Dermatitis solaris L55.-

Zuletzt aktualisiert am: 19.06.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Dermatitis photoelectrica; Erythema solaris; Phototoxic dermatitis; Phototoxische Dermatitis; Sonnenbrand

Definition

Häufige, akute, toxische Dermatitis als Folge einer übermäßigen Exposition mit ultraviolette Strahlung. Sie tritt v.a. bei sonnentwöhnten, hellhäutigen Kindern und Jugendlichen auf, denen Erfahrungen im Umgang mit Sonne fehlen. Mehr als 75% aller Sonnenbrände wird in der Altersgruppe bis 20 Jahre beobachtet.

Vorkommen/Epidemiologie

Rund  41% aller Deutschen erleiden 1x/Jahr eine Dermatitis solaris. In der Gruppe  der 18-29-Jährigen betrug die Häufigkeit/Jahr 71%, bei den > 60-Jährigen 16%. In der Gruppe der <30-Jährigen hatten rund 25% mehr als 1x/Jahr eine Dermatitis solaris.    

Ätiopathogenese

Phototraumatische Reaktion mit zytotoxischem Prozess durch die UVB-Fraktion des Lichtes. Obwohl die Pathophysiologie von thermischen Verbrennungen und der Dermatitis solaris ähnlich ist, verläuft die Zeitkurve unterschiedlich. Bei Verbrennungen tritt innerhalb weniger Minuten ein Erythem auf, bei der Dermatitis solaris wird dies zeitverzögert innerhalb von 3-5 Std. nach UV-Einstrahlung beobachtet mit einem reaktiven Maximum nach 12-24 Std.

Manifestation

  • Kinder und Jugendliche bevorzugt betroffen 
  • V.a. bei pigmentarmen Personen (Hauttyp I und II).
  • Gehäuft in Frühjahr und Sommer oder nach einer ersten stärkeren Sonnenexposition nach längerer, fehlender Exposition.
  •  Häufig auch bei Aufenthalt in Hochgebirgslagen.

Klinisches Bild

Die Dermatitis beginnt innerhalb der ersten 6 Std., erreicht nach 12-24 Std. ihren Höhepunkt und klingt je nach Intensität der toxischen Reaktion, nach 72 Std. wieder ab.

Anfangs zeigen sich an der Haut flächige (meist großflächige) scharf auf den Expositionsort begrenzte, juckende und schmerzende  Erytheme und z.T. auch flächenhafte Anschwellungen durch Ödembildung sowie Hitzegefühl.

Bei stärkerer Hautschädigung intensive  Schmerzsymptomatik.

Je nach Ausmaß der Schädigung, Ausbildung von kleinen und größeren subepithelialen Blasen.

Abheilung unter Krustenbildung, groblamellärer Abschuppung und ggf. bleibender Hyperpigmentierung; nur bei stärkster Schädigung Narbenbildung.

Bei Befall großer Hautflächen Systemzeichen wie: Fieber, allg. Krankheitsgefühl, Exsikkation, Abfall der Blutzuckerwerte.

Komplikation

Erhöhtes Risiko für die Entwicklung von epithelialen (s.u. Karzinom der Haut) und melanozytären Malignomen (s. Melanom malignes).

Therapie

Externe Therapie

Interne Therapie

Prophylaxe

Laut einer Forsa-Umfrage aus dem Jahre 2015 benutzen 17% nie ein Sonnenschutzprodukt, Männer seltener als Frauen (14%/21%). 70% der Befragten verzichten auf intensives Sonnebaden. 63% schützen sich durch Kleidung oder Kopfbedeckung. 36% vermeiden konsequent die Sonne in der Mitagszeit.      

Hinweis(e)

Wichtig ist die Kenntnis über Medikamente und Produkte, die die Lichtempfindlichkeit steigern (s. u. Phototoxizität).

Eine Dermatitis solaris kann als Triggerfaktor für andere Erkrankungen fungieren (s.a. Lichtdermatosen) - z.B. Psoriasis vulgaris, systemischer Lupus erythematodes .

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Amelot A et al. (2014) Phototoxic reaction associated with Malarone (atovaquone/proguanil) antimalarial prophylaxis. J Dermatol 41:346-348
  2.  DAK-Pressemitteilung: Sonnenbrand.  DAK Pressemitteilung 2016
  3. Jaworski K et al. (2014)  Cutaneous adverse reactions of amiodarone. Med Sci Monit 20: 2369-2372
  4. Lampel HP (2015)  Acute phototoxic reaction in a century cyclist. Clin J Sport Med 25:e28
  5. Proksch E et al. (2007) Rationale Behandlung von Patienten mit Verbrennungen 1.Grades. Hautarzt 58: 604-610
  6. Zink A et al. (2014) Images in clinical medicine. Phototoxic dermatitis. N Engl J Med 371:559

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