Dermatitis, Nesseltierlarven-Dermatitis T63.4

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Schwammtaucherkrankheit; Seabather's eruption

Definition

Exogen, durch Kontakt mit Nesseltierlarven-Toxinen ausgelöstes, akut verlaufendes toxisches Kontaktekzem. Es kann zu allergischen Reaktionen (Kreuzallergene!) bis hin zum anaphylaktischen Schock kommen. S.a.u. Dermatitis medusica.

Vorkommen/Epidemiologie

Küstenregionen, z.B. an den Küsten Floridas und der Karibik (Linuche unguiculata); mittelatlantische und nordöstliche Küsten der USA (Edwardsiella lineata).

Ätiopathogenese

Kontakt mit auslösenden Nesseltiertoxinen erfolgt z.B. beim Baden, Schnorcheln, Schwammtauchen. Meist verfangen sich die Larven in der Badebekleidung und setzen auf chemische oder physikalische Reize hin, meist Abtrocknen oder Abduschen mit Süßwasser, ihr Gift frei. Die Auslöser variieren je nach geographischer Region: Larven der Nesseltiere Edwardsiella lineata (Seeanemone) und Linuche unguiculata (Fingerhutqualle).

Manifestation

Saisonale Häufung in der Badesaison von März-August mit einem Gipfel im Mai nach dem Laichen der Nesseltiere.

Klinisches Bild

Typischerweise zeigen sich die Hautveränderungen einige Stunden nach dem Baden in infestiertem Wasser an Stellen, die von der Badebekleidung bedeckt waren. Es zeigen sich stark juckende Papeln und/oder Urticae. Später ggf. Superinfektion mit nachfolgenden Ulzerationen.

Komplikation

Anaphylaktische Reaktionen.

Therapie

  • In vielen Fällen sind die Verletzungen harmlos und heilen innerhalb kurzer Zeit ab. Residuale Hyperpigmentierungen sind möglich. Bei Schocksymptomatik: Behandlung des anaphylaktischen Schocks, s.u. Schock, anaphylaktischer.
  • Weitere Maßnahmen:
    • Fixation der Nesselkapseln über Essigsäurelösung oder Isopropanol (wenn nicht verfügbar Rasierschaum).
    • Abspülen mit Meerwasser (nicht mit Süßwasser abduschen denn Süßwasser führt zu einem osmotischen Zerplatzen der Nematodenzysten, wodurch weiteres Gift freigesetzt wird).
    • Entfernen der Tentakelreste mit der Pinzette (nicht mit der bloßen Hand!), ggf. in oberflächlicher Lokalanästhesie (z.B. EMLA Creme, Eisspray).
    • Kühlen (Kühlkompressen oder Eis oder Eisspray).
    • Ggf. topische Glukokortikoide wie 0,1% Betamethason-Lotio (z.B. Betagalen) oder 0,25% Prednicarbat-Creme (z.B. Dermatop Creme).
    • Antihistaminika wie Desloratadin (z.B. Aerius 1-2 Tbl./Tag) bei starkem Juckreiz und urtikariellen Veränderungen.
    • Nekrosenbildung: s.u. Wundbehandlung.
    • Superinfektion: ggf. antibiotische Behandlung mit Breitbandantibiotikum z.B. Makroliden oder Gyrasehemmern.

Therapie allgemein

Sofortmaßnahmen:
  • Sofortiges Verlassen des Wassers wegen Gefahr einer anaphylaktischen Reaktion!
  • Vermeiden, dass weitere Personen bei Hilfeleistung mit Nesseltierresten ungeschützt in Kontakt kommen! Tragen von Handschuhen.
  • Inaktivierung und wenn möglich Abspülen am besten durch Essigwasser, ansonsten durch Alkohol in jeder Form oder Olivenöl. Wenn keine Hilfsmittel vorhanden sind, Entfernung des Nesseltierschleims mit trockenem Sand (nur vollständig abgetrockneter Schleim).
  • Merke! Mechanisch abgekratzt werden sollte nur vollständig getrockneter Schleim!

Verweisende Artikel (2)

Schwammtaucherkrankheit; Seabather's eruption;

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