es sind keine Kombinationspräparate erhältlich. Kombinationen mit Odermennigkraut oder Frauenmantelkraut sind jedoch sinnvoll.

 

Quercus cortex (Eichenrinde)

Tagesdosis: 3 g der Droge

Kaltwasserauszug mit einem halben TL geschnittene oder gepulverte Droge mit einer Tasse kaltem Wasser ansetzen, kurz aufkochen und anschließend 5 Minuten ziehen lassen. Mehrmals täglich vor den Mahlzeiten warm trinken.

Bei einer Teeabkochung 2 bis 4 gehäufte Teelöffel der geschnittenen Droge mit einem ¼ Liter kaltem Wasser ansetzen, kurz aufkochen lassen und anschließend abseihen. Mehrmals täglich vor den Mahlzeiten warm trinken.

Präparate: Bombastus® Eichenrinden Tee
Kombinationspräparate sind nur als freie Rezeptur mit anderen Gerbstoffdrogen wie Tormentillwurzelstock erhältlich.

 

Alchemillae herba (Frauenmantelkraut)

Die mittlere Tagesdosis liegt bei 3 g der Droge.

Kaltwasserauszug mit 3 TL der zerkleinerten Droge und 1 Tasse kaltem Wasser ansetzen, circa 5 Stunden ziehen lassen und anschließend abseihen. Es sollten zwischen einer und drei Tassen pro Tag verzehrt werden.

Kombinationspräparate sind nur als freie Rezeptur mit anderen Gerbstoffdrogen wie Gänsefingerkraut erhältlich.

 

Potentillae anserinae herba (Gänsefingerkraut)

Als Teeaufguss einen gehäuften TL mit einer Tasse Wasser abkochen, 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Mehrmals täglich zwischen den Mahlzeiten verzehren.

Präparate:
Schoeneberger naturreiner Heilpflanzensaft Gänsefingerkraut

Kombinationspräparate sind nur als freie Rezeptur mit anderen Gerbstoffdrogen wie Brombeerblättern erhältlich.

 

Myrtilli fructus (Heidelbeerfrüchte)

Getrocknete Früchte: Mehrmals täglich 5 bis 10 g der getrockneten Früchte kauen.

Bei einer Teeabkochung 5 bis 10 g der zerquetschten Beeren mit einem ¼ Liter kaltem Wasser ansetzen, kurz aufkochen lassen und anschließend abseihen. Mehrmals täglich vor den Mahlzeiten warm trinken.

Es sind keine Kombinationspräparate erhältlich.

 

Coffea carbo (Kaffeekohle)

Mehrmahls täglich einen gestrichenen Teelöffel in Wasser verrühren und trinken.

Präparate: Carbo Königsfeld® Pulver: Kinder über 12 J. und Erwachsene sollten 4 x täglich jeweils einen gestrichenen Messlöffel einnehmen.

Kohle-Hevert® Tabletten (250 mg): 3 bis 4 x täglich 2 bis 4 Tabletten in Flüssigkeit zerfallen lassen. Kinder jeweils 1 bis 2 Tabletten.

Kombinationspräparate: MYRRHINIL-INTEST® Dragees: 3 x täglich 4 Dragees

 

Agrimoniae herba (Odermenningkraut)

Bei einer Teeabkochung mehrmals täglich eine Hand voll des Krauts in 1 Liter kaltem Wasser ansetzen, kurz aufkochen lassen und anschließend abseihen.
Bei einer Verwendung eines Pulvers mehrmals täglich einen gestrichenen Teelöffel in Wasser verrühren.
Als Teeaufguss einen TL mit einer Tasse Wasser abkochen, 5 bis 10 Minuten ziehen lassen und abseihen; 3 x täglich vor den Mahlzeiten verzehren.

Es sind keine Kombinationspräparate erhältlich.

 

Syzygii cumini cortex (Syzygiumrinde)

Bei einer Teeabkochung circa 6 g der Droge mit 200 ml Liter kaltem Wasser ansetzen, kurz aufkochen lassen und anschließend abseihen.
Es sind keine Kombinationspräparate erhältlich.
 

Theae nigrae folium (Schwarzer Tee) und Theae viridis folium (Grüner Tee)

Bei einer Teeabkochung circa 1 TL der zerkleinerten Droge mit 150 ml Liter Wasser ansetzen, kurz aufkochen, 10 Minuten ziehen lassen und anschließend abseihen.

Es sind keine Mono- oder Kombinationspräparate erhältlich.
 

Tormentillae rhizoma (Tormentillwurzelstock)

Bei einer Teeabkochung circa 1 TL der Droge mit 200 ml Liter kaltem Wasser ansetzen, kurz aufkochen lassen und anschließend abseihen; 3 bis 4 x täglich eine Tasse vor den Mahlzeiten verzehren.

Eine Tinktur mehrmals täglich, bei akuten Zuständen ggf. stündlich 10 bis 30 Tropfen einnehmen.

Präparate: Blutwurzeltee® Aurica

Es sind keine Kombinationspräparate erhältlich. Kombinationen mit Drogen wie Gänsefingerkraut und Kamillenblüten sind jedoch sinnvoll.
 

Saccharomyces boulardii (Trockenhefe)

Präparate: Perenterol® forte 250 mg Kapseln, Perocur® forte 250 mg Hartkapseln
Es sind keine Kombinationspräparate erhältlich.

 

Uzarae radix (Uzarawurzel)

Präparate: Uzara® 40 mg überzogene Tabletten, Uzara® Lösung. Kombinationsprärparate sind nicht empfehlenswert.

Hinweis(e)

Sonderformen der Diarrhö sind die Paradoxe Diarrhö, Nosokomiale Diarrhö und das Reizdarm-Syndrom.

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

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